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FlimmerMania: WWF WrestleMania VII

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Kolumne
Ausgabe

"FlimmerMania: WWF WrestleMania VII" von Axel Saalbach
Im Showarchiv
WWF WrestleMania VII
In den Vereinigten Staaten sah vor rund anderthalb Jahrzehnten vieles schon genauso aus wie auch im Moment: der selbsternannte Kommissar Palü der Weltordnung versuchte unter dem Deckmantel einer guten Fee das eigene geopolitische Interesse durchzusetzen, der damals beste deutsche Basketballer verdiente sich seine ersten Sporen in Dallas, ehe er sich anderen Arbeitgebern zuwandte, im Fernsehen wurden Formate entwickelt, die man in Deutschland zeitversetzt 1:1 kopierte - und über allem thronte ein Mann, dessen Name bereits verdeutlichten sollte, woher seine Weltanschauung herrührte: aus dem Busch.

Wenn der alte George Bush nicht gerade damit beschäftigt war, gemeinsam mit seiner Barbara das ein oder andere gefährliche und halbgebildete Derivat in die Welt zu setzen oder sich mit Homer Jay Simpson durch die Kanalisation der Springfielder Evergreen Terrace zu balgen, mischte er auch schon mal munter an ein paar Unruheherden auf Gevatter Erdenball mit. Der Mittlere Osten hatte es dem Volk der geborenen Vordenker und Gutmenschen schon lange Zeit angetan - nicht umsonst sahen wir 1988 Sly Stallone als John J. Rambo Seite an Seite mit den Taliban in Afghanistan kämpfen und den Film mit einer aus heutiger Sicht regelrecht tragisch-komischen Danksagung an die lieben Herren Freiheitskämpfer der Mujaheddin schließen.

Noch bevor die Talbian zu Heels wurden und gegen die Amis turnten, bereitete Vater Bush den Irakfeldzug seines missratenen Söhnchens Dabbeljuh vor, indem er das eigene Irakabenteuer wie eine Sendung mit schlechter Einschaltquote vorzeitig absetzte. Der Golfkrieg berührte die Herzen der amerikanischen Cowboys und Dorfsherrifs während seiner relativ kurzen Dauer stark genug, um Vince McMahon darin eine Storyline für seine Federation wittern zu lassen. Was mit den bösen Sowjets zur Zeit des Kalten Krieges schon so dufte geklappt hatte, konnte nun nicht plötzlich schlecht sein - also musste das Thema Irak Einzug in der WWF halten.

Und damit Willkommen zur letzten Ausgabe von FlimmerMania im Jahre 2004! Wie man vielleicht schon ahnen wird, geht es in dieser Woche um WrestleMania VII und damit in erster Linie um eine Storyline, die die Liga nicht wirklich weiter nach vorn brachte. Ich hab sie schon mal im Rahmen des schwarzen Kanals vor ein paar Jahren angeschnitten, was mir lustigerweise damals den Vorwurf einbrachte, ich müsse wohl ein verschrobener alter WCW-Fan sein, dass ich diese ach-so-tolle Geschichte diffarmierte. Während der offensichtlich nicht so ganz objektive Kritiker alsbald zum festen Schreiberling für Deutschlands größtes Dirtsheet avancierte und dort dann den ein oder anderen lesenswerten Artikel verfasste, werde ich die Storyline gemäß meiner unbelehrbaren Natur auch heute wieder genauso schlechtreden, wie es ihr gebührt. Für Resonanz jeglicher Art kann wie gewohnt das Kontaktformular genutzt werden.

Ein Schlechtreden gebührt der Storyline auf jeden Fall, denn immerhin versuchte die Federation hier bewußt, aus einem Krieg Profit zu schlagen. Auf der anderen Seite der Erde ließen tausende Menschen ihr Leben, während die Comicfederation den allgemeine Hass gegenüber dem irakischen Regime dazu ausnutzte, um auf einfache Art Heat zu erzeugen. Wie um alles in der Welt soll ich darüber ein positives Wort verlieren?

WWF WRESTLEMANIA VII
Datum:
24. März 1991
Veranstaltungsort: Los Angeles Sports Arena
Zuschauerzahl: 15.000
Kommentatoren: Gorilla Monsoon und Bobby Heenan

In Kriegszeiten steigert sich in den Vereingten Staaten die Sensitivität gegenüber der eigenen Antastbarkeit bekanntlich ins Unermessliche - in dem Fall so sehr, dass man vorgeben konnte, der notwendige Umzug vom geplanten Austragungsort von WrestleMania VII, nämlich vom 100.000 Leute fassenden Los Angeles Olympic Coliseum in die drastisch kleinere Arena, hätte ausschließlich aus Sicherheitsgründen stattgefunden. Wahrscheinlicher ist jedoch die Variante von Dave Scherer und der New York Times, die die miserablen Kartenverkaufszahlen als noch viel wichtigere Ursache benennen. Denn das passt auch viel besser zu der abgeflauten Grundstimmung, die das unzufriedene Publikum der World Wrestling Federation in Form von sinkenden Einschaltquoten, schwächelnden Buyrates und schwindenden Zuschauerzahlen in den Hallen bei den übrigen Shows zu diesem Zeitpunkt entgegenbrachte. Immerhin: falls das mangelnde Zuschauerinteresse wirklich der tragende Grund war, dann hat sich die Mär von den einzig und allein entscheidenden Sicherheitsgründen ganz schön lange in den Köpfen der Fans durchgesetzt.

Den tatsächlichen Grund werden wir wohl nie erfahren - am Wahrscheinlichsten ist wohl eine Vermischung beider Theorien. Streichen können wir allenfalls die Storyline von den Schutzgründen gegenüber Sgt. Slaughter. Nach Ausbruch des Krieges am 16. Januar gab es in den Vereinigten Staaten allgemeine verschärfte Auflagen zur Veranstaltung von Sportveranstaltungen und von Open-Air-Veranstaltungen jeglicher Art, da man Angst vor Terroranschlägen hatte. Die umfangreichsten Sicherheitsvorkehrungen mussten dabei am 27. Januar getroffen werden, als im Tampa Stadium vor 73.000 Zuschauern der jährliche Super Bowl stattfand. Verschiedene Quellen aus der Federation erklärten zeitgleich gegenüber der "Pro Wrestling Illustrated Weekly", dass man wegen des gesteigerten Sicherheitsbedürfnisses eine zusätzliche Million Dollar für die Nutzung des Olympic Colisums löhnen musste. Zwar boten die Stadionbetreiber an, die Kosten für die Sicherheit zu gleichen Teilen mit der Federation zu tragen, aber man hatte im Hause McMahon an der Stelle einen glaubhaften Vorwand gefunden, um den geplanten und zum Scheitern verurteilten Zuschauerrekordversuch einzustampfen und stattdessen komplett auszuweichen.

Am 4. Februar stellte man daraufhin den Kartenvorverkauf vollständig ein. Die Vertreter der Halle erklärten zunächst zwar, der Verkauf sei nur vorübergehend ausgesetzt worden, man war jedoch in der Zwischenzeit schon längst damit beschäftigt, kurzfristig eine neue und kleinere Halle zu finden.

Die endgültige Auswahl der neuen Halle wurde recht zeitnah vor dem Stattfinden der eigentlichen Show getroffen, was zur Konsequenz hatte, dass zügig alle bisher verkauften Karten nochmal umgetauscht werden mussten. Das wiederum führte zu reichlich Chaos, denn man musste zwischen einzelnen Kategorien hin- und hertauschen. Kein Wunder - denn die einzelnen Kategorien umfassten nun viel weniger Plätze, so war zum Beispiel das Kontingent für die Plätze direkt am Ring nur halb so groß wie im Olympic Coliseum. Das Chaos führte soweit, dass selbst an dem Tag, an dem WrestleMania dann stattfand, immer noch rund 5.000 Karten auf ihren Umtausch warteten. Am Ende hat man es dann aber doch irgendwie hinbekommen.

Soweit zumindest zu den Ergebnissen meiner Recherchen zu dem Thema - der tatsächliche Sachverhalt lässt sich nur schwerlich rekonstruieren. Die logischste Variante ist aber, dass die Federation die aus Gründen der Terrorgefahr gesteigerten Sicherheitskosten bei Sportveranstaltungen als Aufhänger nutzte, um den mickrigen Vorverkaufszahlen ohne einen großen Gesichtsverlust durch den Hallenwechsel begegnen zu können. Alles über die Alternativen "Verkaufszahlen" und "Terrorgefahr" hinaus gehört hingegen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ins Fabelreich der Wrestling-Storylines. In diesem Fall wurde es nach außen hin aber mit einer Besonnenheit gehegt und gepflegt, die man sich bei der Zusammenstellung von Fehden und anderen Geschichten kaum zu wünschen traut.

Aber nun zur Storyline zwischen Hulk Hogan und Sgt. Slaughter, denn schließlich waren es ja der befürchtete Aufruhr und die "Morddrohungen" gegenüber dem Letztgenannten, die man uns als den einzigen Grund für den Hallenwechsel zu verkaufen versuchte. Nachdem man in Form der Aufeinandertreffen von Hogan und Savage sowie dem Hulkster und dem Ultimate Warrior bei den beiden vorangegangenen WrestleManias für die damalige Zeit relativ kreativ zur Sache ging und mit Ideen aufwartete, die man noch nicht x-mal durchgespielt hatte (nämlich einmal durch die Zeichnung charakterlicher Facetten, und beim anderen Mal durch das Aufeinanderprallen von zwei Publikumslieblingen), war man im Jahre 1991 wieder beim allseits bekannten Konzept von Gut gegen Böse angelangt.

Zunächst gilt es aber, erstmal ein wenig weiter auszuholen. Denn meine Betrachtung beginnt beim Summerslam 1990. An diesem Abend feierte Hulk Hogan gegen Earthquake seine Rückkehr in den Ring, nachdem ihn Tenta einige Zeit zuvor "verletzt" hatte, um ihn für ein paar Wochen aus den Storylines herausnehmen zu können und stattdessen den Ultimate Warrior als neuen Champion ein Weilchen besser verkaufen zu können. Entscheidend ist jedoch nicht das Comeback des Hulksters an diesem Abend, sondern das Auftauchen eines anderen Inbegriffes für Heldentum mit ultra-amerikanischer Duftmarke: Sergeant Slaughter. Der Sarge erschien zu einer Spezialausgabe der Brother Love Show.

Das patriotische Gesindel unter den Zuschauern musste recht rasch feststellen, dass einiges im Argen war, denn Slaughter präsentierte sich nicht mehr als das flaggenschwenkende und Amerika lobpreisende Aufziehmännchen, das man von früher kannte. Stattdessen war aus ihm ein wütender und angeekelter Ex-Patriot geworden, der die Vereinigten Staaten nun als zu weich und als verkommen beschrieb. Denn inzwischen war der Staat schließlich schon so heruntergekommen, dass selbst "Kommunisten" wie Nikolai Volkoff akzeptiert wurden. So ändern sich die Zeiten: damals versuchte man mit Kommunisten-Bashing als Heel rüberzukommen, heute schreiben debile Faschisten wie Ann Coulter Hasstiraden in Buchform gegen Liberale, Angehörige anderer Religionen und Ausländer und werden dafür als die intellektuellen Größen des Landes umjubelt. Anders als mit der inzwischen vollständig eingetretenen Verblödung der Hälfte einer Nation lassen sich keine Verkaufszahlen in Millionenhöhe für Schund à la "For reasons I cannot understand, I am often asked if I still think we should invade thier countries, kill their leaders, and convert them to Christianity. The answer is: Now more than ever!" erklären. Aber ich schweife ab.
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