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Die schlechtesten Gimmicks der Neunziger

In einer 11teiligen Serie analysierten wir im Frühjahr 2006 die schlechtesten Gimmicks der neunziger Jahre. Hier findet ihr unsere Berichte.
Kapitel

1991: Schema F und eine Menge Liiieeeeeebe
Was macht ein schlechtes Gimmick aus? Ich meine, welches Kriterium beschreibt denn wirklich, ab wann ein Wrestling-Gimmick mies ist und ab wann es kultig ist? Wäre der Red Rooster vielleicht „Kult“ geworden, wenn er von Nikolai Volkoff anstatt von Terry Taylor verkörpert worden wäre? Warum denkt man beim Gedanken an „Rhythm and Blues“ eher an das Wort „Kult“, als wenn man sich das Tekno Team 2000 oder Doug Furnas und Phil Lafon ins Gedächtnis ruft? Man sieht, es ist ein schmaler Grat zwischen Kult und Grütze – und genau das macht doch die Welt der Wrestling-Gimmicks so überaus interessant. Und damit herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der schlechtesten Gimmicks der 90er. Nochmal zur Erklärung: Schlecht ist ein so böses Wort. Wie hätte Diamond Dallas Page zu Zeiten eines seiner miesesten Gimmicks gesagt: „Schlecht – That’s not a bad thing – It’s a good thing!“. Und genau so sehe ich das aus. Der eine oder andere auf dieser Liste gehört mal wieder auf die Liste der Kultfiguren, beim anderen sträuben sich einem die Rückenhaare wenn man nur seinen Namen hört. Doch alle prägten Sie das Jahr 1991 – „They were funny cause they sucked!“ – sie prägten es durch ihre herausstechenden Gimmicks; und hier sind meine Top 5:

5. Skinner

Steve Keirn ist Road Agent bei WWE, doch bekannt wurde er in eben dieser Liga durch eine ganz andere Rolle, die des Skinner. Das Gimmick ist schnell beschrieben, wobei man sich jegliche Beschreibung eigentlich sparen kann, wenn man ein Bild von ihm zeigen kann. Viel mehr war Skinner nämlich nicht. Er war ein übel drein schauender Draufgänger aus dem Outback, der stets mit Holzfällerhemd und Crocodile-Dundee-Gedächtnis-Hut umher lief. Beängstigend die Tatsache, dass man mit so einem plumpen Charakter und wenig ausgeprägten wrestlerischen Fähigkeiten sogar gegen einen Bret Hitman Hart bei einem Pay-Per-View antreten durfte. Nur nebenbei bemerkt: Er verlor. Und doch blieb mir das Skinner-Gimmick irgendwie in Erinnerung. Vielleicht auch, weil es zu einem der ersten Schwünge an miesen Gimmicks gehörte und aus einem doch uninteressanten Mann auf einmal einen Hingucker machte. Zwar entwickelte sich dieser Hingucker mit der Zeit langsam aber sicher zu einem Weggucker bis hin zu einem Ganz-Schnell-Weggucker-und-bloß-Vergessen, aber würden wir uns heute noch an Steve Keirn erinnern, wäre er nicht der Skinner gewesen? Das sei mal so in den Raum gestellt... (*hust*)

4. Beverly Brothers

...an wen ich mich aber nur zu gut erinnere sind die Beverly Brothers. Beau und Blake. Beau Beverly und Blake Beverly. Und bevor Fragen jüngerer Fans kommen: ja, das war tatsächlich ihr In-Ring-Outfit – und ja, das meinte man ernst. Als sei das nicht schon erschreckend genug, stellte man den beiden einen Manager zur Seite, der schon in der letzten Ausgabe Erwähnung fand – was auch bei ihm auf ein nicht unbedingt grandioses Gimmick vermuten lässt – The Genius. Die erste Fehde, an die ich mich in Verbindung mit Beau und Blake Beverly (hui, wie das klingt...) erinnern kann, war gegen die Bushwhackers. Das sagt ja wohl alles über den Status aus, den man den Beverly Brothers zukommen ließ – nebenbei bemerkt waren sie natürlich keine wirklichen Brüder (also nicht so wie Edge und Christian oder die Bashams beispielsweise). Neben unbegründeten Auftritten und Fehden gegen Teams wie die Rockers oder die Natural Disasters machten Beau und Blake Beverly (das klingt so schööön) eigentlich durch nichts außer diesem furchtbaren Gimmick von sich reden. Daher macht es keinen Sinn, hier weiter über eine derartig uninteressante Karriere eines überaus uninteressantesten Tag Teams zu philosophieren. Nur den Namen find ich so toll: Beau und Blake Beverly. Klingt das schön...

3. The Berzerker

Wobei wir bei einem weitaus männlicheren Gimmick wären. Es war auch Mist, aber wenigstens männlich. Nachdem man John Nord Anfang des Jahres als „The Viking“ in die Liga einführte, schien irgendjemand zu bemerken, dass der Name ja voll nicht kreativ war und ein Sonderkomitee zur Rettung dieses an sich doch genialen Charakters einberufen wurde: Man taufte den Wikinger namens „The Viking“ um in „The Berzerker“ und stellte ihm einen Manager an die Seite. Ein Heel sollte es sein, Mr Fuji hatte gerade freie Kapazitäten – ein Dream Team war geboren. Und ähnlich wie es beim Skinner-Gimmick war, ist mit diesen paar Worten und einem erläuternden Foto eigentlich alles gesagt. Ein Mann ohne enormes wrestlerisches Können bekam ein liebloses Gimmick auf den Leib geschrieben – bei den Survivor Series 1991 würfelte man dieses ganze Pack dann zusammen und ließ sie für ein paar Babyfaces jobben. Das zur Karriere des Berzerkers. Zwei große Fehden dichtete man ihm auf den Leib (gegen den Bulldog und sogar den Undertaker) und beide wurden mangels Interesse nie zum Abschluss gebracht. Eigentlich müsste man Mitleid haben – na ja, Platz 3. Hey, Berzerker, du bist immerhin auf dem Treppchen. Arme Sau.

2. Saba Simba

Das Bild von ihm ist keine Fotomontage. Ich habe ja kurzzeitig überlegt, ob ich irgendwo in diese Liste nur mal so aus Spaß ein von mir vollkommen frei erfundenes Gimmick einstreue, nur Spaßes halber. Um zu sehen, ob es jemand merkt. Nachdem meine Suche nach den Top50 aber abgeschlossen war, wusste ich, dass es nicht nötig sein wird. Das beste Beispiel ist Tony Atlas. Wieso ich Tony Atlas jetzt auf einmal ins Spiel bringe? Jetzt müsst ihr ganz stark sein. Das da oben auf dem Foto, das ist Tony Atlas. Der ehemalige Tag Team Champion Tony Atlas, der Partner von Rocky Johnson. Es ist so grausam, was man mit verdienten Veteranen des Wrestlingsports über die Jahre so veranstaltete. Aus der Ferne betrachtet kommt mir ein Gedanke – eine Idee für ein Traummatch der frühen Neunziger Jahre. Zwei Legenden der 80er Jahre treffen aufeinander, mit ihren Gimmicks der Neunziger. Tony Atlas als Saba Simba gegen Terry Taylor als der rote Hahn – und der Verlierer muss sein Gimmick auf Ewig behalten. Auf Lebenszeit, für immer! Und wehe, ich höre jetzt noch jemanden schreien, Hell in a Cell sei die menschenunwürdigste Matchart! Pah.

1. Brother Love

Nachdem ich einleitend über den schmalen Grad zwischen Kult und Käse berichtete, komme ich nun zu dem Gimmick, das mich veranlasste, diese Art der Einleitung zu wählen. Brother Love. Verkörpert durch Bruce Pritchard. Der Mann, der den Undertaker in die Liga brachte, der Mann der so viel Liebe in die Liga brachte, der Mann dem Frauen zu Füßen lagen, wenn er in seiner tiefen mächtigen Stimme sagte “Brother Love looooves you!“. Der Mann, dem man in die Fresse schlagen möchte, wenn man ihn nur sieht. Und genau da kommt jetzt die Frage nach Kult oder Wackelpeter wieder ins Spiel. Ich kann es mir abschließend wirklich nicht erklären. Mit Sicherheit ist Brother Love ein Stück weit Kult – genauso sicher ist es aber auch, dass dieser Charakter der wohl übelste Scherz eines zynischen Schreibers ist, der jemals auf dem Briefpapier von WWE gelandet ist. Ich habe Brother Love gehasst – und bei Gott, würde er heute wieder auftreten, ich würde ihn immer noch hassen. Und genau das zeigt eines ganz deutlich: „Brother Love“ war ein miserables Gimmick – aber es hat funktioniert. Meine Nummer 1 aus dem Jahre 1991.

Das notwendige Stück Kult hat Brother Love auf die Pole Position gehoben. Das war aber auch genau das Problem des Jahres 1991. Was man in diesem Jahr nämlich präsentierte, war gequirlter Einheitsbrei. Skinner, Berzerker, Beverlys, Repo Man, Sam Houston – alles dasselbe Muster. Gimmicks bestanden aus Outfits, sei waren zweidimensional. Und genau diese Tatsache macht das Jahr 1991 zum wohl schwächsten Jahr der Neunziger in Sachen Gimmicks.

Wobei abschließend nun noch die Frage nach Kult geklärt werden muss. Viele dieser Gimmicks waren einfach lieblos. So was kann ohne Zweifel „schlecht“ genannt werden. Mit Brother Love zum Beispiel wollte man aber genau diesen Effekt absichtlich erzielen. Es sollte überzogen sein, es sollte schlecht sein. Ja, verdammt, und das war es. Genau das sorgt dazu, dass man sich heute noch an Brother Love erinnern kann – und an viele andere nicht. Zum Beispiel: Beau und Blake Beverly (das musste jetzt noch mal sein, es klingt doch so schööön).
 
 
 
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