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Der Halloween Havoc

Als Vince McMahon die WCW kaufte, schlug er den letzten Nagel in den Sarg der WCW und damit den einer der größten Wrestlingorganisationen der amerikanischen Geschichte. Somit beendete er auch jahrelange Wrestlingtradition, als er den Kaufvertrag unterschrieb. Er setzte Starrcade ein Ende, das ursprünglich eigentlich nur als eine einmalige Angelegenheit rund um Ric Flair aufgebaut werden sollte, sich dann aber fast zwanzig Jahre lang zu einer der größten reinen Wrestling-Shows des Jahres mauserte. Er begrub die Wargames, die zu einem Markenzeichen der WCW/NWA geworden waren. Der NWA World Heavyweight Title, der auf eine fast sechzigjährige durchgängige Geschichte zurückblicken konnte (sieht man mal vom 1991er Fiasko rund um Flair ab), wurde zu einem Spielzeug von Vince McMahon reduziert. Es wird nie wieder Starrcade geben, es wird nie wieder den Bash at the Beach geben, nie mehr Spring Stampede und nie mehr Uncensored - und auch der Halloween Havoc ist tot. Deshalb sei dieser PPV an dieser Stelle einmal exemplarisch herausgegriffen und durch einige historisch bedeutende, wrestlerisch hochklassige oder einfach nur absurde Momente dargestellt - eben Momente, die die WCW einst zu dem gemacht haben, was sie einmal war.
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Spin The Wheel, Make The Deal (Halloween Havoc 1992)
Am 2. August 1992 fand in der Baltimore Arena eine der denkwürdigsten Veranstaltungen in der Geschichte von World Championship Wrestling statt. In der Halle waren über die Jahre schon zahlreiche bedeutsame Momente der NWA bzw. WCW von statten gegangen, an diesem Abend sollte eine weitere Story hinzukommen.

Sting sollte an eben diesem Abend in einem Re-Match um den WCW World Heavyweight Title gegen Vader antreten - also gegen den Mann, der ihn vier Wochen zuvor beim Great American Bash nach Strich und Faden verprügelt hatte. Als Sting relativ früh in der Show zu einem Interview bezüglich des anstehenden Matches in der Halle erschien, war das Publikum absolut begeistert. In der ersten Minute des Interviews hatte Sting jeden einzelnen Zuschauer in seiner Hand. Zu seinem Pech sollten sich die Dinge jedoch ändern.

Während das Interview von statten ging, kam plötzlich niemand anderes als Jake Roberts durchs Publikum. Er attackierte Sting auf brutalste Art und Weise und schlug ihn gnadenlos zusammen. Als der Stinger nicht mehr stehen konnte, hob Roberts ihn hoch, legte einen Stuhl auf den Boden und donnerte Stings Kopf mit einem DDT darauf. Sting musste auf einer Trage aus der Halle geschleppt werden. Überflüssig zu sagen, dass das Re-Match um den Titel damit ins Wasser fiel.

WCW-Kopf Bill Watts gefiel die Situation natürlich nicht, aber er wollte die Zuschauer in der Baltimore Arena auch nicht nach Hause schicken, ohne dass Vader seinen Titel verteidigen musste. In letzter Minute entschied Cowboy Bill Watts deshalb, dass der Name von jedem WCW-Wrestler, der gegen Vader antreten wollte, in einen Hut gesteckt werden sollte. Einer der Namen würde dann gezogen werden und dürfte im Main Event gegen Vader um dessen World Heavyweight Title antreten.

Mehr als ein Dutzend WCW-Wrestler fanden sich dann inmitten des Ringes wieder und schauten Watts bei der Ziehung zu. Der schloss die Augen, steckte seine Hand in den Hut und zog einen Schnipsel Papier heraus. Der Name, den er gezogen hatte: Ron Simmons.

Vader und der spätere Faarooq hatten daraufhin ein sehr gutes Power-Match, und die Zuschauerschaft in der Baltimore Arena stand wie eine Eins hinter "The Natural" Ron Simmons. Als der Abend vorbei war, war Ron Simmons der erste dunkelhäutige Heavyweight Champion der Wrestling-Geschichte. Es war ein beeindruckender Augenblick, und - wieder einmal - wirkte das Ganze von hinten bis vorne real, ganz im Gegensatz zum Geschehen in der cartoonartigen World Wrestling Federation.

Als Ron Simmons auf den Ropes stand und den großen goldenen Gürtel über seinen Kopf stemmte, wurde das Publikum lauter und immer lauter, euphorischer und immer euphorischer. Tausende waren in die Baltimore Arena gekommen, um eine Standard - WCW House Show erleben zu können, und um ihre favoritisierten Old-School Wrestler von Nahem sehen zu können. Als sie die Halle wieder verließen, hatten sie miterleben können, wie einer der wichtigsten Titel der Wrestling-Welt völlig ohne Vorwarnung den Besitzer gewechselt hatte. Sie hatten somit erlebt, wie Geschichte geschrieben wurde.

Und damit springen wir an dieser Stelle in die Mitte des Oktobers. Die Fehde zwischen Sting und Jake Roberts wurde von Tag zu Tag intensiver geführt. Nachdem die Fehde nun schon fast drei Monate lang schwelte, wurde ein Match zwischen beiden für den Halloween Havoc ausgemacht, welches die Verhältnisse nun endgültig klären sollte. Dabei war ein normales Match nicht genug, um diesen Krieg zu beenden. Ein Spezial-Match wurde benötigt... ein Match mit furchterregenden Regeln.

Zu diesem Zwecke wurde im Oktober 1992 "Spin The Wheel, Make The Deal" erschaffen.

Denjenigen, die außer dem blumigen Namen nichts von dieser Sache wissen, sei erklärt, dass es sich dabei um nichts anderes als ein dumpfes übergroßes Papprad handelte, auf dem sich zehn verschiedene Matcharten wiederfanden. Beim Halloween Havoc sollte das Rad gedreht werden, und welche Matchart auch immer dabei herauskommen würde, Sting und Jake Roberts müssten in genau so einem Match gegeneinander antreten. Die zehn Möglichkeiten waren im Einzelnen:

1. Texas Death Match
2. Bullrope Match
3. Strap Match
4. Cage Match
5. First Blood Match
6. "I Quit" Match
7. Coal Miners Glove Match
8. Lumberjack Match
9. Barbed Wire Match
10. Spinner's Choice

Das Glücksrad stand an seinem Platz, der Vertrag für das Match war unterschrieben, nun musste der Halloween Havoc nur noch gegenüber der Wrestling-hungrigen Bevölkerung promotet werden. Und nun stellen wir uns mal vor, wir wären Herr oder Frau X, unseres Zeichens Leiter der WCW. Was würden wir machen?

(a) Wir würden aufregende Video-Einspieler produzieren, die von den Highlights der Fehde berichten und somit die Fans auf das Match einstimmen.
(b) Wir würden die Kommentatoren anweisen, das Match so gut wie möglich bei den Übertragungen im Fernsehen anzuheizen.
(c) Wir würden fast eine halbe Million Dollar investieren, um einen "Spin The Wheel, Make The Deal" - Minifilm zu produzieren, in dem sich Midgets und Biker in einer geheimen Bar befinden, wie in Trance "Spin The Wheel, Make The Deal" rufen, und auf Sting warten. Und in dem Moment, in dem Sting ankommt, würden wir dafür sorgen, dass die Biker und die Midgets mit den Tischen herumwerfen und Sting mit LASERSTRAHLEN aus seinen Augen auf Jake Roberts schießt.

Wenn ihr für (c) gestimmt habt, dann wärt ihr der richtige Kandidat für den Chefsessel von World Championship Wrestling, wenn die Company noch existieren würde. Der Kurzfilm war absolut grauenvoll, er ließ die ganze Sache wie einen schlechten Witz erscheinen, und er zerstörte jegliche Aura, die das Match umgab.

Um es kurz zu machen: der Halloween Havoc 1992 war grauenvoll. Alle drei "Hauptmatches" des Pay-Per-Views waren absolute Reinfälle. Rick Rude und Masahiro Chono, die sich zuvor einen Fast-Fünf-Sterne-Klassiker um den NWA World Heavyweight Title geliefert hatten, leisteten sich eines der schlechtesten Matches, die jemals auf amerikanischem Boden stattgefunden haben. Das Ende sah so aus, dass eine Reihe Referees verwickelt war, zur Hälfte Japaner, zur anderen Hälfte Amerikaner, die in Kreisen herumliefen und schrien. Das Resultat war ein genervtes Publikum, das sich eine halbe Stunde lang hatte Nonsens ansehen müssen. Der Titel verblieb bei Rude, und niemanden interessierte es.

Das World Title Match war ebenfalls ein Schuss in den Ofen. Ron Simmons war noch immer recht frisch als Champion und brauchte nun einen glaubhaften Herausforderer, um als Titelträger akzeptiert zu werden. Bill Watts Lösung: The Barbarian. Ja, richtig gelesen, der Barbarian. Der Mann, der "berühmt" wurde durch Szenen wie seinen Squash gegen Joe Wolfe bei WWF-Superstars, kämpfte nun um einen der bedeutendsten Titel im Business. Die Zuschauer hassten diese Situation selbstverständlich. Wobei man diesen Hass eher noch als Apathie bezeichnen könnte, denn nicht ein einziger Mensch in Philadelphia gab einen Ton von sich, während der Kampf lief. Ach ja - Simmons gewann, was die wenigsten überraschen dürfte.

Damit war es dann an der Zeit für den Main Event. Nach fast drei Monaten, in denen die Fehde aufgebaut wurde - und nach Wochen der Spekulation, wo das Glücksrad wohl stehen bleiben würde, war es nun an der Zeit, die Wahrheit zu offenbaren. Sting setzte das Rad in Bewegung, während billige Pyros zweitklassige Blitze in die Luft zucken ließen. Die Radkonstruktion sah so aus, als würde sie jeden Moment zusammenstürzen. Das Ganze wirkte eher wie ein Low Budget - Harry Wijnford Revival als ein aktueller Wrestling-Angle.

Resultat war ein Coal Miners Glove Match. Autsch. Bill Watts hatte das Rad vollbeladen mit aufregenden, kontroversen Matches wie First Blood oder auch Barbed Wire, und am Ende kam dann das Gimmick-Match dabei heraus, das die absolut schlechteste und langweiligste Wahl war.

Das Match war schrecklich, das Publikum entgeistert, und am Ende kam dann auch noch einer der stumpfsinnigsten Momente der Geschichte von Pay-Per-Views der WCW dabei raus. Der Schluss sah nämlich so aus, dass Jake seine Schlange unter dem Ring hervorholte, sie aus dem Sack zog und dazu bringen wollte, Sting zu beißen. Sting jedoch griff die Schlange am Nacken (nennt man diesen Bereich bei Schlangen Nacken?) und warf sie zurück in Richtung Roberts. In der Theorie hätte das Tier nun ihre Beißerchen im Gesicht von Jake Roberts versenken sollen, genau wie sie es ein Jahr zuvor in der Federation in Randy Savages Arm tat. Tatsächlich aber schien die Schlange in etwa genauso interessiert an einem Biss in Jakes Gesicht zu sein, wie ein Puroresu-Fan in die Betrachtung des Chamber of Horrors - Matches beim Havoc 1991, zu dem wir in der nächsten Ausgabe der Halloween Havoc - Retrospektive kommen werden. Jake musste also "improvosieren", indem er die Schlange griff und dann auf sein Gesicht drückte - und zwar auf völlig gekünstelte, lächerlich wirkende Art und Weise. Die Schlange weigerte sich immer noch, Jake zu beissen. Stattdessen schien sie zu grinsen, als wüsste sie, dass sie den Oktober-PPV der WCW gerade endgültig ruinierte. Um der grauenhaften Entwicklung der Geschehenisse ein würdiges Ende zu geben, stürzte Jake cartoonartig zu Boden - aufgrund der "Schmerzen" und des "Giftes", das er aufgrund des imaginären Bisses nun in seinem Körper hatte. Sting pinnte Roberts, die Zuschauer an den Fernsehbildschirmen lachten, und die anwesenden um ihr Geld geprellten Zuschauer in der Halle probten beinahe den Aufstand.

Das Match war furchtbar, die Zuschauer hassten es, und der Schlangenmann war ein paar Wochen nicht mehr in der WCW zu sehen. Grauenhaft, aber trotzdem auf seine eigene Art und Weise denkwürdig.
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