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WWF King of the Ring 1995

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Kolumne
Ausgabe

"WWF King of the Ring 1995" von Axel Saalbach
Im Showarchiv
WWF King of the Ring 1995
"Die Rückkehr der Flimmerkiste soll keine einmalige Angelegenheit bleiben, das neue Jahr wird mit zahlreichen Flimmerkisten aufwarten."

Mit dieser Androhung entließ ich Genickbruchs User im Rahmen des Wrestling-Totalschadens 2007 aus dem alten Jahr. Selbstverständlich vollbrachte ich das Kunststück, mich damit selbst unter einen solch übertriebenen Druck zu setzen, dass ich ihn keinesfalls einhalten konnte. Und so gingen abermals mehr als acht Monate ins Land, ehe ich mich aufraffen und die alte Rezensionskiste tatsächlich wieder ausgraben konnte.

Und damit hallo, geschätzte Genickbruch-Abhängige, und willkommen zur erneuten Rückkehr der Flimmerkiste! Und gleichzeitig - wenn auch mit großer Verspätung - vielen Dank für die große Resonanz auf die letzten Ausgabe und für die massive Zahl an Lesern, für die selbst Nils Braselmann lange auf die F5-Taste hätte drücken müssen! Lange habe ich überlegt, was wohl eine angemessene Veranstaltung gewesen sein könnte, die ich zur Feier des Tages unter die Lupe nehmen könnte, und dann kam ich zu dem Entschluss, dass es sich um Material aus dem Jahre 1995 handeln müsste.

Denn das Jahr 1995 war ein wahres Geschenk für die Wrestlingfans. Bam Bam Bigelow und Lawrence Taylor lieferten sich bei WrestleMania XI einen solch würdevollen Main Event, dass die Fans von Technikfeuerwerken noch heute mit der Zunge schnalzen. Die fleischgewordene Seriösität Teddy Hart setzte zum ersten Mal einen Fuß in einen Wrestlingring. Und World Championship Wrestling demonstrierte bei Uncensored, dass die wahre Bestimmung von Wrestlern darin liegt, einen Heulaster zum Hupen zu bringen.

Tja, und dann wurde auch noch dem King of the Ring mit seinem neuesten Sieger eine solch ehrführchtiges Maß an Glanz verliehen, wie es dem annualen Turnier der damaligen World Wrestling Federation bis dahin wohl niemand zugetraut hätte. Denn nachdem das Turnier in den Jahren zuvor mit unscheinbaren Siegern wie Ted DiBiase, Bret Hart und Owen Hart wrestlerisch sehr gelitten hatte, hatten die Booker entschieden, dass man diesmal tief in die Trickkiste greifen musste. Also nahm man einen kräftigen Schluck aus der Pulle und griff auf den Mann zurück, den die Liga so sehr brauchte wie keinen Zweiten: die Federation brauchte Mabel! Und Genickbruch braucht eine Flimmerkiste, die sich mit dem Turnier beschäftigt!

WWF KING OF THE RING 1995
vom Sonntag, den 25. Juni 1995
Veranstaltungsort: Spectrum Arena in Philadelphia, Pennsylvania (Vereinigte Staaten von Amerika)
Zuschauerzahl: 15.000
Buyrate: 0.65
Kommentar: Dok Hendrix und Vince McMahon

Die Booker der Federation hatten an jenem lauen Sommerabend in der Stadt, die nach einem Frischkäse benannt wurde, die Möglichkeit, aus dem Vollen zu schöpfen. Denn der Kader ihrer Liga gab allerhand her, und so hatte man die Gelegenheit, für das geplante Turnier auf die Crème de la Crème der Wrestlingwunderwelt zurückgreifen zu können. Und so präsentierte man uns unter anderem Savio Vega. Für die Fans filigraner Kniewackler gab es The Roadie. Die Autorennfahrer unter den Zuschauern konnten sich über Bob Holly freuen. Und für die Freunde von marrokanischen Längenmaßen hatte man Kama parat.

Nun ja, dann waren da auch noch drei unbedeutende Jobber namens Yokozuna, Shawn Michaels und The Undertaker. Für die musste man noch eine Möglichkeit finden, um sie frühzeitig zu eliminieren - aber es wäre doch gelacht, wenn die Schreiber der Federation das nicht auf die Beine hätten stellen können! Schauen wir uns also an, wie uns diese gewitzten Gesellen das verkaufen wollten.

Nachdem die bezaubernde Stephanie Wiand zu Beginn der Veranstaltung die Fragen unbeantwortet ließ, ob das Ding auf ihrem Kopf Haare waren oder doch eine Mütze, und wann sie gedachte, Jolly Jumper das Gebiss zurückzugeben, startete die Show mit einem Qualifikationsmatch, das noch vor dem Beginn des eigentlichen Pay-Per-Views stattfand. Savio Vega traf dabei auf Irwin R. Schyster und ließ sich zu diesem Zwecke von Razor Ramon zum Ring begleiten, der überraschenderweise keine No-Show ablieferte. Razors Aufgabe bestand darin, Schysters Begleiter Ted DiBiase böse anzuschauen, als dieser einzugreifen drohte. Vega und IRS brachten derweilen das Kunststück fertig, nicht viel mehr zu zeigen als ein paar Einroller, eine gekonterte Aktion vom Top Rope sowie einen ganz netten Leg Lariat, und trotzdem eines der wrestlerisch besten Matches des Turnieres zu bestreiten. Am Ende siegte der zukünftige Kandidat für den Posten des Governors von Puerto Rico mit der letztgenannten Aktion.
Sieger: Savio Vega nach 4:00 Minuten (schlecht)

Wie kommt es nun, dass der verrückte Autor der Flimmerkiste erst schreibt, es sei einer der besseren Kämpfe des Turnieres gewesen, und dann pfropft er ein "schlecht" als Bewertung unter das Match? Nun, die Erklärung konnte nur das eigentliche Turnier bringen, und das begann mit der Rückkehr von... Savio Vega zum Ring. Denn um die völlig überforderten Zuschauer in der Halle nicht noch weiter zu verwirren, ließ man ihn im nächsten Match gleich wieder auflaufen. Er bekam es diesmal mit dem Bodydouble von Martha Villalobos zu tun, Yokozuna.

Nachdem der propere Samoaner zunächst ein Weilchen mit der japanischen Fahne herumgewedelt hatte, um darauf hinzuweisen, daß er zwar nicht von dem Inselstaat kommt, man dort aber ganz fesche Flaggen zusammenbauen kann, und nachdem Dok Hendrix und Vince McMahon daran erinnert hatten, dass alle Erstrundenmatches ein fünfzehnminütiges Zeitlimit hätten, womit sie dann auch spoilerten, dass das mindestens einmal während des Abends eine Rolle spielen würde, begann der Kampf damit, dass Savio und Yokozuna eine Weile im Ring herumstanden. Etwas später unterstützte Savio seinen Gegner beim Headbangen in der Ringecke, obwohl gar kein Metal durch die Halle schallte, wofür sich Yokozuna revanchierte, indem er den wenig später im Ring herumliegenden Savio ein paar Minuten am Hals festhielt. Wahrscheinlich sollte damit eine Submission simuliert werden. Die übrige Matchzeit brachten die Kontrahenten mit gefühlten einhundert Punches und Clotheslines herum, die Yokozuna zwar allesamt ins Wanken, aber nicht ins Fallen brachten. Schlussendlich sorgte eine Attacke von Owen Hart gegen Savios Kumpel Razor Ramon für die Entscheidung, denn durch sie verlagerte sich das bewegungsarme Geschehen aus dem Ring nach draußen, wo Savio seinen Gegner gegen einen der Pfosten schmiss, sich zurück in den Ring rollte und Yokozuna auszählen ließ.
Sieger: Savio Vega via Countout nach 8:26 Minuten (sehr schlecht)

Der Kampf war eine einzige Katastrophe. Yokozuna war zu diesem Zeitpunkt bereits weit über seinen Zenit hinaus, obwohl dieser zeitlich gesehen noch gar nicht so lange zurücklag. Da sich Yokozuna kaum bewegen konnte, blieb den Bookern nicht viel mehr übrig, als Savio auf einer elliptischen Umlaufbahn um ihn herumrotieren zu lassen und ihm gelegentlich den Unterarm auf die schwabbelige Brust platschen zu lassen, mehr beinhaltete der Kampf nicht.

Weiter ging es mit dem Aufeinandertreffen von Bob Holly und dem Roadie, womit dann auch gleich von vorneherein gesichert war, dass eine weiterer Topfavorit ins Halbfinale einziehen würde. Von der Besetzung her war die Paarung fraglos wahres Main-Event-Material, aber man brachte den Kampf allen Ernstes schon so früh an diesem Abend. Tatsächlich lieferten sich die beiden Rivalen vom Start weg ein recht flüssiges Match, so wie man das eben erwarten kann, wenn ein Rennfahrer und der Roadie eines Country-Musikers in einem Wrestlingring aufeinanderprallen. Und mit "recht flüssig" meine ich "flüssiger als alle übrigen Matches des Abends, aber nicht ganz so flüssig wie Alleskleber". Der Roadie dominierte die meiste Zeit, am Ende erwischte der Michael Schumacher der WWF dann aber doch noch den richtigen Gang und drehte auf, bis er auf die dumme Idee kam, sich auf einen Turnbuckle setzen zu lassen. Denn so gut der handelsübliche Rennfahrer auch am Lenkrad sein mag, so ungelenk ist er beim Flug durch die Lüfte. Und so sprang Holly mit dem Gesicht voran auf das ausgestreckte Bein des Roadies und verlor den Krampf.
Sieger: The Roadie nach 7:33 Minuten (ausreichend)

Tatsächlich sollte das Aufeinandertreffen der beiden das beste Match des Abends bleiben, auch wenn wahrscheinlich keiner der Zuschauer in der Halle zu diesem Zeitpunkt geglaubt hätte, dass dies ernstgemeint war. Die hatten ohnehin nichts von alledem mitbekommen, da sie gerade eine Auszeit genommen hatten, um ein Nickerchen zu machen. Holly jedenfalls konnte nun beruhigt nach Hause gehen und schon mal planen, wie er wenige Jahre später in der Hardcore-Division der Federation das Ultraviolent Wrestling erfinden und zum großen Vorbild von Atsushi Onita und dem Necro Butcher avancieren konnte.

Nachdem Todd Pettengill den investigativen Journalismus auf die Spitze getrieben und Shawn Michaels in einem Interview beinahe Informationen abgerungen hatte, folgte der vierte Kampf des Abends. Der Heartbreak Kid traf auf den Mann, der unter so vielen Gimmicks auftrat, dass sich Dragan Dabić eine Scheibe von ihm abschneiden konnte: Kama. Vince McMahon und Don Hendrix verzichteten diesmal darauf, gleich in den ersten Kampfminuten auf das Zeitlimit hinzuweisen. Den älteren Zuschauern musste somit klar sein: in diesem Match würde es nicht rechtzeitig zu einem Pinfall kommen. Deshalb konnte der Referee auch dann, als Kama und Michaels zwischenzeitlich außerhalb des Ringes brawlten, in einer solchen Gemütlichkeit mit dem Auszählen beginnen, dass Yokozuna in der gleichen Zeit schon dreimal ausgezählt worden wäre. Wie es sich für einen standesgemäßen Time Limit Draw gehört, war die Viertelstunde dann auch schon nach 15:04 Minuten vorbei - selbstverständlich mitten während eines Coverversuchs von Michael.
Ergebnis: Time Limit Draw nach 15:04 Minuten (ausreichend)

Michaels und Kama lieferten sich einen für die Verhältnisse des Abends ordentlichen, für wrestlerische Ansprüche unordentlichen und für Shawn Michaels' Potential grottenschlechten Kampf. Und vielleicht fasste Tim White, der das Pech hatte, ihn leiten zu müssen, genau in diesem Moment den Entschluss, sich einige Jahre später mit einer Suizid-Storyline aus dem Business zu verabschieden.

Was folgte, war einer der eigentlichen Höhepunkte des 1995er King of the Ring. Nein, nicht das nächste Turniermatch, sondern eine voraufgezeichnete Szene mit Bob Backlund. Ein Höhepunkt war der Clip nicht nur deshalb, weil Backlund sein Micwork so comichaft überspitzt rüberbrachte, das er so glaubwürdig wirkte wie Joschka Fischer vorm Untersuchungsausschuss, sondern auch deshalb, weil es die Cutter der World Wrestling Federation fertigbrachten, einen Verhaspler genausowenig herauszuschneiden wie eine Szene, in der Backlund auf den Einsatz wartete und verspätet loslegte. Die Macher hinter der Kampagne "Backlund for President" scheinen heute für John McCain zu arbeiten.

Dann aber war es endlich an der Zeit, die Geheimwaffe der World Wrestling Federation loszulassen: Mabel kam zum Ring. Sein Erstrundengegner war The Undertaker, und aufgrund des Time Limit Draws im vorangegangenen Kampf ging es im Aufeinandertreffen der beiden nicht um den Halbfinal-, sondern um den Finaleinzug. Nun ist es ja eigentlich so, dass der frisch zum Heel geturnte Mabel für einen Mann, der damals nicht nur ein Outfit in der Farbe der Milka-Kuh trug, sondern auch in etwa ihrem Körpergewicht entsprach, durchaus nicht der Unbeweglichste und Unbeholfenste war. Und der Undertaker ist ohnehin über eine ganze Menge Kritik erhaben. Aber was die beiden beim King of the Ring 1995 ablieferten, war purer Sadismus gegenüber dem Zuschauer. Da wurde Aktion über Aktion nicht richtig durchgeführt, Submissions wirkten wie Entspannungsversuche, und gesellt wurde sowieso nicht. Zudem hatte der Kampf ein Tempo wie Hans Maulwurf beim Dauerlauf. Tja, und dann war dann noch das Ende: als der Ringrichter gerade ausgeknockt worden war, kam Kama herbei und trat dem Taker gegen den Oberarm, wodurch dieser selbstverständlich völlig ausgeknockt liebenbleiben musste und von Mabel gepinnt werden konnte.
Sieger: Mabel nach 10:46 Minuten (sehr schlecht)
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