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Berni Mayer - Der große Mandel

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Kolumne
Ausgabe

"Berni Mayer - Der große Mandel" von Axel Saalbach
Die älteren Leser unserer Homepage werden sich noch erinnern - hier bei Genickbruch gab es vor Äonen von Jahren eine mehr oder weniger regelmäßige Rezensionskolumne namens "Flimmerkiste". An dem Tag im Februar 2010, an dem die bis hierhin letzte Ausgabe erschien, thronte Bayer 04 Leverkusen gerade an der Spitze der Bundesligatabelle, während der Hamburger SV am Qualifikationsplatz zur Champions League knabberte. Der quicklebendige Muammar al-Gaddafi brach den Europäern das Herz, indem er ihnen wegen der brodelnden Affäre mit der Schweiz die herbeigesehnte Einreise nach Libyen verwehrte. Außerdem war ein Hoffnungsträger namens Wiktor Janukowytsch gerade zum Präsidenten der Ukraine gewählt worden.

Es ist fast so, als wäre das alles gerade erst gestern gewesen, nicht wahr? Da ich jedoch ein ganz und gar fleißiger Bub bin, habe ich mich nicht lumpen lassen, sofort die nächste Rezension nachzuschießen. Und zur Feier des Tages habe ich mich entschlossen, ausnahmsweise mal kein Videomaterial zu sichten und zu verreißen, sondern eine DVD aus der Zeit von Johannes Gutenberg zur Hand zu nehmen - oder auch ein sogenanntes "Buch", wie man ausgedruckte und gebundene E-Reader zu meiner Zeit noch nannte. Vielleicht hat der ein oder andere von euch so etwas schon mal bei Opa auf dem Nachttisch herumliegen gesehen - ja genau, das komische zerfledderte Ding aus Papier, das dort irgendwo zwischen Stehlampe, Schnapsflasche und Schreckschusspistole lag. Passenderweise erscheint am kommenden Montag ein sympathischer gelber Schmöker namens "Der große Mandel", in dem die anmutige gescriptete Klopperei, wegen der wir uns hier auf dieser Seite alle versammelt haben, im Mittelpunkt steht. Bestellen kann man das Buch schon heute.

DER GROßE MANDEL
Verfasser:
Berni Mayer
Veröffentlichungsdatum: 14. April 2014 (als Taschenbuch und E-Book)
Erhältllich bei: Amazon, Buecher.de, Buch24, Thalia, im Buchladen bei euch um die Ecke, und so weiter
Weitere erwähnenswerte Links: Blog des Autors, Webseite seiner Band, merkwürdiger Buch-Trailer

Berni Mayer ist ein Enddreißiger aus Niederbayern, der einst als Chefredakteur bei MTV und VIVA Online gewerkelt hat und die Serie "Kavka vs. The Web" für MySpace produzierte. Ach ja, MySpace - das ist noch so ein lustiges Ding von früher, das ich in meiner albernen Einleitung aufführen hätte können, denn als die bis dato letzte Flimmerkiste erschien, da kannte man die Seite noch. Nachdem MySpace aus dem Gehirn der Internetgemeinde vollständig geblitzdingst wurde, hat der Herr Mayer im Januar 2012 seinen ersten Kriminalroman namens "Mandels Büro" veröffentlicht, in dem die Medien- und Musikbranche karikiert wurde. Ein knappes Jahr später ging es in seinem Roman "Black Mandel" nach Norwegen in die beschauliche Welt des Black Metal. In seinem dritten Kriminalroman widmet er sich nun ganz und gar dem Wrestlinggeschäft.

Eine Kombination aus Kriminalroman und Wrestlinggeschäft - das wird dem ein oder anderen Besucher unserer Homepage vermutlich bekannt vorkommen, und mindestens einer unserer ehemaligen Mitarbeiter wird womöglich vom Stuhl fallen, wenn er diese Zeilen hier lesen sollte. Der geschätzte Prophecy, der hier ein Jahrzehnt lang in mehr als 200 Ausgaben seine nach ihm selbst benannte Kolumne veröffentlichte, hatte die gleiche Idee gehabt und begonnen, ein solches Buch zu schreiben. Ich weiß nicht, ob dieser Plan aktuell noch verfolgt wird, aber falls ja, dann sollte das Erscheinen von "Der große Mandel" kein Grund zum Verwerfen des Vorhabens sein - jetzt gibt es eben vorab schon mal ein Referenzbuch in dem Genre, und damit gibt es von mir den offiziellen Kaufbefehl für beide Romane, um einen Vergleich ziehen zu können.

Doch zurück zum Thema. Zunächst soviel - um das Zusammenspiel der beiden Hauptprotagonisten namens Max Mandel und Sigi Singer zu verstehen, wäre das Lesen der ersten beiden Bücher vermutlich hilfreich gewesen, es ist aber nicht zwingend notwendig. Anfangs handelte es sich bei den beiden um zwei arbeitslose Musikjournalisten, wie auch immer Berni Mayer ausgerechnet auf so etwas verrücktes gekommen ist. Die beiden erbten ein Detektivbüro, was sie zu dem Entschluss brachte, Ermittler zu werden. Also besorgten sie sich dafür bei der Industrie- und Handelskammer ein Zertifikat. Damit beantwortet Berni Mayer dem interessierten Flimmerkisten-Autoren gleich mal im Vorbeigehen die Frage, was man in diesem Laden eigentlich sonst noch so macht, außer ihm Beiträge aus der Tasche zu ziehen und ihm für seine Pflichtmitgliedschaft regelmäßig eine Zeitschrift für die blaue Tonne zuzuschicken. So ist das also! Zu Beginn von "Der große Mandel" ist die Detektei bereits an ihrem Ende, und in Form der Teilnahme an einem Wrestlingtraining bei der "Bavarian School of Wrestling" soll das letzte gemeinsame Wochenende von Mandel und Singer würdevoll begangen werden.

In dem Moment, in dem die beiden Männer die erste Bekanntschaft mit Zirkeltraining und Fallschule machen, wird das Ganze dann für den handelsüblichen Wrestlingfan interessant, auch wenn er die beiden Vorgänger nicht gelesen haben sollte. Ehe ich zu der großen Lobhudelei darüber ansetze, sei an dieser Stelle mein Kritikpunkt an der Geschichte genannt - ehe es soweit ist, vergehen 98 Seiten und damit mehr als ein Viertel des Buches, und von einem Kriminalfall ist bis dahin noch nichts in Sicht. Stattdessen gibt es viel Geplänkel über scheinbar bedeutungslose Ereignisse aus dem Vorleben von Erzähler Sigi Singer, Informationen über das von ihm regelmäßig genutzte Salatdressing, seine Meinung zu Angus-Avocado-Burgern und allerlei Wissenswertes und Nichtwissenswertes über Max Mandels einstige Schulband. Womöglich ist das alles spannender, wenn man "Mandels Büro" und "Black Mandel" kennt, so aber zieht es sich in die Länge wie ein Berliner Großbauprojekt. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass der Herr Mayer bisweilen dazu neigt, seine Sätze über schier unendlich viele Zeilen zu schlängeln und Kommata wie Lemminge über die Seiten zu verteilen, anstatt es dem Leser etwas einfacher zu machen.

Doch das alles ist nicht so wild, wie es sich vielleicht anhört, denn im eigentlichen "Wrestlingteil" des Buches, der in der Bavarian School of Wrestling loslegt und der bis zur letzten Seite reicht, wurde gute Arbeit geleistet. Entweder war Berni Mayer wirklich mal lange und intensiv Wrestlingfan, oder er ist es noch, oder aber er hat zumindest ziemlich gut recherchiert. Denn es bleibt nicht nur einfach bei der gelegentlichen Nennung von ein paar Altstars aus den späten Achtzigern und frühen Neunzigern, sondern es geht sehr oft bis tief ins Detail. Da der Heavyweight Champion von "South German Championship Wrestling" erpresst wird, werden die beiden Helden direkt aus ihrem Anfängerseminar heraus verpflichtet, den Täter aufzuspüren, und sie gehen in der Rolle zweier Nachwuchswrestler mit der Liga auf Tournee durch die deutsche Provinz - und damit hautnah ins Wrestlinggeschäft hinein.

Neben der eigentlichen Ermittlungsarbeit, die auf einer kleinen Sparflamme nebenher köchelt, wurde nahezu alles verarbeitet, was das Dasein im Wrestlingbusiness - gerade in einer kleinen Liga wie der beschriebenen - ausmacht. Angefangen vom Star der Neunziger, der es im deutschen Fernsehen bis zu Auftritten bei "Schreinemakers" und in den USA zu einer wichtigen Rolle bei World Championship Wrestling gebracht hat, nun aber auf kleinstmöglicher Ebene in Deutschland den Nachwuchs trainieren muss, über die Einnahme von Anabolika in vollem Bewusstsein über die möglichen Konsequenzen bis hin zum abgehalfterten Brawler aus Großbritannien, der inzwischen mit Herzproblemen zu kämpfen hat, ist alles dabei. Nahezu jeder Wrestler von "SGCW" löst einen Aha-Effekt aus, an wen die Rolle angelehnt sein könnte, und nach der größten Metropole von Québec bekommt dank Mayer nun auch Karl-Marx-Stadt neben seinem Nischel eine zweite erwähnenswerte Sache, nämlich den "Chemnitz-Screwjob".

A propos Chemnitz - laut Klappentext ziehen die beiden Detektive mit der um ihre Existenz kämpfenden kleinen Wrestlingliga durch "Deutschlands schlimmste Provinzstädte". Hört her, liebe Leute in Chemnitz, Gießen und Siegen - genau, ihr seid damit gemeint. Dort sollte Berni Mayer daher besser keine Lesung veranstalten, denn auf'm Dorf ist man bekanntlich nicht zimperlich. Um Hof einen Bogen zu machen kann ihm in Zukunft ebenfalls nicht schaden, aber sachlich betrachtet ist das auch für alle anderen Nicht-Hofer das Beste. Seitdem es das Begrüßungsgeld nicht mehr gibt, wollen dort schließlich nicht mal mehr die Provinzler aus Chemnitz hin.

In allen anderen Orten wird Mayer keine Probleme bei Lesungen bekommen, selbst wenn Wrestlingfans anwesend sein sollten, denn er geht mit dem Business trotz seines humorvollen Erzählstils ehrlich und gerecht um, rückt es nicht in ein falsches Licht und schildert das Leben eines Wrestlers in Deutschland vermutlich ziemlich realitätsnah. Okay, auf der 333. Seite fasst er Wrestler und Offizielle vorübergehend mal unter dem Begriff der "Unmenschen" zusammen, aber wenn wir ehrlich sind, dann hat das jeder von uns schon mal gedacht. Von meiner Seite aus kann ich also durchaus dazu raten, sich "Der große Mandel" zuzulegen. Und sei es nur, um später einen Vergleich mit Prophecys Wrestlingroman ziehen zu können, sofern er denn jemals erscheinen sollte. Oben findet ihr eine ganze Menge Links, bei denen ihr das Buch bereits vorbestellen könnt, normalerweise solltet ihr es aber auch in jedem halbwegs gut geordneten Buchladen finden oder bestellen können. Zumindest falls es bei euch so was noch geben sollte und nicht dem Zahn der Zeit gewichen ist. Die E-Book-Version erscheint ebenfalls am 14. April.

Ach ja, eine Sache noch: Prophecy ist nicht der einzige frühere Genickbruch-Mitarbeiter, den das Buch aufhorchen lassen dürfte. Wenn ich mich recht entsinne und ihn nicht verwechsle, hegte Genickbruch-Mitgründer Mr. Pervert einen tiefgreifenden Groll gegen das wiederholte Auftauchen von Markus Kavka auf seiner Flimmerkiste. Eben jener Markus Kavka kam nach dem Lesen des Buches zu dem Entschluss, dass er "jetzt sofort Detektiv werden" möchte. Ich weiß nicht, was es über die Vorlieben des aktuellen Masterminds von "Bier auf Tour" auf Servus TV aussagt, dass ihn das zum Detektivsein im Wrestlingbusiness scheinbar dazugehörende Verprügeltwerden und Bluten zum Mitmachen animiert, aber dieser Satz hat es bis aufs Buchcover geschafft. Natürlich wird aus dem zweiten Karriereweg nichts, aber würde es der Herr Kavka tatsächlich irgendwann einmal in Erwägung ziehen, das Licht der Öffentlichkeit gegen einen Wrestlingring in einer abgelegenen Turnhalle einzutauschen, dann hätte Berni Mayer mit "Der große Mandel" eine Leistung vollbracht, die vermutlich nicht nur Mr. Pervert freuen dürfte. Und wer würde dann noch an seinem Buch zweifeln?

So, damit endet dann der erste Versuch, im Rahmen der "Flimmerkiste" ein Buch zu thematisieren. Hinweise, Anregungen und Lob könnt ihr mir über das Kontaktformular zuschicken. Die üblichen Drohmails sowie Kritik und Beschimpfungen können über das gleiche Formular geschickt werden, damit ich das Ganze ausdrucken, zusammenknüllen und den Hund damit spielen lassen kann. Derweilen schließe ich die erste Ausgabe der Flimmerkiste dieses Jahrzehnts - gehabt euch wohl!
 
 
 
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