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FlimmerMania: WWF WrestleMania XI

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Kolumne
Ausgabe

"FlimmerMania: WWF WrestleMania XI" von Axel Saalbach
Im Showarchiv
WWF WrestleMania XI
Wenn man nichts Gutes über eine Sache sagen kann, dann sollte man lieber schweigen. Leider geht das manchmal nicht - zum Beispiel, wenn man sich vorgenommen hat, über jede einzelne bisher veranstaltete WrestleMania einen Artikel zu verfassen. Würde ich alles Schlechte totschweigen, was bei WrestleMania XI passierte, dann wäre diese Ausgabe meiner Reihe bereits an dieser Stelle schon sehr nahe an ihrem Ende.

Und damit Willkommen zur elften Ausgabe von FlimmerMania, meinem zwanzigteiligen Rückblick auf die Geschichte von WrestleMania. Wie in jeder Woche kann auch diesmal das Kontaktformular für Resonanz jeglicher Natur genutzt werden.

WWF WRESTLEMANIA XI
Datum:
2. April 1995
Veranstaltungsort: Civic Center in Hartford (Connecticut)
Zuschauerzahl: 16.300
Kommentatoren: Vince McMahon und Jerry Lawler

Backen wir uns zunächst erst einmal einen typischen Main Event für eine zünftige WrestleMania. Eine über mehrere Monate aufgebaute Hintergrundgeschichte für die Hauptkämpfe würde sich schon mal nicht schlecht machen - dann gäbe es immerhin einen Spannungsbogen, der mit einem Knalleffekt aufgelöst werden könnte. Die Beteiligung der absoluten Topstars der Liga sollte eine Pflichtsache sein, denn wer könnte eine Show besser ziehen, als sie. Noch viel besser wäre es natürlich, wenn die Beteiligten auch wrestlerisch zu feinen Leistungen in der Lage wären.

Die Schreiberlinge der World Wrestling Federation packten all diese Elemente in ihren großen Würfelbecher, begannen zu schütteln... und entschlossen sich dann, den Würfelbecher mitsamt Inhalt in einen federationeigenen Mülleimer zu werfen. Stattdessen rief man mal eben bei Footballer Lawrence Taylor an - der war zwar weder Wrestler, noch verfügte er über wrestlerisches Talent, noch hatte er jemals einen Wrestlingring von innen gesehen, aber was soll's - immerhin kannte man ihn in den Medien. Da man keine Lust hatte, ihm einen Main Eventer entgegenzustellen, kam man obendrauf noch auf die rätselhafte Idee, ihm mit Bam Bam Bigelow ausgerechnet einen Mann in den Weg zu stellen, der die Hauptkämpfe der Promotions bisher in der Regel nur aus House Shows in Kleinkleckersdorf kannte. Man sagte ihm jedoch nach, großgewachsene Gegner so gut aussehen lassen zu können wir kein anderer Worker der Liga. Und er war stets bereits, sich für jeden Kasper hinzulegen, solange das Geld stimmte.

Einen businessfremden Footballer in den Main Event von WrestleMania zu stellen, das ist in etwa so, als würde Jürgen Klinsmann in einer Mischung aus wirrer Spontaneität und schwäbischem Wahn auf die abstruse Idee kommen, beim im nächsten Jahr anstehenden WM-Endspiel zwischen Deutschland und dem zugehörigen Gegner mal zur Feier des Tages Tommy Haas und Rainer Schüttler das Sturm-Duo bilden zu lassen. Genausogut könnte man eine Putzfrau ins Tor stellen, damit sie den Kasten sauberhält, und Sachsen-Paule stürmen lassen, damit er die Dinger reinmacht. Anders ausgedrückt: man nimmt eine Klatsche billigend in Kauf, steht dann aber groß in der Zeitung. Eine ähnliche Verliersucht schien die Booker der World Wrestling Federation geritten zu haben, als sie Lawrence Taylor für WrestleMania XI verpflichteten. Soweit kann es kommen, wenn einem das mediale Interesse wichtiger ist als die Qualität des abgelieferten Produkts.

Immerhin hatte die Geschichte für beide Seiten die erhoffte Wirkung: die Federation erhielt dadurch die erhoffte Aufmerksamkeit in der Presse, und Taylor erhielt für den einzigen Auftritt in einem Kampf eine halbe Million Dollar, die er damals aufgrund von Geldproblemen dringend benötigte.

Die Geschichte zwischen Bigelow und Taylor begann beim Royal Rumble. Dort traf Bam Bam im Finale eines Turnies um die WWF Tag Team Titles an der Seite von Tatanka auf Bob Holly und den 1-2-3 Kid. Die dicken Jungs von Ted DiBiase gingen als große Favoriten in das Match. Es sollte jedoch anders kommen als erwartet, denn als Bigelow zu einem Moonsault ansetzen wollte, landete Tatanka in den Seilen und das Beast from the East stürzte zu Boden. Danach pinnte der Kid den Hühnen aus Asbury Park und holte damit für sich und seinen Partner die Titelgürtel. Erst, als seine Weggefährten Tatanka und DiBiase abmarschiert waren, kam Bigelow wieder zu Besinnung und auf seine Beine. Er ließ seine Blicke durchs Publikum streifen und landete im Angesicht von Lawrence Taylor, der in Ringnähe saß und über das Mißgeschick des Heelduos lachte. Bigelow konfrontierte den Footballer, dann stieß er ihn zu Boden.

Nur einen Tag später äußerte sich Vince McMahon bei RAW zu den Geschehenissen. Er erklärte, Bigelow würde nicht ungestraft davonkommen und sei deshalb für dreißig Tage suspendiert worden. Darüber hinaus müsse er sich öffentlich entschuldigen. Diese Entschuldigung sollte in Form eines Segments am Ende der Show erfolgen, doch aufgrund "technischer Probleme" funktionierte der Ton bei der "Übertragung" nicht.

Tatsächlich trat Bigelow dann dreißig Tage weder bei House Shows noch in Fernsehshows in Matches an. Dass das mit dem Pausieren ansonsten nicht zwingend ernstgenommen wird, werden wir nachher noch im Zusammenhang mit dem Undertaker sehen. Seine Rückkehr in den Ring feierte Bam Bam erst am 20. Februar bei RAW, als er sich Razor Ramon via Disqualifikation geschlagen geben musste. Nur wenige Tage später musste er sich auch noch mehrfach Heavyweight Champion Diesel geschlagen geben, nämlich bei Superstars, Wrestling Challenge und diversen House Shows. Eine sehr seltsame Art und Weise, um einen kommenden Main Eventer für WrestleMania zu pushen. Bis zu dem "großen" Match bei WrestleMania feierte Bigelow nur Siege gegen Leute wie Gary Sabaugh, Bob Holly, Doink the Clown, Bill Payne und Sione. Außerdem gab es eine Reihe an Matches gegen The Undertaker, die in der Regel alle mit Disqualifikationen endeten. Eine solch miserable Quote hatte zuvor kaum ein anderer "Main Eventer" in der Federation hingelegt, wenn WrestleMania anstand. Und sein kommender Gegner bestritt erst gar keine Vorbereitungsmatches, in denen er schon mal ein Gefühl für den Ring hätte bekommen können.

Eine Woche nach den "Tonproblemen" versuchte Vince McMahon einmal mehr eine Entschuldigung von Bigelow zu erhaschen, doch Bigelow weigerte sich. Stattdessen wurde nun ein Match angedacht. Das gefiel wiederum Taylors Manager Bobby Cupo ganz und gar nicht. Er erklärte bei RAW am 6. Februar, dass er von der Federation erwarten würde, dass sie die Idee zu einem Match ganz schnell verwirft, andernfalls wollte er rechtliche Schritte einleiten. Einige Zeit später versuchten Vince McMahon und Jim Cornette mit Lawrence Taylor selbst darüber zu sprechen, doch das per Satellit übertragene Gespräch wurde von Bam Bam Bigelow unterbrochen. Er forderte Taylor dazu auf, während der WrestleMania-Pressekonferenz im Harley Davidson Café von New York City zu erscheinen. Der ließ sich nicht zweimal bitten und gab sich dort mehr als zuversichtlich, bei WrestleMania gut auszuschauen und seinen Spaß zu haben.

In der Folge ließ man die Fehde dadurch weiterköcheln, dass zum Beispiel Leute wie der frühere Superstar Ernie Ladd über die Chancen Taylors in dem Match der beiden Kontrahenten philosophieren durften. Als "Wrestlingtrainer" wurde Taylor niemand anderes als Diesel an die Seite gestellt - betrachtet man dessen wrestlerische Fähigkeiten, war das an sich ein gar nicht mal so schlechter Gag der Federation. Und man machte das anstehende Match zwischen Bigelow und Taylor zu einem Lumberjack Match, damit man einen vorgeschobenen Grund hatte, einen weiteren Stapel Prominenz an den Ring zu packen, um die mediale Aufmerksamkeit noch weiter zu vergrößern.

Denn die Lumberjacks waren nicht irgendwer. Während sich auf Seiten des Beasts from the East die Million Dollar Corporation wiederfand, vertreten durch den Paten Kama, Nikolai Volkoff, IRS, King Kong Bundy und Tatanka, war es auf Seiten des Non-Wrestlers eine landesweite Auswahl von mehr oder weniger bekannten Footballern. Die Green Bay Packers stellten dafür Reggie White und den späteren schlechtesten Horsemen aller Zeiten, nämlich Steve McMichael zur Verfügung. McMichael wog damals noch etwa hundert Kilo weniger als jetzt. Inzwischen ist er erschreckend aufgequollen und kaum noch wiederzuerkennen - zu sehen auf dem nebenstehenden Bild. Erschreckend, wie er sich binnen zwei, drei Jahre ohne sportliche Betätigung und dem Vereinswechsel von Ehepaar Debra und Mongo zum Ehepaar Misty und Mongo derart verändern konnte. Wahrscheinlich wäre er im Ring heute aber trotzdem nicht schlechter als während seiner Zeit bei der WCW - denn wo nichts war, da kann man auch nichts unterbieten. Von den San Francisco 49ers standen Lawrence Taylor, oder "LT", wie man ihn nannte, die Herren Rickey Jackson und Ken Norton Jr. zur Seite, von den Cleveland Browns war es Carl Banks, und von den Detroit Lions reiste Chris Spielman an.

Dann war es also soweit, der Main Event von WrestleMania stand an, und im Ring standen sich ein Midcarder und ein Non-Wrestler gegenüber. Bemerkenswerterweise wurde es nicht ganz so fürchterlich, wie man hätte vermuten können. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich trotzdem nicht, dass das Gezeigte so richtig gut war. Special Referee war Pat Patterson, da er es sich nicht entgehen lassen konnte, Frischfleisch im Ring bewundern zu können, das es sonst nicht in der Federation zu sehen gab. Außerdem hielt man es für sinnvoll, jemanden mit im Ring zu haben, der Taylor immer die passenden Anweisungen geben konnte. Das machte Patterson in Zusammenarbeit mit Taylor offenbar so gut, dass das am Ende dabei herauskommende Match so ziemlich alle anderen Kämpfe mit Beteiligung von prominenten Persönlichkeiten aus wrestlingfremden Bereichen in den Schatten stellte. Vergeßt Jay Leno, vergeßt Karl Malone, vergeßt Dennis Rodman, und unterdrückt einen Moment eure schiere Bewunderung für Viktor, den wrestlenden Bären. Taylor zeigte, dass man als Mann von der Außenwelt nicht nur akzeptable, sondern auch ansatzweise stiff geführte Matches zustandebringen konnte, er ließ sich nach Bigelows Flying Headbutt nicht pinnen, und am Ende gewann er selbst mit einem Flying Forearm vom zweiten Seil. Und was vielleicht noch ein Stück interessanter war: er war nach den knapp zwölf Kampfminuten völlig fertig und wurde deshalb zu einem authentischen Zeugnis dafür, dass hinter dem von Außenstehenden von Zeit zu Zeit belächelten Sport Wrestling eben doch ein hartes Stück Arbeit steckt.
Sieger: Lawrence Taylor nach 11:42 Minuten (ausreichend)
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