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FlimmerMania: WWF WrestleMania XV

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Kolumne
Ausgabe

"FlimmerMania: WWF WrestleMania XV" von Axel Saalbach
Im Showarchiv
WWF WrestleMania XV - The Ragin' Climax
Russomania is running wild! Billy the Butcher Gunn in einem Hardcore Match, ein Zufallsteam im Wettstreit um die Tag-Team-Krone, das schlechteste Hell In A Cell Match aller Zeiten, ein sehr dicker Boxer gegen einen Undercarder, ein völlig zusammengewürfelter Haufen mit der Chance auf den WWF Intercontinental Title und der im Ring damals noch gänzlich unerfahrene Sohn des Chefs in einem der besten Kämpfe des Abends - das schafft nicht jeder verwirrte Booker zur angeblich wichtigsten Veranstaltung des Jahres zusammenzuschreiben. Warum WrestleMania XV trotzdem nicht gänzlich die schlechteste Ausgabe der Show in ihrer Geschichte war, das gibt es in der heutigen Ausgabe von FlimmerMania zum Nachlesen.

Wie in jeder Woche kann auch diesmal das Kontaktformular für Resonanz jeglicher Natur genutzt werden - selbstverständlich wie üblich auch von denjenigen erheiternden Usern, die erst die Texte nicht richtig lesen und dann aus Angst vor Reaktionen auf ihre Kommentare keine oder keine richtige Mailadresse angeben. Deren Zahl wächst zuletzt wieder stetig - vielen Dank an diejenigen, denn es handelt sich dabei um die wahre virtuelle Heldenklasse.

WWF WRESTLEMANIA XV
Datum:
28. März 1999
Veranstaltungsort: The First Union Center in Philadelphia (Pennsylvania)
Zuschauerzahl: 19.500
Kommentatoren: Jerry Lawler und Michael Cole

Zurück zu richtigen Helden. Den Main Event von WrestleMania XV bestritten zwei der größten Helden in der Geschichte der Liga, nämlich The Rock und Stone Cold. Ihr Aufeinandertreffen war einer der vielen Höhepunkte der langwährenden Fehde zwischen der texanischen Klapperschlange und dem Boss der Promotion, Vince McMahon. Deshalb ist es sinnvoll, bis zu deren Beginn auszuholen, um den Hauptkampf von WrestleMania XV auseinandernehmen zu können.

Alles begann kurz nach der in der vergangenen Woche thematisierten Ausgabe von WrestleMania. Mike Tyson hatte sich auf seine Seite geschlagen, Shawn Michaels kämpfte fernab der Federation gegen die Invalidität und Triple H hatte noch lange keinen angemessenen Status erreicht - deswegen musste ein neuer passender Gegner für Heavyweight Champion Stone Cold Steve Austin aus dem Hut gezaubert werden.

Üblicherweise ziehen Zauberkünstler Karnickel aus ihren Zylindern. In diesem Fall zog sich der Magier jedoch selbst aus der Kopfbedeckung, anders ausgedrückt: der Boss persönlich stellte sich Austin in den Weg. Los ging es damit, dass Vinnie-Mäc die Ausrichtung der Federation, insbesondere der verwendete Wortschatz der Wrestler, nicht passte. Das fiel ihm wohlgemerkt ein, nachdem die D-Generation X ein halbes Jahr lang Show für Show keine Obszönität ausgelassen hatte. Klingt komisch, ist aber so. Jedenfalls forderte der feine Herr höchstpersönlich die texanische Klapperschlange dazu auf, ab sofort ein wenig förmlicher aufzutreten. Daraufhin erschien Austin säuberlich in einem Anzug, riss ihn sich jedoch gleich wieder vom Leibe und verpasste Vince einen Low Blow - ein Rebell wie er ließ sich eben nichts vorschreiben.

Der Che Guevara der World Wrestling Federation bekam es zunächst einmal mit Dude Love zu tun, der sich zu diesem Zeitpunkt auf die Seite des Fulgencio Batista aus dem Titanland gestellt hatte. Das Aufeinandertreffen der beiden fand im April bei "Unforgiven" statt. Während dieses Kampfes erschien Vinnie-Mäc mit seinen beiden Schoßhündchen Jerry Brisco und Pat Patterson und sorgte dafür, dass das Match in einem russoesken Overbooking endete, das beinahe an das Niveau eines Main Eventes von Total Nonstop Action Wrestling heranreichte. Neben einem ausgeknockten Ringrichter und einem von Austin selbstgezählten Pinfall gab es hier einen Stuhlschlag gegen McMahon. Stone Cold ging also so hart gegen seinen Chef vor, wie es bis dato niemand in der Liga gewagt hatte.

Falls es wider Erwarten trotz der derzeitigen Arbeitsmarktlage den ein oder anderen angestellten Genickbruch-Leser gibt, der diese Zeilen liest: ihr habt gesehen, die erfolgreichste Phase eines Unternehmens wird bisweilen durch einen Tiefschlag und einen Stuhlschlag gegen den Vorgesetzten ausgelöst. Ihr wißt also, was morgen früh zu tun ist, wenn es eurer Firma derzeit nicht gut gehen sollte.

McMahon jedenfalls war bis zur Weißglut gereizt und versuchte nun alles Menschenmögliche, um seinem Erzfeind Austin den WWF Title abzunehmen. Deswegen setzte er ein weiteres Match zwischen Austin und Dude Love an, bei dem er sich selbst zum Ringrichter machte. Der Kampf, bei dem auch der Undertaker auftauchte, wurde während seines Verlaufs zunächst in ein No Disqualification Match, dann in ein Falls Count Anywhere Match transformiert. Vince Russo zündete an diesem Abend die Overbooking-Stufe Nummer 2, denn neben den genannten Regeländerungen gab es noch einen versehentlichen Stuhlschlag von Foley gegen McMahon, einen hereinlaufenden und wieder weggeschickten zweiten Ringrichter, einen Chokeslam von The Undertaker gegen den selbsternannten dritten Referee Pat Patterson durch einen Tisch, einen weiteren Chokeslam gegen den selbsternannten vierten Referee Jerry Brisco, einen Stunner von Austin gegen Dude Love und einen anschließenden Pinfall, bei dem Austin die Hand des ausgeknockten Vince dreimal auf den Ringboden klatschte. Kann sich übrigens noch jemand erinnern, dass wir in den vergangenen Ausgaben von FlimmerMania mal so etwas wie ein imaginäres WWF-Regelbuch ansprachen? Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte sich Russo damit den Hintern abgewischt und es sein Klo hinuntergespült.

Als das Match vorüber war, hatte McMahon die im zündende Idee, wie man Stone Cold den Titel abspenstig machen konnte: durch ein First Blood Match gegen Kane. Denn der war schließlich maskiert und steckte in einem Fast-Ganzkörperkondom, so dass er so gut wie gar keine Angriffsflächen bot, um zum Bluten gebracht werden zu können. Da Kane vor dem zugehörigen Match erklärte, er würde sich selbst anzünden, falls er nicht gewinnen würde, kam "Brüderchen" Taker im Kampfverlauf zum Ring und schlug Austin blutig, damit ihm die nervigen Rennereien aufgrund der Urnenbeisetzung der Asche von Kane erspart blieben. Konsequenz war ein Titelwechsel - Kane war nun neuer Champion, und Austin hatte von McMahon einen Denkzettel bekommen. Dumm nur, dass Kane tags darauf bei RAW die Herausforderung Austins zu einem Rückmatch annahm, den Gürtel einen Stunner später gleich wieder verloren hatte und Vinnie-Mäc vor dem gleichen Problem stand wie zuvor. Der einzige Unterschied zur vorherigen Situation war, dass man es mit diesem Booking vollbracht hatte, den Main Event des King of the Ring zu Naddel Ab-Del Farrag und Lokomotive Leipzig auf den dunklen Mond der Bedeutungslosigkeit zu schnipsen. Bei jenem Main Event hatte nämlich der vorangegangene und nun vollkommen unbedeutend gewordene Titelwechsel stattgefunden.

Nachdem es nicht einmal der Undertaker schaffte, Stone Cold beim Summerslam den Titel abspenstig zu machen, zog der gewitzte Vinnie-Mäc gleich zwei Joker auf einmal, und so packte er Austin in ein Match, das er gleichzeitig gegen Kane und den Taker bestreiten musste. Damit kein Wirrkopf auf die Idee kommen konnte, die texanische Klapperschlange zu unterstützen, setzte Vince weiterhin fest, dass der Kampf bei einem Eingriff sofort abgebrochen werden würde und Austin den Titel dann los sei. Am Ende pinnten die beiden "Brüder" den geschlagenen Austin gleichzeitig und beendeten damit dessen Regentschaft. McMahon ließ sich anschließend von seinen Stooges den Gürtel bringen, machte den Effenberg in Richtung Austin und brauste in einer Limousine von dannen.

Wenig später brauste Vince mit einem anderen Fahrzeug durch die Gegend, nämlich mit einer Ambulanz. Da McMahon ihm nicht den Gürtel gab, sondern den Titel für vakant erklärte, zog der Undertaker seinem Chef per Submission üble Beinverletzungen zu und bescherte ihm auf diese Weise einen Krankenhausaufenhalt. Von dort aus setzte McMahon ein Match zur Neuvergabe zwischen dem Taker und Kane an. Merke: verpasst Austin seinem Chef einen Low Blow, versucht dieser Chef, ihm den Titel abzunehmen. Verpasst der Taker dem gleichen Chef eine Beinahe-Invalidität, dann bekommt er dafür die Chance, den Titel zu gewinnen. Das nennt man dann wohl Attitude-Logik. Manch ein WWF-Angesteller dürfte wohl noch bis heute behaupten, er hätte damals Tag für Tag seltsame Kichergeräusche aus dem Büro gehört, an dessen Tür in schmutzigen Lettern das Wort "Russo" prangte.

Zum Special Referee in dem Titelmatch wurde Stone Cold Steve Austin von Vinnie-Mäc erklärt. Wohlgemerkt mit der Stipulation, dass Austin entlassen werden würde, wenn er für keine klare Entscheidung sorgen könnte. Da es während der Attitude-Ära den Bookern streng verboten zu sein schien, klare Entscheidungen zusammenzuschreiben, war das Ende absehbar: Austin zählte beide Kontrahenten aus, erklärte sich selbst zum Sieger und wurde gefeuert. Da er jedoch nicht zur "Buschliga" World Championship Wrestling wechseln wollte, erklärte er nun alle Vorzeichen für vertauscht, ab sofort sei Vince der Gejagte, er selber der Jäger, und die Jagdsaison sei eröffnet. Halali!

Die Neuvergabe des Titels erfolgte bei der Survivor Series in Form eines Turniers im KO-System. An dieser Stelle kommt dann auch der andere Herr ins Spiel, der bei WrestleMania XV aktiv im Main Event auftauchen sollte: The Rock. Der hatte sich in den Monaten zuvor zum absoluten Publikumsmagneten und zum "Champion des Volkes" gemausert, nachdem er der Nation Of Domination im Allgemeinen und deren Chef Faarooq im Speziellen in den Allerwertesten getreten war. Parallel dazu hatte er es auch geschafft, den Unmut von Vince McMahon nach und nach auf sich zu lenken.
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