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FlimmerMania: WWF WrestleMania X8

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Kolumne
Ausgabe

"FlimmerMania: WWF WrestleMania X8" von Axel Saalbach
Im Showarchiv
WWF WrestleMania X8
Wie nennt man es, wenn sich eine Truppe altgedienter und versehrter früherer Soldaten nach mehreren Jahrzehnten mal wieder zu einer Plauderstunde bei eduscho-Kaffee und Kuchen trifft? Richtig, man nennt es Veteranentreffen. Und wie nennt man es, wenn sich eine Truppe abgewrackter versehrter Wrestlerdarsteller zusammenrottet und mal gehörig auf den Putz haut? Richtig, man nennt es Rieseninnovation und Rettung der Wrestlingszene schlechthin, kurz zusammengefasst unter dem Namen "New World Order". Anno 2002 bröckelte bei Vince McMahon der Kalk, und so fiel ihm der einstige Erfolg des Grüppchens aus der WCW wieder ein. Da der Geistesblitz nicht mehr ausreichte, um sich die zahlreichen Flops der Neuauflagen in den Verstand zurückzurufen, entschloss er sich für ein Comeback der New World Order in der World Wrestling Federation.

Und damit willkommen zur drittletzten Ausgabe von FlimmerMania, meinem Rückblick auf zwanzig Jahre WrestleMania! Wie in jeder Woche kann auch diesmal das Kontaktformular für Resonanz jeglicher Natur genutzt werden.

WWF WRESTLEMANIA X-8
Datum:
17. März 2002
Veranstaltungsort: Sky Dome von Toronto (Kanada)
Zuschauerzahl: 68.237
Kommentatoren: Jim Ross und Jerry Lawler

Eine skurrile Eigenschaft von Wrestlingfans ist es, dass sie einen enormen Drang nach Aufgüssen haben. Sie schreien nach der x-ten Wiedervereinigung der D-Generation X, sie philosophieren über mögliche Mitglieder einer Neuauflage der Horsemen und bei den kürzlichen Comebackgerüchten von Marty Jannetty bei World Wrestling Entertainment kam sofort eine Wiedervereinigung mit Shawn Michaels ins Gerede. Vor drei Tagen wurde dieser Durst dann gestillt. Das Verwunderliche daran ist: bisher hat noch jeder Aufguss mittel- bis langfristig eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er ans Original nicht herankommt und dem guten Ruf der Erstauflage nach anfänglichen Erfolgen meist noch Schaden zufügt. Wiedervereinigungen klappen in der Wrestlingwelt langfristig nicht, sie klappen in der Musikbranche langfristig nicht, sie klappen in Beziehungsfragen langfristig in den meisten Fällen genauso wenig. Selbst über die Wiedervereinigung von Deutschland wird auch noch anderthalb Jahrzehnte danach mehr denn je hüben wie drüben gemeckert.

Bei der New World Order konnte man schon nicht mehr viel kaputtmachen, denn nachdem die schwarz-weiß-rot-silberne Truppe alle paar Jubelmonate mal wieder aus der Versenkung geholt wurde, als den WCW-Bookern mal wieder nichts Besseres einfiel, hatte der Reiz einer erneuten Zusammenführung schon längst den gleichen Nullpunkt erreicht, an dem zuvor nur die wrestlerischen Fähigkeiten einiger ihrer Mitglieder, das kommentatorische Leistungspotential von David Krap... äh... Kemp und das kolumnenschreiberische Vermögen von Sudel-Axel synchron dahinsiechten.

Einen Ruf, der schon restlos kaputt war, konnte auch die World Wrestling Federation nicht mehr vernichten, deswegen befand Vince McMahon, dass man guten Gewissens die New World Order ins Titanland einliefern konnte. Nachdem man während des Invasion-Angles in den Monaten zuvor in einem Anflug wahrer Perfektion restlos alles in den Sand gesetzt hatte, was man auch nur in den selbigen hätte setzen konnte, war der dickste Ärger verraucht, und nur eine Tatsache zeugte noch davon, dass die Herren aus Atlanta einen Ausflug zu den McMahons gemacht hatten: Ric Flair war zum Gimmick-Mitbesitzer der Federation avanciert.

Wie das mit Doppelspitzen so ist: es ist ein System, das dazu neigt, von vorneherein zum Scheitern verurteilt zu sein. Und so kam es, dass der Gerhard Emm-Fau und der Theo Zwanziger der Wrestlingwelt permanent im Clinch lagen, was soweit ging, dass sich die beiden beim Royal Rumble in einem Street Fight nur noch mit Fäusten zu messen wussten. Vince McMahon legte sich für Flair hin und hatte danach die Nase gestrichen voll: so wollte er sein Unternehmen nicht mehr länger geführt sehen.

Und wenn er schon sein Unternehmen nicht mehr so führen konnte, wie er wollte, dann wollte er sein eigenes Baby lieber selbst zerstören und ihm mit einer tödlichen Überdosis an Gift den Garaus machen. Während der alte Vinnie-Mäc bei Smackdown darüber philosophierte, dass er seine eigene Kreaktion ins Grab bringen wollte, saß er auf seinem Chefsessel - und als er sich mitsamt dem Sitzgerät umdrehte, prangte in großen Lettern das nWo-Logo auf der Rückseite der Lehne. An sich ein netter Effekt, aber mal im Ernst: wollte man damit ernsthaft vermitteln, dass Hogan & Co. als ihre "Vorhut" erstmal den ein oder anderen alten Stuhl ins Titanland geschickt haben?

Wie dem auch sei: obwohl Ric Flair vielfach in seiner Zeit bei World Championship Wrestling mit eigenen Augen munter dabei zusehen konnte, wie die ganzen Wiedervereinigungen der New World Order effektlos verpufften, spielte er den Hysteriker, der die "Bedrohung" abwenden wollte. Schon beim nächsten RAW hyperventilierte er gegenüber den Acolytes, dass niemand so gut wie er wisse, was für eine Macht von dieser Gruppierung ausgestrahlt werden würde. Die Acolytes hingegen kommentierten die Geschichte lediglich damit, die drei Typen seien nichts anderes als selbstherrliche, egoistische, verlogene, hinternküssende und heimtückische Hurensöhne. So nahe liegen Storyline und Realität manchmal nebeneinander. Außerdem ließ der Nature Boy in der gleichen Show noch einen netten Clip über die Geschichte der Gruppe und ihrer Betrügereien abspielen, aber Vinnie-Mäc kümmerte das Ganze nicht.

Der ganze Schwampf wurde einen geschlagenen Monat aufrechterhalten, ohne dass man auch nur im Entferntesten den Geruch von Eigenlob oder einer Alkoholfahne wahrnehmen konnte, die auf die unmittelbare Anwesenheit eines der Mitglieder der New World Order hingedeutet hätte. Dann aber war es soweit: am 17. Februar 2002 stand die jährliche Ausgabe von No Way Out an, und gleich zu Beginn der Veranstaltung trabten Hollywood Hogan, Kevin Nash und Scott Hall zum Ring. Dort entpuppte sich das Trio jedoch als engelszahm und erklärte, man wäre gar nicht hergekommen, um der Liga zu schaden - vielmehr wolle man das Titanland zu einem besseren Ort machen. Wenn Ric Flair vorher gewusst hätte, dass Vinnie-Mäc nur drei Feng-Shui-Berater verpflichtet hatte, dann hätte er auch in den Wochen zuvor nicht so zetern müssen.

Noch am gleichen Abend traf die New World Order im Backstagebereich auf Stone Cold und überreichte ihm ein Sixpac Bier, das Austin jedoch nicht annehmen wollte. Auch The Rock trafen sie auf ihrem Weg, so dass ihn der Hulkster gleich mal um ein Autogramm für seinen Sohn bitten konnte - schließlich sei Rocky dessen Lieblingswrestler. The Rock mißfiel jedoch offenbar die Anwesenheit der Altherrenbrigade und stauchte sie in seiner gewohnten Manier zusammen.

Die Friedlichkeit der New World Order reichte bis zum Main Event. In diesem Kampf verteidigte Chris Jericho seinen WWF Undisputed Title gegen Steve Austin. Nachdem es aufgrund der Invasion durch die Wrestler von World Championship Wrestling zwischenzeitlich mehr Titelgürtel in der Liga gegeben hatte als Fehden, hatte man sich entschlossen, dem Wirrwarr ein Ende zu bereiten und gab der Heavyweight-Division eine nagelneue Trophäe, nämlich den Undisputed Title (letztlich hieß dies nichts anderes, als sowohl den Heavyweight Title der WCW als auch WWF zu tragen, nur dass man eben keine Unterschiede mehr machte). Da man den Internetsmartmarks unter die Nase reiben wollte, dass die von ihnen vergötterten Wrestler den erhofften Status nicht verdienen, gab man Chris Jericho den Gürtel, ließ ihn damit vorzugsweise weiter in der Midcard versauern und behauptete anschließend, die schlechten Ratings würden an Jerichos mangelnder Zugkraft liegen. Damit hatte man genügend Argumente gesammelt, um Triple H die kommenden Jahre permanent auf den Thron des Champions festkleben zu können.

Wie dem auch sei, bei No Way Out verteidigte Jericho seinen Titel also ausnahmsweise mal im Main Event. In dem Fall gegen Stone Cold Steve Austin, der zu diesem Zeitpunkt schwer damit zu kämpfen hatte, dass sich sein einfallsreicher Catchphrase "What!?" verselbständigt hatte und nun von jedem dahergelaufenen und eingeschränkt bemittelten Zuschauer im Stile eines handelsüblichen Papageies wieder und wieder und wieder und wieder und wieder in die Statements gebrüllt wurde. Zumindest gewann man auf diese Weise Sendezeit, die man nicht mit aufwendigem Booking füllen musste.

Jedenfalls trug es sich zu, dass die New World Order nach ein paar Minuten während dieses Kampfes am Ring auftauchte, nachdem Earl Hebner wie so oft zufällig ausgeknockt worden war und aus dem Ring plumpste. Das Seniorenensemble attackierte Steve Austin, der sich zwar nach Leibeskräften wehrte, nach einem Stunner von Stone Cold Scott Hall jedoch nichts mehr auszurichten wusste. Hebner wurtde anschließend zurück in den Ring gehieft, wo er dann den Pinfall durchzählen konnte. Chris Jericho blieb Undisputed Champion, während Stone Colds Rücken noch flugs als Leinwand missbraucht wurde, auf die man das obligatorische "nWo" sprayte.

Tags darauf gab es bei RAW einen Sitzstreik von Austin im Ring, bei dem er erzwingen wollte, dass die New World Order zum Ring kommt und sich ihm stellt. Nach kurzer Beratung kamen die drei Herren jedoch nicht, und Austin wurde für seine Blockade in polizeiliches Gewahrsahm genommen. Da von Austin dadurch keine Gefahr mehr drohte, kam ein beruhigter Hulk Hogan wenig später zum Ring, beschwerte sich darüber, dass die Fans gegen ihn geturnt waren und ergänzte deren permanentes "What!?" durch ein an der Stelle gar nicht mal so unkreatives "'cha gonna do".

Nachdem sich Hogan anschließend selbst zum größten Star der Wrestlingwelt in der Vergangenheit und Gegenwart erklärte, kam The Rock zum Ring. Der forderte Hogan kurzerhand zu einem Match bei WrestleMania heraus, schließlich sei dies das Dream Match der Ära schlechthin. Im geschickten Zusammenspiel mit dem Publikum provozierte er Hogan soweit, dass er dem Match zustimmte. So einfach geht das mit den Storylines vor WrestleMania-Matches: man kann sie manchmal schlicht und ergreifend komplett weglassen und dem Publikum einfach einen Kampf vor die Nase setzen. In dem Fall genau das richtige Prinzip. Hogan und Rocky schüttelten sich anschließend kurz die Hände, danach gab es einen Rock Bottom für Hogan und nach dem Hereinrennen der restlichen nWo einen Spraypaint für The Rock.
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