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Kommentar zur Entlassung von Jim Ross

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"Kommentar zur Entlassung von Jim Ross" von Prophecy
Vor wenigen Tagen wurde das Arbeitsverhältnis zwischen dem vielleicht besten Kommentator in der Geschichte des Wrestlings und World Wrestling Entertainment beendet. Die offizielle Mitteilung des Arbeitgebers liest sich so, dass Jim Ross zurückgetreten ist, um sich anderen Projekten zu widmen. In die gleiche Kerbe schlägt auch Jim Ross in einem Blog. Dort äußert er sich so, dass das einzig negative an seiner Zeit bei WWE seine Gesundheitsprobleme waren. Von eigenen Projekten ist dort allerdings keine Rede. Warum sollte nun also an dieser Version gezweifelt werden? Es gibt einfach zu viele Ungereimtheiten, die den Rücktritt als nicht plausibel erscheinen lassen.

Rücktritt oder Entlassung?
Die Gründe, die für einen Rücktritt sprechen, habe ich bereits in der Einleitung aufgeführt – es sind eigentlich nur die beiden offiziellen Statements. Doch dem gegenüber stehen etliche Indizien dafür, dass Jim Ross - zumindest vordergründig - auf Grund des völlig aus dem Ruder gelaufenen Symposiums von 2K gefeuert wurde. Wer bisher nur darüber gelesen hat, der möchte sich vielleicht selber mal ein Bild davon machen, was einen Tag vor dem Summerslam wirklich passiert ist. Es ist für die Personalie Jim Ross aber erst
einmal sekundär.

Auf jeden Fall gab es schon in den Tagen nach dem Symposium Berichte darüber, dass nicht nur Ric Flair mit Konsequenzen zu rechnen habe, sondern auch Jim Ross in ernsthaften Schwierigkeiten steckt. Hintergrund dessen ist die Tatsache, dass er als Moderator des Symposiums nicht dafür gesorgt habe, dass es wieder nach dem ursprünglichen Skript läuft. Schon damals kamen erste Gerüchte auf, dass man von Seiten WWE darüber nachdenkt ihn zu entlassen. Ich vermeide bewusst den Ausdruck „ihn deswegen zu entlassen“. Allerdings wurde es dann schnell ruhig um das Thema und allgemein wurde vermutet, dass es sich damit erledigt habe. Am vergangenen Montag erfuhren dann allerdings einige Journalisten, dass Jim Ross ins WWE-Hauptquartier nach Connecticut zitiert worden sei. Dabei handelt es sich um einen ungewöhnlichen Vorgang, da Jim Ross für verschiedene Projekte sowieso immer mal wieder dort ist. Also musste es sich um etwas dringendes handeln und einige Journalisten zählten bereits am Montag eins und eins zusammen. Wenige Tage später wurde dann tatsächlich die Trennung offiziell gemacht.

Würde die offizielle Version der Wahrheit entsprechen, dann hätte doch eigentlich Jim Ross um ein Gespräch bitten müssen, oder? Dass aber Vince McMahon den Termin angesetzt und Ross nach Connecticut zitiert hat, deutet eher auf eine Aktion von WWE hin. Ein weiterer Hinweis dafür lässt sich in den Äußerungen von Jim Ross finden, die er erst vor zwei Wochen während seiner Tour durch England getätigt hat. Zur Erklärung sei kurz erwähnt, dass Jim Ross in England in vier Städten Auftritte hatte, bei denen er über seine Karriere erzählte. Von diesen Auftritten gibt es von unterschiedlichen Personen die übereinstimmenden Berichte, dass Jim Ross dort erzählt hat, dass ihm seine Arbeit bei WWE unglaublich viel Spaß macht – besonders als Kommentator von NXT und als Trainer für die anderen Kommentatoren dort. Außerdem habe er bisher noch keinen Gedanken daran verschwendet seine Karriere zu beenden. Diese Aussage ist nun zwei Wochen her und natürlich kann es sein, dass Ross dort gelogen hat. Aber warum hätte er das tun sollen?

Hinzu kommt ein weiteres Indiz, das in der persönlichen Situation von Jim Ross begründet liegt. Bekanntlich hat Jim Ross im Jahr 1994 eine Gesichtslähmung erlitten, die ihn noch bis heute belastet. So sollen die regelmäßigen Untersuchungen und Behandlungen eine große Summe an Geld verschlingen, weswegen JR den Job bei WWE sehr gut gebrauchen konnte. Warum sollte er dann also zurücktreten? Vielmehr liefert dieser Umstand auch eine perfekte Erklärung dafür, warum Jim Ross nicht nach tritt. Denn abgesehen davon, dass er über Klasse verfügt...

Wie geht es nun für Jim Ross und WWE weiter
… ist es sehr wahrscheinlich, dass Jim Ross in einigen Monaten wieder bei WWE unter Vertrag stehen wird. Denn es gibt einfach einige Aufgaben, für die JR prädestiniert sind und für die es bei WWE sonst kein geeignetes Personal gibt. Unter den Fans, die Jim Ross wirklich als Kommentator erlebt haben, dürfte es große Einigkeit darüber geben, dass er einer der besten – wenn nicht sogar der beste – Kommentatoren aller Zeiten ist. Ich persönlich tue mich extrem schwer damit mich zwischen Jim Ross und Gordon Solie zu entscheiden, aber das ist ja auch egal. Denn The Dean ist leider schon längst verstorben. Auf jeden Fall kann man sich einen Start des WWE Networks ohne Jim Ross kaum vorstellen. Wer soll das denn sonst bitte begleiten? Michael Cole? Josh Mathews? Mehr Play-by-Play Kommentatoren hat WWE aktuell ja gar nicht zu bieten und beide wirken nicht sonderlich geeignet dafür, um glaubhaft durch das Programm des Networks zu führen. Wer würde es Cole denn abnehmen, wenn er irgendwas über 40 Jahre alte Shows erzählt?

Ich habe das DVD-Set über das Mid-South Territorium bisher leider noch nicht sehen können, da es gerade erst veröffentlicht wurde. Allerdings soll Jim Ross hier sensationelle Arbeit abgeliefert haben. So wurden die alten Kämpfe von Jim Ross neu kommentiert und man soll ihm absolut abnehmen, dass es Live-Kommentar in der Halle war. Das ist eine unglaubliche Leistung, die weder Cole noch Matthews jemals hinkriegen werden. Es ist schon schlimm genug, dass WWE so blöd ist auf Ross in den wöchentlichen TV-Shows zu verzichten. Allerdings liegt das einfach daran, dass der Typ Jim Ross überhaupt nicht mehr verlangt wird. Statt auf einen echten Play-by-Play Kommentator zu setzen, der die Fans mit Hintergrundinfos versorgt und das Geschehen im Ring kommentiert, hat man heute halt lieber drei Idioten da sitzen, die sich gegenseitig ärgern, Witze reißen und nebenbei Wrestling „kommentieren“. Ich würde diese Entscheidung so nicht treffen, aber das liegt halt im Ermessensspielraum von WWE. Aber für ein WWE Network wird das nicht funktionieren und genau deswegen wird Jim Ross zum Start des Networks bzw. halt die benötigte Zeit vorher wieder bei WWE unter Vertrag stehen.

Ist das Symposium eigentlich wirklich der Grund?
Es ist leider zu befürchten, dass es eher ein Vorwand ist, damit Vince McMahon Jim Ross nun auch mal in echt feuern konnte. Es ist ja schon lange kein Geheimnis mehr, dass Vince McMahon einen unglaublichen Spaß daran hat JR bei RAW zu demütigen, am liebsten auch noch persönlich. Wer das bestreitet, dem ist einfach nicht mehr zu helfen. Warum aber wurde Ross nun von Vince zu einem Treffen bestellt, statt von Hunter oder Stephanie, die auch beide Personalentscheidungen treffen dürfen? Das wäre doch viel naheliegender gewesen, da diese beiden für das 2K Symposium verantwortlich waren und Stephanie es persönlich betreut hat. Hier überlasse ich es nun jedem selbst die Situation zu beurteilen. Vermutlich wird es davon abhängen, ob man Vince mag oder nicht.

Was ist auf dem Symposium aber eigentlich passiert? Und wer trägt die Schuld? Meiner Meinung nach gibt es zwei Hauptschuldige. Das sind Ric Flair und WWE selbst. Denn die ganze Veranstaltung sollte nach einem vorgefertigten Skript ablaufen und die Superstars (anwesend waren Dolph Ziggler, Daniel Bryan, Rey Mysterio, Paul Heyman, Mick Foley, Ric Flair und Steve Austin) sollten über ihre schönsten WrestleMania-Erinnerungen erzählen. Das blöde an der Sache war nur, dass Jim Ross als einzige beteiligte Person des Skript bekommen hatte, um die Diskussion zu führen. Doch damit nicht genug, denn die anderen Teilnehmer wussten noch nicht einmal, dass es ein Skript (also in diesem Fall ein Leitfaden mit Fragen) gibt. Die Folge dessen war, dass Mick Foley in Unwissenheit über die Existenz dieses Skripts davon abwich und Ric Flair einbinden wollte, weil dieser bis dahin noch gar nicht zu Wort kam. Dass Ric Flair dann über seinen verstorbenen Sohn Reid erzählte, ist vielleicht etwas unglücklich gewesen, weil es ein eher bedrückendes Thema ist. Allerdings tat Ric dies, um WWE over zu bringen. Ric hat nämlich Reid einen seiner Hall-of-Fame-Ringe mit in den Sarg gelegt und den anderen seinem zweiten Sohn David geschenkt, woraufhin Hunter Ric einen dritten anfertigen und zukommen ließ. Sehr noble Aktion von Hunter!

Jetzt stellt sich natürlich die Frage wie in Gottes Namen man einen Mann, der von seinem gerade verstorbenen Sohn erzählt, das Wort abschneiden soll. Ross ließ es geschehen und kam danach aber schnell wieder zum Skript zurück. Dass er später die Kontrolle verlor, ist vor allem Austin, Foley und Heyman zuzuschreiben, die Ric immer weiter anstachelten, damit er mehr und mehr und mehr erzählte. Wenn man also jemanden feuern will, dann sollte man mit Flair anfangen und dann Austin, Foley und Heyman folgen lassen. Danach können wir dann gerne über Jim Ross reden! Und nein, ich hätte niemanden gefeuert, da die Verantwortlichen von 2K von dem Symposium begeistert waren. Der meiste Wirbel ist sowieso erst dadurch entstanden, dass Stephanie nach dem Ende auf die Bühne trat und sich offiziell dafür entschuldigte, dass das so nicht geplant war! Erst dadurch dürfte das ganze so viel Aufmerksamkeit bekommen haben.

Ich persönlich glaube nicht an die Version eines freiwilligen Rücktritts. Dafür gibt es einfach zu viele Ungereimtheiten und noch mehr Indizien, die für genau das Gegenteil sprechen. Ganz frisch ist übrigens die Information, dass alle Wrestler von Jane Geddes (Vize-Präsidentin für Talent Relations) aus der Firmenzentrale ein Memo erhalten haben, in dem darauf hingewiesen wird, dass die hauseigene Variante zum Rücktritt stimmt. Schon komisch, dass man darauf noch extra hinweisen muss.

Kleine Randnotiz zum Abschluss
Die Entlassung von Jim Ross zeigt übrigens eindrucksvoll, dass Vince McMahon TNAW aktuell für absolut keine Konkurrenz mehr hält. Noch vor wenigen Jahren hatte Vince JR nicht gehen lassen, obwohl er ihn damals eigentlich schon los werden wollte, damit keine Gefahr bestand, dass Ross bei TNAW landet. Doch heute scheint er damit kein Problem mehr zu haben.
 
 
 
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