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Sudel-Axels schwarzer Kanal

In 11 Episoden philosophierte unser hauseigener Kritiker Sudel-Axel unter Zuhilfenahme verschiedener Quellen über Bizarres und Katastrophales aus der Wrestlingwelt. Hier könnt ihr nachlesen, was er damals zu motzen hatte.
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Folge 6: Tom Gerhardt, Pro-Wrestler
Verehrte Genickbruch-Abhängige!

Es gibt häufiger Tage, an denen man vor dem Zubettgehen verzweifelt resümiert, dass man wieder einen Fernsehabend vollkommen verschwendet hat, obwohl man tausend andere Dinge besser hätte machen sollen. Ein gutes Buch lesen in etwa, den Rubikwürfel aus den achziger Jahren mal wieder hervorkramen, oder eine Wrestling-Homepage aus dem Boden stampfen. Aber nein, fernzusehen ist ja viel einfacher, deswegen bleibt man doch viel eher am guten alten Onkel Flimmerkasten hängen. Auch an diesem Samstagabend entschieden sich dafür wieder Abermillionen. In dem Fall wählten sie vorzugsweise das RTL-"Promiboxen" als ihre Abendunterhaltung aus. Und nicht wenige von ihnen werden im Nachhinein den Kopf geschüttelt haben, warum sie sich das angetan haben. Okay, immerhin werden sie einige neue Gesichter gesehen haben, von denen sie bisher noch nicht wussten, dass es sich dabei um Prominente handelt.

Leider ist Genickbruch.com keine Box-Homepage, sonst hätte dieser Abend einen dicken Eintrag in den Gimmickmüll bedeutet. Der zugehörige Eintrag im Sportforum des Boardhell (einen Moment - was hat dieser Unsinn eigentlich im Sportbereich zu suchen?) brachte mich jedoch auf die Idee, eine neue Lieferung auf den Gimmick-Schrottplatz selbst zu verfassen. Die brillianten Boardhell-User Nicholas Kundler und SickNick nämlich waren es, die in diesem Zusammenhang Tom Gerhardts Auftritt im Wrestlingring erwähnten. Und siehe da, ihn haben wir noch gar nicht in der Gimmickmüll-Rubrik. Dafür wird es jedoch allerhöchste Zeit, deswegen heisst der heutige Neuzugang zum Gimmickmüll:

Tom Gerhardt, Pro-Wrestler

Mitte der Neunziger Jahre schwappte eine Welle heimischer Comedy durchs in Sachen Humor von aussen vielgescholtene Deutschland. Einiges davon ist uns bis heute noch erhalten geblieben, so glänzt Allroundtalent Harald Schmidt gleich viermal in jeder Woche, in der er nicht gerade Urlaub macht, über die Fernsehbildschirme. Verwandlungskünstler Mathias Richling beweist schon seit Urzeiten, dass anspruchsvoller deutscher Humor kein Hirngespinst ist, und auch beispielsweise der Oberösterreicher Josef Hader zeigt, dass deutschsprachiges Kabarett und Intelligenz keine Widersprüche sind.

Was jedoch machen Leute, denen das Talent, niveauvolle Comedy zu machen, nicht mit in die Wiege gelegt wurde? Richtig, sie setzen ganz einfach unterhalb der Gürtellinie an. Gehobener Anspruch ist nicht immer gefragt in deutschsprachigen Landen - nicht umsonst hält sich beispielsweise RTL 2 seit nunmehr neun Jahren bei fast konstant vier Prozent Marktanteil und gehört damit zu den fünf aktuell quotenstärksten Privaten - nicht umsonst begeistert uns der Neun Live-Blockbuster "Greif ab!" mit kniffligen Knobeleien der Form "Wie heisst der Helfer von Käpt'n Blaubär - Hein Schlau, Hein Klug oder Hein Blöd?" - und nicht umsonst überrannte der Ketchup-Song die deutschen CD-Verkaufscharts.

Vor dem Bereich Comedy machte dies natürlich nicht halt. Ingo Appelt beispielsweise lehrte bereits die jüngsten Fernsehzuschauer das böse Wort mit F und definierte den Begriff "geschmacklos" gänzlich neu. Nicht sehr weit von ihm entfernt ist der Mann, um den es in diesem Beitrag geht - Tom Gerhardt. Auf dem Bild ist er zu sehen mit einer der unter Internetfans äußerst umstrittenen ehemaligen Kommentatoren-Koryphäen, die die Zuschauer des Deutschen Sportfernsehens bei den Shows der WCW teils verwöhnten, teils quälten - welches Verb besser zutrifft, das sollte jeder für sich selbst entscheiden. Welcher der Kommentatoren es ist, weiss ich nicht - und um es mal vorsichtig auszudrücken: mein Wortschatz reicht nicht aus um zu beschreiben, wie egal es mir eigentlich ist, welcher von ihnen es ist. Hier geht es schliesslich um den anderen Mann auf dem Bild. Bezeichnend für Tom Gerhardt sind Auswüchse wie "Pinkeln vom 5-Meterbrett" oder filmische Highlights wie "Ballermann 6". Zu letzterem Machwerk ist nichts passender als ein Zitat von Amazon.de-Rezensent benedikt_amrhein3, der da schrieb: "Für so einen Proletenfilm schäme ich mich."

Fern von Deutschland und seiner Comedy taumelte World Championship Wrestling im Februar des Jahres 2000 bei Einschaltquoten von knapp unter 3 Punkten (Nitro) bzw. von 2 Punkten (Thunder). Vince Russo war gerade abgesägt worden, die Radicalz hatten sich in Richtung WWF verabschiedet, und Kevin Sullivan unterhielt die treuen Fans mit wahren Topfehden wie The Wall gegen The KISS Demon, Norman Smiley gegen Three Count und nicht zuletzt Tank Abbott gegen Big Al. Nichts lag näher, auch einmal die Fans ausserhalb der Vereinigten Staaten an diesen wahren Sternstunden des Sports Entertainment teilhaben zu lassen, und so entschloss man sich, mit der "Millenium Tour" in deutsche Lande einzuziehen.

Nun versetzen wir uns einmal in die Köpfe derer, die die Shows für diese Tour planten. Welche Zutaten braucht man, um mit einer Wrestling-Veranstaltung in Deutschland Erfolg zu haben? Zum einen sind da besonders die technisch veranlagten Wrestler gern gesehen. Gut, die WCW hatte Brian Knobbs, Jim Duggan und The Wall in ihren Reihen, da konnte schon mal nichts schiefgehen. Zum anderen braucht es einen glaubhaften Champion. Im Falle der WCW war dies zu dem Zeitpunkt Sid Vicious. Auch gut, der hatte damals ja noch keine 90-Grad-Winkel in den Schienbeinen. Was aber könnte man noch gebrauchen? Richtig, ein integratives Element.

Nun versuchen wir den gedanklichen Bogen der Herren Offiziellen einmal weiterzuschlagen. Wie schafft man ein solches integratives Element? Natürlich, man setzt Leute ein, die aus dem Land stammen, in dem man veranstaltet. Irgendwo in einer angestaubten Ecke des WCW-Lockerrooms gammelte Alex Wright herum, der Mann sollte sich also prima dafür eignen. Zwar hatte man gerade sein Berlyn-Gimmick tüchtig in den Sand gesetzt, aber wen kümmerte das schon, schliesslich handelte es sich um "Berlyn von Deutschland". Wen aber sollte man gegen Berlyn stellen?

Und nun kommen wir zum abschliessenden Teil des Gedankenganges der Organisatoren, in dem Falle von Dieter Krap und "ACE", so der Name seines Unternehmens. Oder anders ausgedrückt: zu dem Teil, den ich an dieser Stelle nicht interpretieren möchte. Denn wie musste man die deutschen Fans von World Championship Wrestling einschätzen, dass die Wahl ausgerechnet auf Tom Gerhardt fiel? An dieser Stelle sei einmal eingeflochten, dass es durchaus Momente gibt, bei denen man so etwas wie Mitgefühl (Spott ist mir ein Fremdwort!) mit der sagenumwobenen deutschen Wrestling-Fachzeitschrift aus Düsseldorf bekommt. Einer dieser Momente wird der sein, wenn darin über die aktuellen nekrophilen Vorkommnisse innerhalb der Shows aus Vince McMahons bunter Märchenwelt berichtet werden muss. Ein anderer war der Augenblick, als man ein Interview der leider nicht mehr existierenden Wrestling-Homepage Powerslam mit "Tommie" abdruckte. Sogar ein Poster über diese ganze Angelegenheit brachte man heraus.

Die gesamte Storyline wurde "ganz gross" aufgezogen. Ihren Anfang fand sie bereits bei Starrcade 1999. Tom Gerhardt war bei dieser Show am 19. Dezember in Washington nämlich direkt vor Ort. Er und Berlyn bekamen sich dabei im Backstagebereich in die Haare. In den folgenden WCW-Shows im Deutschen Sportfernsehen wurden immer wieder kleine Filmschnipsel mit Vorfällen zwischen den beiden eingespielt. Die Reibereien "gipfelten" darin, dass Tom Gerhardt den Auspuff an Berlyn's Wagen abmontierte. Nun war das Maß voll, ein Kampf für die Millenium-Tour wurde angesetzt.

Am 12. Februar war es dann in Oberhausen so weit, der "Showdown" zwischen Berlyn und Tommie sollte nun anbrechen. Darüber, dass Tom Gerhardt selbstverständlich keinerlei wrestlerische Fähigkeiten besitzt und nicht in einen Ring gehört, muss an dieser Stelle kein Wort verloren werden. Berlyn gewann den Kampf. Damit war die Sache jedoch noch lange nicht gelaufen, denn nun kamen The Wall und die Marmalukes angerannt und attackierten Berlyn. Aus dem Publikum kam Steve Wright und wollte helfen, auch das nützte nicht viel. Dazu sei gesagt, dass der Auftritt von Steve Wright auch nur etwas für die Alteingesessenen war, denn den jüngeren Wrestlingfans wird dieses Gesicht vollkommen unbekannt gewesen sein. Tom Gerhardt vollführte nun das, was im Wrestling-Geschäft ganz einfach nicht fehlen darf: einen Turn. Er verbündete sich mit Berlyn und dessen Vater und schlug die Angreifer in die Flucht. Den absoluten Gipfel fand dieses Spektakel darin, dass Berlyn Tom Gerhardt dafür den Auspuff seines Autos schenkte. Während den ersten Wrestlingfans langsam das Gehirn aus den Ohren hinauszubluten begann, feierten Berlyn, sein Vater und Gerhardt gemeinsam im Ring und das Szenario endete.

Tom Gerhardt ward seither nicht mehr in der Wrestlingwelt zu sehen, und auch von Alex Wright gab es ausser von ein paar Kurzauftritten an der Seite Disco Infernos als "Boogie Knights" nichts mehr zu berichten. In Anbetracht dieser Storyline kommt man um ein von Herzen kommendes "Ein Glück!" da nicht umhin. Und ehe Dieter Krap als Erfinder dieser Vorfälle diese Zeilen zu Gesicht bekommt und Tocotronic's "Die Welt kann mich nicht mehr verstehen" zu seiner Lebenshymne erklärt, schliesse ich sicherheitshalber an dieser Stelle mit dieser Ausgabe des schwarzen Kanals.
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