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FlimmerMania: WWF WrestleMania X

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Kolumne
Ausgabe

"FlimmerMania: WWF WrestleMania X" von Axel Saalbach
Im Showarchiv
WWF WrestleMania X
Nachdem man ein Jahr zuvor alles falsch gemacht hatte, was man nur hätte falsch machen können, fuhren die Schreiberlinge der World Wrestling Federation vor der anstehenden zehnten Ausgabe von WrestleMania den schadhaften Drogenkonsum deutlich zurück und bookten in einem Moment der Offenbarung einen der besten Build-Ups und einen der besten Showverläufe zusammen, die man im Titanland je auf die Beine gestellt hatte. Und als würde das noch nicht reichen, setzte man noch zwei wrestlerisch absolut herausragende Matches oben drauf. Von den vielen Themen, die man ansprechen könnte, werde ich mich heute insbesondere auf die Bruderfehde zwischen Bret und Owen Hart konzentrieren.

Und damit Willkommen zur zehnten Ausgabe von FlimmerMania, meinem zwanzigteiligen Rückblick auf die Geschichte von WrestleMania. Wie in jeder Woche kann auch diesmal das Kontaktformular für Resonanz jeglicher Natur genutzt werden.

WWF WRESTLEMANIA X
Datum:
20. März 1994
Veranstaltungsort: Madison Square Garden in New York City
Zuschauerzahl: 19.444
Kommentatoren: Vince McMahon und Jerry Lawler

Den Wrestlingzuschauern, die erst im neuen Jahrtausend zur Fangemeinde hinzugestoßen sind, dürften die beiden herausragenden Matches von WrestleMania X unter Umständen nur schwer näherzubringen sein. Denn Owen Harts Schaffen haben sie nicht mehr zu Lebzeiten verfolgen können. Seinen Bruder Bret Hart kennen sie nur als den Lothar Matthäus der Wrestlingwelt, der früher wohl mal gut gewesen sein soll, nun aber nur noch aus seinem seltsamen Aufenthaltsland durch die muntere Ausnutzung der Medienwelt herummosert und selbst denjenigen, die sich vor Langeweile bereits erbrochen haben, immer noch regelmäßig das schier unaufhörliche Selbstmitleid um die Ohren schmiert. Und Leitermatches sind für sie Gimmickmatches, die nur um des Gimmicks willen veranstaltet werden, nicht weil sie eine sinnvolle Hintergrundgeschichte haben, die zwingend diese Art Gimmickmatch hinter sich herziehen sollte.

Doch beginnen wir mit der Geschichte zwischen den beiden Harts. Angefangen hatte alles bei der Survivor Series 1993, denn hier trafen Bret und seine Brüder Owen, Keith Hart und Bruce Hart in einem der inzwischen rar gewordenen Elimination Matches auf Shawn Michaels und drei maskierte Ritter. Nachdem Bret einige Monate zuvor das Turnier um den "King of the Ring" gewinnen konnte, hatte er sich mit Jerry Lawler in die Wolle bekommen, denn schließlich war und ist der ja der selbsternannte König der Wrestlingwelt. Bret vermöbelte Lawler zwischenzeitlich beim Summerslam, verlor das Match jedoch per Reverse Decision. Nach und nach wurde die ganze Hart-Familie mit in die Fehde verwickelt, und so setzte man für die Survivor Series ein Match der Harts gegen Jerry Lawler und sein Gefolge an.

Dass es nicht dazu kam, sondern Shawn Michaels den Platz von Lawler einnahm, hatte eher unschöne Gründe. Am Freitag, dem 12. November 1993 wurde Jerry Lawler in Kentucky angeklagt, weil er angeblich ein 13jähriges und ein 14jähriges Mädchen in den Staaten Indiana bzw. Kentucky vergewaltigt hätte. Man behauptete, Lawler hätte die beiden in sein Hotelzimmer geholt und ihnen seinen kleinen Jerry in den minderjährigen Mund gesteckt. Am Montag nach der Anklage erklärte Vince McMahon bei RAW, Jerry Lawler wäre von der Federation aufgrund "juristischer Gründe" suspendiert worden. Seinen Platz bei der Survivor Series würde Shawn Michaels übernehmen. Weitere Erläuterungen gab Vince vor laufender Kamera nicht ab. Lawler tauchte dann auch tatsächlich nicht bei der Survivor Series auf. Man bekam ihn stattdessen erst bei WrestleMania X wieder in der Federation zu sehen, nämlich am Kommentatorenpult.

Der Fall selbst durchlief einiges an Auf und Abs. Die 13jährige widerrief ihre Aussage schon zwei Wochen nach der ursprünglichen Verkündung ihrer Anschuldigungen. Das zweite Gör wiederum widerrief ihre Anschuldigung am 14. Januar in Form eines offenen Briefes an die federführende Staatsanwaltschaft. Im Netz schwirren Auszüge aus diesem Brief herum, sinngemäß enthalten sie folgenden Text: "Ich habe den Detektiven gesagt, was ich bereits John (Segevan) gesagt hatte. Ich sagte ihnen, ich und eine Freundin hätten Jerry Lawler am Morgen des 26. Mai 1993 im Louisville Gardens getroffen und wäre mit ihm zum Days Inn in Selersburg, Indiana, gefahren. Ich sagte, wir hätten beide oralen Sex mit ihm gehabt. Ich habe nicht die Wahrheit gesagt. Ich hatte Angst, und die Polizisten sagten mir, ich solle ihnen das gleiche sagen, was ich John gesagt hatte. Deshalb erzählte ich ihnen das, und ich weiß, dass es falsch war. Wir waren zwar tatsächlich in Lawlers Zimmer, aber er ist mit uns in ein Taco Bell zum Essen gefahren - und dann zurück zum Louisville Gardens."

Der Fall ging trotz allem noch ein Weilchen hin und her. Erst am 23. Februar 1994 wurde die Geschichte dann größtenteils auf Basis einer außergerichtlichen Einigung zu den Akten gelegt. Lawler bekannte sich am Ende in dem Punkt schuldig, eine Zeugin belästigt zu haben, und im Gegenzug wurden vier Anklagepunkte bezüglich sexuellen Missbrauchs zurückgezogen. Lawler kam für das Schuldbekenntnis in einem Punkt mit einer Geldstrafe und zwei Jahren Bewährung davon.

Doch genug von Matlock, Perry Mason und Barbara Salesch, zurück zu Shawn, Bret und Owen. Die Harts feierten bei der Survivor Series einen deutlichen Erfolg gegen das gegnerische Team. Nur einen von ihnen erwischte es - ausgerechnet Owen. Er stieß mit seinem Bruder Bret zusammen und wurde anschließend eingerollt. Als die Familie nach dem Sieg ihren Erfolg feierte, konfrontierte der wütende Owen seinen Bruder - und prompt hatte man den Grundstein für eine langwährende Fehde gelegt, die herausragende Matches mit sich brachte und insgesamt von ihrer Struktur und ihrem Booking qualitative Dimensionen erreichte, die man in der Federation bis zu diesem Zeitpunkt kaum zu Gesicht bekommen hatte. Unsinnige Randerscheinung: Ringsprecher und Gastkommentator bei dem Kampf der beiden Teams war Ray Combs. Und wie wir alle spätestens seit FlimmerMania VIII wissen, war das der Moderator der amerikanischen Variante des "Familienduells" - wie passend.

Zunächst schien es sich bei den Zwistigkeiten des Brüderpaares nur um ein Strohfeuer zu handeln, denn wenig später zeigte man sich wieder Seite an Seite. Bei der Weihnachtsausgabe von "Superstars" erklärten Bret und Owen, sie hätten ihren Streit beigelegt und würden nun beim Royal Rumble gegen die Quebecers um die WWF Tag Team Titles antreten.

Ein paar Tage vor dem Januar-PPV fand eine House Show im Madison Square Garden statt, bei der Jacques Rougeau Jr. und Pierre Carl Oulette die Gürtel von Marty Jannetty und dem 1-2-3 Kid gewinnen konnten, an die sie das Gold erst kurz zuvor bei der einjährigen Jubiläumsshow von RAW abgegeben hatten. Danach erklärte Owen Hart in einem Statement bei RAW, er habe auf einen Sieg der Quebecers gehofft, da den Harts dadurch der zuvor versprochener Titleshot beim Rumble weiterhin zustand. Hätten Jannetty und der Kid gewonnen, hätten sie hingegen alt ausgesehen. Bret war anderer Ansicht - er meinte, ein Sieg von Jannetty und dem Mann, der eine Nacht in Chyna war, wäre durchaus in Ordnung gewesen. Irgendwann hätte man schon noch einen Titleshot bekommen. Kleinere Differenzen zwischen den beiden Brüdern existierten also weiterhin. Owen hatte bis dahin nie einen Titel in der Promotion gewonnen und war dementsprechend gierig auf einen solchen Erfolg.

Als das Match dann beim Rumble auf dem Plan stand, wurde der Bruch der beiden Brüder deutlicher als je zuvor. An sich gingen die Harts als Favoriten in den Kampf, jedoch bestritt der Hitman das Match mit einem angeschlagenen Knie. Da Jacques Jr. und Pierre zwar aus einem Land kamen, das als hinterwäldlerisch verschrien ist, sie aber trotzdem ganz gewitzte Kerlchen waren, nahmen sie davon Notiz, dass Bret sein Beingelenk nicht in Drachenblut getaucht hatte. Also isolierten sie den Hitman nicht nur, sondern sie fokussierten ihre Aktionen auch noch auf die lädierte Stelle. Nachdem der Finisher der Frankokanadier zwischenzeitlich in die Hose ging, schien eigentlich die Chance zum HOT TAG zu Owen endlich da - doch der eigensinnige Bret hatte nichts Besseres als zu tun, als den Sharpshooter anzusetzen. Dabei kollabierte er jedoch, und so musste der Kampf abgebrochen werden.

Anschließend versuchte Bret wieder auf die Beine zu kommen. Owen lief zu ihm hin und beschimpfte ihn für seinen Egoismus. Kaum stand der Hitman wieder auf seinen Füßen, trat Owen ihm das verletzte Bein weg. Der Hitman ging zu Boden und musste auf einer Trage fortgeschleppt werden, während der böse Bruder von der Umkleidekabine aus weiter in seine Richtung giftete, was man über die große Videoleinwand in der Halle selbstverständlich mitverfolgen durfte. Das Tischtuch war nun zerrissen, die Fehde der beiden Brüder war offen entbrannt.

Der Abend war für die Harts jedoch noch nicht gelaufen, denn es stand noch die große Battle Royal auf dem Plan, bei der es um einen Titleshot bei WrestleMania X gehen sollte. Ein paar Startnummern vor dem Ende des Kampfes tönte die Sirene, aber kein Wrestler kam zum Ring. Der am Kommentatorenpult sitzende Vinnie-Mac "spekulierte" in dem Augenblick, dass dies wahrscheinlich der Moment gewesen wäre, in dem Bret zum Ring hätte kommen sollen. Aufgrund seiner Verletzung könnte er aber offenbar nicht mehr antreten. Zwei Startnummern später kam der angeschlagene Hitman dann aber doch angewackelt, und so fand er sich alsbald unter den letzten vier Mann im Ring wieder. Nachdem Shawn Michaels und Fatu recht zügig eliminiert waren, blickte Bret in die Nüstern des letzten verbliebenen Gegners: Lex Luger, vier Prozent Körperfett und drei Prozent der wrestlerischen Fähigkeiten des Hitman in einer Person. Hart und Luger kämpften sich in Richtung Ringseile und purzelten dann gleichzeitig übers Top Rope. Es wurde anschließend ein Weilchen hin- und herdiskutiert, ehe man beschloss, dass beide Wrestler das Match gewonnen hatten: Bret und Lex waren somit die "Co-Sieger" des Royal Rumble.
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