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IWA Mid-South Ted Petty Invitational 2004

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Kolumne
Ausgabe

"IWA Mid-South Ted Petty Invitational 2004" von Axel Saalbach
Im Showarchiv
IWA Mid-South Ted Petty Invitational 2004 - Night 2
Auf zum letzten Gefecht, und damit Willkommen zur Abschlußausgabe der Flimmerkiste in ihrer laufenden Staffel! Da ich mich nebenbei auch mal wieder ein wenig um die Uni kümmern muss, wird die Kiste in den kommenden Wochen aussetzen, ehe es dann voraussichtlich Mitte Februar mit der nächsten Staffel weitergehen wird. Nicht von der Pause betroffen ist meine donnerstägliche Rezension FlimmerMania, denn die zwanzig Folgen meines WrestleMania-Rückblickes habe ich in einem Akt fortgeschrittenen Wahnsinns bereits im November binnen neun aufeinanderfolgender Nächte geschrieben - zum großen Teil durch paralleles Schauen zweier Veranstaltungen gleichzeitig. Das noch nötige Kontroll-Lesen meiner Machwerke bekomme ich in den nächsten Wochen schon noch hin. Für Resonanz jeglicher Art kann wie gewohnt das Kontaktformular genutzt werden.

Da ich nichts Besseres zu tun hatte, habe ich für diese Ausgabe der Flimmerkiste gleich runde zehn Stunden Matchmaterial auf einmal gesichtet, nämlich das Theodore James Petty Invitational 2004 von Ian Rottens Independent Wrestling Association Mid-South. Aber keine Sorge, ich habe nicht vor, euch mit meiner Meinung zu allen 31 Kämpfen der beiden Tage und sechs DVDs zu belästigen. Denn das würde nicht nur den mir hier zur Verfügung stehenden quantitativen Rahmen um ein Vielfaches sprengen, es würde auf Dauer auch die Nerven der Leserschaft überstrapazieren und damit insbesondere diejenigen treffen, deren Interesse an der Show erst geweckt werden muss. Stattdessen begleiten wir hier und heute deshalb den Weg des späteren Siegers AJ Styles durch das Turnier, denn er dürfte derjenige sein, der die meisten Leser interessieren wird. Wir schauen außerdem ein wenig auf das Drumherum und ziehen ein Schlußfazit zur gesamten Veranstaltung.

IWA MID-SOUTH TED PETTY INVITATIONAL 2004
Datum:
17. und 18. September 2004
Veranstaltungsort: Lincoln Center von Highland (Indiana)
Zuschauerzahl: 200 bis 300
Kommentatoren: CM Punk, Dave Prazak und Eddie Kingston

Zunächst einmal fürchte ich, dass der ein oder andere darüber aufgeklärt werden muss, wer Ted Petty überhaupt war - denn der handelsübliche Mainstream-Fan kennt ihn eher nur unter seinem Gimmmicknamen. Ted Petty, mit vollständigem Namen Theodore James Petty, war niemand anderes als Rocco Rock, der den meisten Lesern als Bestandteil von The Public Enemy ein Begriff sein dürfte. An der Seite von Johnny Grunge hüpfte er damals permanent von Liga zu Liga und heimste eine zweistellige Zahl an Titeln ein. Die bedeutsamsten Erfolge gelangen dabei bei Extreme Championship Wrestling, wo man sich gleich viermal die ECW Tag Team Titles um die Hüften schnallen konnte.

Petty kam bereits während seiner Studienzeit mit dem Wrestling im weiteren Sinne in Kontakt. An der Rutgers University, wo er Ernährungswissenschaften studierte, wurde er Teil des Ringerteams und erzielte zahlreiche Siege. Nach einiger Zeit wechselte er über ins Management der Mannschaft und fungierte als Trainer. Einige Zeit verstrich, dann versuchte Petty erstmal, in einer anderen Sportart ein Standbeim aufzubauen: im Boxen. Als Boxer kämpfte er in allen möglichen Ländern der Welt. Nachdem er seinen Rücktritt vom Boxgeschäft erklärte, widmete sich Petty seinem bisherigen Arbeitsgerät - nämlich den Boxringen. Er baute sie um und verkaufte sie als Wrestlingringe. Nicht wenige Indy-Ligen verwenden die damals von ihm erstellten Ringe heute noch. Der Kontakt zur Wrestlingwelt war jedenfalls damit hergestellt, und so dauerte es nicht mehr lange, bis er in der Wild Samoan Wrestling School unter der Führung von Afa anheuerte.

Nachdem er genug trainiert hatte, debütierte Petty 1985 unter dem Gimmick des maskierten "Cheetah Kid" und hatte insbesondere in Japan einige Erfolge. Bis The Public Enemy ins Leben gerufen wurden, floss aber noch eine ganze Menge Wasser den Rhein hinunter: erst im Jahre 1993 sah man das Debüt des Teams mit Michael Lynn Durham alias Johnny Grunge bei der UWF. Der Wechsel zur ECW und damit an die Stätte des richtig großen Durchbruches erfolgte ein paar Monate später, und der Rest ist Geschichte.

Petty verstarb am 21. September 2002 an den Folgen eines schwerwiegenden Herzinfarkts. Er war damals 49 Jahre alt, was viele überraschte, da ihn die meisten Fans jünger eingeschätzt hatten. Fünf Wochen später hatte Petty eigentlich heiraten wollen. Sein letztes Match bestritt er im Opener einer Show in Jersey gegen Devon Storm alias Crowbar. Eigentlich hätte er im Laufe der Woche gegen Gary Wolfe um dessen 3PW Heavyweight Title antreten sollen, aber dazu kam es nicht mehr.

Das Ted Petty Invitational wurde am Wochenende des 1. und 2. November 2002 von der IWA Mid-South veranstaltet und löste namentlich das Sweet Science Sixteen Turnier ab, das seit dem Jahre 2000 ausgetragen wurde. Der Reihe nach konnten seitdem Chris Hero, Ace Steel, BJ Whitmer und Danny Daniels den Turniersieg einheimsen. "Invitational" heißt das Turnier deshalb, weil die teilnehmenden Wrestler über einen Zeitraum von mehreren Monaten die Einladung von Ian Rotten bekommen, am Turnier partizipieren zu können. Im vergangenen Jahr erhielten Austin Aries und Matt Sydal bereits am 17. April die Einladung, nachdem sie in Lafayette aufeinandergetroffen waren. Ihnen folgten nach und nach immer mehr Wrestler, Nate Webb zum Beispiel nach seiner Niederlage gegen Rotten in der ersten Runde des King Of The Death Matches.

24 Mann nahmen am Ende an dem Turnier teil - darunter alles, was independent Rang und Namen hat und vor wenigen Tagen in unserer GB100 aufgetaucht ist. Darunter befanden sich illustre Namen wie Samoa Joe, CM Punk, Super Dragon, Austin Aries, Bryan Danielson und Petey Williams. Nicht zu vergessen der Schweizer Double C, der durch seine Teilnahme logischerweise für den meisten Gesprächsstoff auf den üblichen deutschsprachigen Boards sorgte.

Ich rezensiere wie oben angesprochen die Kämpfe des späteren Siegers AJ Styles, da ich bei meinen üblicherweise vierstelligen Leserzahlen logischerweise nicht nur das typische "Indy-Publikum" bedienen muss. Stattdessen bietet sich mir die Möglichkeit, bei einem größeren Klientel das Interesse für Ligen zu wecken, die diese sonst nicht verfolgen. Und wie könnte ich das eher erreichen als mit dem Mann, der von den Teilnehmern die größte Popularität im "Mainstream" genießt? Somit konzentriere ich mich also auf ihn, zum Rest schreibe ich im Anschluss etwas. Den Indy-Fans muss ich ja ohnehin nicht erzählen, was sie von Shows der IWA Mid-South halten sollten.

Ted Petty Invitational 2004, 1. Runde
AJ Styles vs. Jimmy Rave

Styles' erster Gegner Jimmy Rave war zum dritten Mal beim Ted Petty Invitational dabei und hatte in den Vorjahren stets die erste Runde überstanden. In den ersten Minuten errang Rave die Oberhand und bemühte sich nach Leibeskräften, den linken Arm von Styles zu bearbeiten, um später wirkungsvoll zu einer Fujiwara Armbar oder einem Cross Armbreaker ansetzen zu können. Die Offensive von Rave dauerte solange, bis ihn der wütende Styles aus dem Ring warf. Danach wendete sich das Blatt und Styles kam durch ein paar Slams zu einer Reihe von Nearfalls. Fortan ging der Kampf ausgeglichener weiter, wobei Rave nicht von seiner Taktik abwich, die Arme seines Gegners zu schwächen. Auch Styles fuhr selbstverständlich auf einer taktischen Schiene, denn er konzentrierte sich insbesondere auf den Nacken von Rave. Und mit Erfolg, denn er gewann am Ende mit einem Submission Move, dessen Name mir kein Begriff ist (und der auch nicht genannt wurde), bei dem Styles gleichzeitig die Beine von Rave in einem Leglock hatte und seinen Nacken überstreckte.
Sieger: AJ Styles nach 12:45 Minuten (gut)

Ein mehr als gutes Match zum Auftakt von Styles' Siegeszug an diesem Wochenende, stark von Taktik geprägt und damit recht gegensätzlich zum folgenden Match. Denn dort lieferten sich Samoa Joe und Roderick Strong eine äußerst stiffe und qualitativ herausragende Schlacht. Insgesamt setzten sich am ersten Tag fast ausschließlich die Favoriten durch, sieht man vielleicht von Rainmans Sieg gegen Chris Sabin ab. So war es jedenfalls auch Matt Sydal, der sich mit einem Belly-To-Belly Superplex gegen Salvatore Rinauro durchsetzen konnte und damit zum nächsten Gegner von Styles avancierte.

Ted Petty Invitational 2004, Viertelfinale
AJ Styles vs. Matt Sydal

Um es vorwegzunehmen: Styles und Sydal bewiesen hier nicht einmal mehr, dass sie im Ring wunderbar harmonieren, sie lieferten dadurch auch eines der besten und spannendsten Matches an den beiden Abenden ab. Nachdem Rave im ersten Match quasi die Heelrolle übernommen hatte, war es diesmal Styles, der streckenweise ausgebuht wurde - wenn auch nicht von Anfang an, sondern nach der Missachtung einer Rettung in die Seile durch Sydal bei einem Leglock. Kurze Zeit danach ging es aus dem Ring, wo Styles eine halsbrecherische Twisting Moonsault Press durch Sydal vom Top Rope aus abbekam. In dieser Phase nahm Sydal das Heft in die Hand und er stand mehrfach kurz davor, für die Überraschung zu sorgen und Styles aus dem Turnier zu werfen, doch er scheiterte stets knapp. Die Fans hielt es mehrfach nicht auf den Sitzen, am Ende aber mussten sie doch eine Niederlage von Sydal hinnehmen - denn AJ besiegte ihn mit einem Styles Clash vom zweiten Seil.
Sieger: AJ Styles nach 12:45 Minuten (sehr gut)

Der zweite Kampf war eine Klasse besser als das Erstrundenmatch von Styles - ein sehr guter Spannungsbogen verbunden mit einzelnen geschickt eingestreuten verrückten Spots. Die zweite Runde brachte wieder eine Reihe von Favoritensiegen - aber auch einen größeren Upset, denn Vorjahressieger Danny Daniels musste sich Rainman geschlagen geben. Mit seinen Siegen gegen Chris Sabin und eben Daniels wurde Rainman zu demjenigen, der an dem Wochenende wohl am meisten von sich reden machte.
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