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The Rise And Fall Of ECW

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Kolumne
Ausgabe

"The Rise And Fall Of ECW" von Axel Saalbach
Der unerträgliche Overkill an Artikeln aus meiner Feder geht weiter: willkommen zu einer neuerlichen Ausgabe der Flimmerkiste! Nach dem Ausflug zu WrestleMania I am vergangenen Donnerstag ist dies hier wieder eine reguläre Edition der Flimmerkiste, ehe es morgen wieder mit FlimmerMania weitergeht. Nochmals danke im Übrigen für die anhaltend starke Resonanz, das Kontaktformular für Zuschriften jeglicher Art findet ihr wie üblich am Ende dieses Beitrages.

In dieser Woche wird die Flimmerkiste ein so aktuelles Thema behandeln wie nie zuvor in ihrer Geschichte - denn "The rise and fall of ECW" ist gerade einmal eine Woche alt. Deshalb war das Verfassen der hier vorliegenden Ausgabe ein Wettrennen mit der Uhr. Wie einst Marcel Proust habe ich mein Werk dann aber doch noch rechtzeitig fertigbekommen, ehe meine Zeit auf ihre Weise abgelaufen war, um hier mal einen anmaßenden Vergleich zu vermeiden. Die Flimmerkiste ist aufgrund ihres stark nacherzählerischen Charakters selbstverständlich voller rücksichtsloser Spoiler des Inhalts - dies zur Vorwarnung, ehe mir im Nachhinein das Weiterlesen übelgenommen wird.

THE RISE AND FALL OF ECW
Erscheinungsdatum:
16. November 2004

Die DVD besteht aus insgesamt 53 Kapiteln, die ich hier fast alle ansprechen werde, mal kürzer, mal weniger kurz. Erneut werde ich mich diesmal auf ein Gesamtfazit beschränken, da man bei einer solchen Dokumentation Fragmente schlecht nach Schulnoten einteilen kann. Da hier im Gegensatz zum Goldberg-Best-Of keine Dokumentation vorliegt, die für Marks angefertigt wurde, konnte man von vorneherein mit einem besseren Gesamtergebnis rechnen als bei der Flimmerkiste der vergangenen Woche. Dass es dann aber derart gut werden würde, das hatte man sich höchstens vorsichtig wünschen können. Aufgrund der Qualität, die am Ende dabei rauskam, spare ich mir heute wieder respektvoll weitestgehend meine brachialen Witzchen.

Was die ECW auszeichnete, waren nie nur die Storylines, nie nur die wrestlerische Qualität der Matches oder ähnliches. Es war vielmehr die gesunde Mischung an gebotenem Entertainment, versetzt mit einer gehörigen Portion Atmosphäre, nicht zuletzt ausgelöst durch die fanatischen Fans in den Hallen. Um den Hoffnungen in die DVD gerecht zu werden, hatte "The rise and fall of ECW" die schwierige Aufgabe, die damalige Atmosphäre aufzufangen und sie dann selbst angemessen zu vermitteln.

Los ging der Rückblick im Jahre 1993. In einer Zeit, in der die ECW noch Eastern Championship Wrestling hieß, Tod Gordon der Besitzer und Eddie Gilbert der Booker war. Genau in dieser Zeit stieß Paul Heyman zur ECW, nachdem er einen Anruf von Tod Gordon bekommen hatte. Heyman beschreibt seine Inspiration, bei der ECW anzuheuern, mit der Musikwelt: die trabte Anfang der neunziger Jahre ihren alltäglichen Trott vor sich hin, bis Nirvana kamen und die Wände zum Beben brachten. Heyman wollte durch das Produkt ECW genau das selbe Erdbeben für die Wrestlingwelt erzeugen, das Nirvana in der Musikwelt schafften. Und in der Tat, er hat es ja auch im Endeffekt fertiggebracht - wenngleich sich der Tod der ECW später freilich doch etwas länger hinzog als im Falle von Heymans Vorbild Kurt Cobain.

Die Verkörperung des "Nirvanas der Wrestligwelt" waren laut Heyman The Public Enemy, und damit wurde der Auftakt zur Vorstellung der wichtigsten Wrestler der ECW auf der DVD inszeniert. Heyman packte Rocco Rock und Johnny Grunge einst in ein Team, da sie zuvor immer miteinander gefehdet hatten und als Feinde so gut harmonierten. Wenn es schon auf diese Weise so gut klappte, dann musste es im Team erst recht gut funktionieren. Leider wurde an der Stelle kein Wort über den Tod von Flyboy Rocco verloren.

Weiter ging es mit Taz (sein Nackenbruch wurde erst später im Verlauf thematisiert), der davon erzählte, dass er einst von Heyman angerufen wurde und von ihm hörte, dass er ein Match mit Sabu bestreiten sollte - aus einem Match wurden recht schnell sieben Jahre am Stück bei der ECW. Heyman erklärte dazu, dass Taz' damaliger Gegner Sabu genau die Aura verkörperte, die er mit der ECW vermitteln wollte - das Ganze wurde mit zahlreichen kranken Highflying-Aktionen von Sabu durch diverse Tische untermalt. Ebenfalls dafür berühmt, kranke Matches zu bestreiten, war Terry Funk - Heyman beschrieb ihn als den einzigen Veteranen der Zeit, der abstruse Matches perfekt verkörpern konnte.

Sabu, Terry Funk und Shane Douglas bestritten bei "The Night The Line Was Crossed" einen Time Limit Draw in einem 3-Way Match um den ECW Heavyweight Title - ein Match, das die Zuschauer zu stehenden Ovationen bewegte und eine ganze Menge Aufmerksamkeit auf die ECW lenkte. Der daran beteiligte Shane Douglas gewann ein paar Monate später den NWA World Heavyweight Title, warf ihn jedoch zu Boden, beschimpfte die NWA in einem denkwürdigen Interview unter den altbekannten "ECW"-Chören des Publikums und erklärte sich selbst zum ECW World Heavyweight Champion. Außerdem nannte er Eastern Championship Wrestling ab sofort Extreme Championship Wrestling. Das Interview, das Wrestlinggeschichte schrieb, ist zum Glück für die Käufer der DVD praktisch komplett enthalten. Den aus seinen Worten sprechende Frust über die "sterbende" NWA und insbesondere die WCW teilte Douglas mit Paul Heyman. Tommy Dreamer vermutete sogar den Grund für Heymans Einstieg bei der ECW darin, dass er es den Leuten heimzahlen wollte, mit denen er in der WCW nicht zurechtkam: Leuten wie Eric Bischoff.

Die nächsten beiden, die an der Reihe waren, waren Tommy Dreamer und The Sandman in Form einer weiteren denkwürdigen Szene, die den Weg der ECW prägte: dem Singapore Caning Match der beiden, das Dreamer verlor und nach welchem er sich durch seinen Gegner mit dem Stock auspeitschen lassen musste. Eine äußerst emotionale Szene, bei der nebenbei eine Sache auffiel: weder zensierte man hier auf der von World Wrestling Entertainment herausgegebenen DVD am Blut herum, noch tat man etwas gegen die exzessive Verwendung des Wortes "fuck" in all seinen Variationen. Respekt, WWE. Nach dem Szenario schlug Dreamer die Zigarette des Sandman in dessen Auge, danach hämmerte er den Singapore Cane in sein anderes Auge. Ein absoluter Tabubruch, in mehrerlei Hinsicht: erstmals begann man an diesem Tag, die Rollen von Babyfaces und Bösewichten vollkommen miteinander zu vermischen.

Heyman beschrieb das Erfolgsrezept der ECW damit, dass die Fans die Nase voll hatten von den Old-School-Szenarien, die ihnen in der NWA und ihren Ablegern geboten wurde, ebenso von den sinnlosen Comicgimmicks der World Wrestling Federation. Mit der ECW wurde ihnen stattdessen das geboten, was sie sehen wollten: extreme Action. Ein Mann, der dafür stand, ist unter anderem Cactus Jack - und so wurde der gute Mick gleich mal ausführlich thematisiert, inklusive dem Spucken auf seinen Teilgürtel der WCW World Tag Team Titles in einer ECW-Show. Gleichzeitig wurde auch auf den Aufstieg Mikey Whipwrecks vom Mitglied der Ringcrew zum von den Zuschauern geliebten Tag Team Champion an der Seite von Cactus eingegangen. Whipwreck hats nicht umsonst in die Genickbruch'sche Hall Of Fame geschafft. Von den Zuschauern wurde Whipwreck wie erwähnt geliebt - unter anderem deshalb, weil das Publikum in Philadelphia in jeder Hinsicht "speziell" war. Man denke nur an den Turn der Zuschauer in Philadelphia gegen die Dynamic Dudes beim Halloween Havoc 1989. Ganz lustig im übrigen, dass mit Shane Douglas ausgerechnet der Mann ins Rampenlicht der ECW rückte, der damals an der Seite von Johnny Ace dermaßen von den Zuschauern fertiggemacht wurde. So ändern sich die Zeiten!

Dass Extreme Championship Wrestling neben Charakterköpfen wie dem Sandman und Sabu auch mit hochklassigen Wrestlern aufzuwarten wusste, zeigte sich anschließend - denn nun blickten Chris Benoit, Eddie Guerrero und Dean Malenko auf ihre Zeit in der Promotion zurück (alle drei wurden später als Munition im brodelnden Monday Night War von der WCW abgeworben). Heyman beschrieb Leute wie die drei genannten Herren für die Promotion als enorm wichtig, da durch sie die Mischung aus Gewalt und Storylines mit der noch fehlenden Portion Technik abgerundet wurde. Dank ihnen hatte die ECW laut Heyman das beste Wrestling zu bieten - an der Stelle sei mal angemerkt, dass es durchaus richtig ist, dass dank Leuten wie Benoit & Co. feine Matches gezeigt wurden, die wrestlerisch absolut herausragenden Matches der Wrestlinggeschichte wurden jedoch durch die Bank weg andernorts abgeliefert.

Die angesprochene Mischung brauchte die ECW, da sie nicht über die finanziellen Mittel verfügte, die Ted Turner und Vince McMahon in ihren Geldsäckeln hatten. Also konnte man keine Pyros und ähnlichen Schwampf in die Hallen zaubern, stattdessen musste man eben die besten Interviews, die meiste Action, die wildesten Brawls, das beste Wrestling, die am höchsten fliegenden Cruiserweight und so weiter präsentieren - damit sollten die Mängel an Mitteln versteckt werden. Auch einzelne Fuck-Ups der Wrestler wurden dadurch verziehen. In diesem Abschnitt analysierte man auf der DVD im Übrigen den Genickbruch Sabus in aller Ausführlichkeit und inklusive unangenehmen Standbild.

Dass Fuck-Ups & Co. von den Fans verziehen wurden, lag ebenfalls am oben erwähnten "besonderen" Publikum in Philadelphia. Die Leute waren informierter als andere, sie waren blutrünstiger, und sie waren loyaler. Die Loyalität ging soweit, dass es immer die gleichen Leute waren, die in die Hallen strömten, das Ganze bekam eine familiäre Atmosphäre. Al Snow erinnerte sich daran insbesondere in Form einer Szene, in der Bam Bam Bigelow Bumpmachine Spike Dudley aus dem Ring ins Publikum warf - während an allen anderen Orten die Fans zur Seite gesprungen wären, fingen die Leute aus Philadelphia Spike auf und trugen ihn auf Händen durch die Reihen.
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