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Sudel-Axels schwarzer Kanal

In 11 Episoden philosophierte unser hauseigener Kritiker Sudel-Axel unter Zuhilfenahme verschiedener Quellen über Bizarres und Katastrophales aus der Wrestlingwelt. Hier könnt ihr nachlesen, was er damals zu motzen hatte.
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Folge 11: Merkwürdige Gimmickmatches
Einen wunderschönen guten Tag, Genickbruch-Abhängige,

und herzlich Willkommen zu einer Sonderausgabe von Sudel-Axels schwarzem Kanal! Die älteren User werden sich eventuell noch an diese Kolumne erinnern - in zehn Ausgaben schrieb ich damals unregelmäßig über die stupidesten Gimmicks aller Zeiten. Die alten Ausgaben sind noch in der Gimmickmüll-Rubrik auf der Hauptseite zu finden, exemplarisch sei den neu hinzugekommenen Lesern die Geschichte über den ringenden Bären nahegelegt.

Warum jetzt aber eine Sonderausgabe? Ganz einfach: bekanntlich veröffentliche ich derzeit im wöchentlichen Abstand die Geschichte des Halloween Havocs. In der vierten Folge kam dort das Chamber of Horrors Match vor. In diesem Atemzug nannte ich auch noch vier andere fürchterliche Gimmick-Matches. Dabei handelte es sich zum einen um das Hell in a Kennel Match, weiterhin um das Shark Tank Match, drittens um das Turkey on a Pole Match, und abschließend um das Bungee Cord Match.

Nun bekam ich eine Mail von unserem früheren Boardhell-Moderator Samhain, der wissen wollte, worum es sich bei diesen Matches handelt. Da ich mir bei meiner Antwort auf seine Nachricht überlegte, dass es eventuell auch noch den ein oder anderen weiteren Leser geben könnte, der von den vier Matches nichts mitbekommen hat, entschloss ich mich kurzerhand, für dieses eine Mal den guten alten schwarzen Kanal zu reaktivieren. Das Bungee Cord Match, auch Bungee Jump Match genannt, ist bereits auf dem Gimmick-Schrottplatz zu finden. Ziel dieses Matches war es, dass sich zwei an Bungee-Seilen befestigte Wrestler gegenseitig von einer Plattform zu werfen versuchten. Um die Plattform als erschreckend hoch zu verkaufen, ließ man erstmal einen anderen Mann hochfahren, und er brachte bei seiner Rückkehr "Mondsteine" mit. Stumpfsinn, den ich jedoch nicht nochmal aus der Versenkung holen werde, denn den haben wir ja bereits auf unserer Homepage zum Nachlesen. Ich werde mich stattdessen auf die drei anderen Matches stürzen.

Hell in a Kennel

Das Hell-in-a-Kennel-Fiasko der World Wrestling Federation, auch "Kennel from Hell" genannt, fand im Jahre 1999 beim alljährlichen Pay-Per-View "Unforgiven" statt. Dabei handelte es sich um ein Match um den WWF Hardcore Title, welches von Al Snow und dem Big Boss Man bestritten wurde. Nun hatten Hardcore-Matches in der Federation ohnehin die Eigenschaft, qualitativ irgendwo zwischen grauenvoll und lächerlich zu liegen. An diesem Abend aber setzte man dem Stumpfsinn noch die Krone auf.

Im Prinzip handelte es sich bei diesem Kampf um ein doppeltes Käfigmatch. Zunächst einmal befanden sich beide Wrestler in einem normalen Käfig. Um diesen Käfig herum stand ein zweiter Cage. Dieser hatte die Größe eines Hell-in-a-Cell-Käfigs. Ziel des Kampfes war es, beide Käfige zu verlassen. Soweit noch nicht sonderlich stumpfsinnig. Stumpfsinnig wurde es in dem Moment, in dem das Booking-Komittee einen zu tiefen Zug aus der Bong intus hatte und "bissige" Hunde zwischen beiden Käfigen platzierte.

Dass Käfigmatches nicht unbedingt die Sache des Boss Man sind, wird man spätestens seit dem blumigen Hell in a Cell Match Ray Traylors gegen The Undertaker wissen. In diesem Fall entwickelte sich ein ganz besonders langweiliges, schleppend geführtes, wrestlerisch minderwertiges und sich immer weiter in die Länge ziehendes Match. Man prügelte die ganze Zeit mit Gegenständen aufeinander ein, ohne mal zwischendurch einen Move einzustreuen. Am Ende konnte Al Snow seinen Gegner mit Head niederschlagen und die Käfige problemlos verlassen.

Und die bissigen Hunde? Die waren die ganze Zeit damit beschäftigt, sich gegenseitig anzubellen. Offensichtlich war das Ganze also selbst einer Horde Tiere zu dumm. Eventuell war es also einer dieser Momente, die einen glauben lassen, Tiere hätten doch mehr auf dem Kasten als die ein oder andere Menschengestalt.

Shark Tank Match

Das Shark Tank Match fand Anfang der siebziger Jahre im Rahmen von Detroits Big Time Wrestling zwischen Chief Jay Strongbow und Bulldog Don Kent statt. Strongbow konnte man im Nordost-Territorium zu diesem Zeitpunkt schon als Legende bezeichnen. Don Kent war eine Hälfte der Fabulous Kangoroos und somit auch ein großer Name.

Der Erfinder des Shark Tank Matches selbst hatte wahrscheinlich vor dem Booken ein Medium aufgesucht, es in die Zukunft schauen lassen und eine verschwommene Prise von Vince Russo gesehen. Im Prinzip handelte es sich von den Regeln her um ein stinknormales Cage Match. Somit sahen die Regeln so aus, dass man die beiden Männer in einen Käfig sperrte, aufeinander einschlagen ließ und darauf wartete, bis einer von beiden wieder herauskam. Soweit, sogut. Das Problem an diesem Match war, dass es sich nicht um einen normalen Käfig handelte. Der Shark Tank war einer dieser Käfige, in denen sich Haifischjäger befinden, wenn man sie ins Wasser lässt, damit sie ihrer Arbeit unbeschadet nachgehen können - somit um sie vor eventuellen Angriffen der Tiere zu schützen. Diese Käfige sind kaum größer als die Haifischjäger selbst.

Dementsprechend eingeschränkt war dann auch der Handlungsspielraum, den Strongbow und Kent zur Verfügung hatten. Wie ein Match abläuft, das in einem Raum stattfindet, der gerade mal etwas größer als eine Telefonzelle ist, kann man sich wohl gut vorstellen: kein Platz für Aktionen, somit wirkte es eher so, als würden die beiden Männer miteinander kuscheln oder tanzen. Am Ende setzte man der Sache noch einen drauf, indem man Mark Lewin einen Run-In einstreuen ließ. Lewin würgte Kent, was Strongbow die Gelegenheit gab, den Shark Tank zu verlassen. Damit hatte er nach fast acht Minuten Zuschauerquälerei gewonnen.

Turkey on a Pole

Das Turkey on a Pole Match fand Ende 1990 bei der letzten Show der altehrwürdigen AWA auf ESPN statt. Woche für Woche übertrug man an dieser Stelle im Rahmen der Matches der sogenannten "Team Challenge Series". Die teilnehmenden Teams hatten hierbei die Chance, einen Preis in Höhe von einer Million Dollar zu gewinnen. Um die Spannung zu erhalten, gestaltete man den Ablauf natürlich so, dass die Zwischenstände immer eng beieinader lagen, so dass den Teams stets noch eine Siegchance zur Aussicht stand.

Im Jahre 1990 kamen nur noch so wenige Zuschauer zu den Veranstaltungen der AWA, dass die Matches in einem kleinen rosa Raum ausgetragen wurden. Stumpfsinnigerweise begründete die AWA dies damit, dass man dadurch Eingriffe von außen verhindern wollte. Selbstverständlich war der wahre Grund aber der, dass man vor den einzelnen noch immer vorhandenen Zuschauern am Fernseher nicht zugeben wollte, dass das Faninteresse bei den Shows vor Ort völlig verschwunden war.

Kurz vor dem Ende der Team Challenge Series erhielt Sgt. Slaughter ein lukratives Angebot von der World Wrestling Federation und machte sich prompt vom Acker. Da er als Teamcaptain fungiert hatte, musste er ersetzt werden. Seinen Platz nahm forthin Colonel DeBeers ein.

Das abschließende Match der Serie fand in der Zeit um Thanksgiving statt, und es handelte sich eben um das Turkey on a Pole Match, gelegentlich auch als "Great American Turkey Find" bezeichnet. Der Sinn dieses Kampfes lag darin, als erster einen gefrorenen Truthahn zu erreichen. Colonel DeBeers traf dabei auf "Milkman" Jake Milliman. Milliman war quasi Brooklyn Brawler der AWA, somit ein Langzeit-Jobber. Er vertrat das Team "Larry's Legends", sein Captain war Larry Zbyszko. Am Ende war es Milliman, der zur Überraschung aller den Truthahn als erster in die Finger bekam, somit seiner eigenen Niederlagenserie ein Ende setzen konnte und Zbyszkos Team einen unerwarteten Sieg bescherte.

Ich glaube, es macht Sinn, die AWA demnächst mal im Rahmen von Axels Flimmerkiste genauer unter die Lupe zu nehmen.

Und damit wäre ich dann am Ende der wohl am seltensten erscheinenden Kolumne der Wrestlingseiten-Geschichte angelangt. Ich hoffe, ich habe ein paar Bildungslücken stopfen können. ;-) Für Kritik, Hinweise und die Lottozahlen vom kommenden Wochenende steht wie gehabt mein Kontaktformular zur Verfügung.
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