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Eine Schippe Geschichte

In dieser von verschiedenen Mitarbeitern übersetzten Reihe kann man in erster Linie ungeordnete Artikeln aus den WAWLI Papers finden. Die Reihe "Wrestling As We Liked It" stammt aus der Feder von J. Michael Kenyon, seines Zeichens einer der Wrestlinghistoriker mit der größten Fülle an Wissen. Die WAWLI Papers sind eine per e-Mail verschickte Onlinepublikation, mit der versucht werden sollte, bei den Wrestlingfans Interesse an einer Ära ihres Sports zu wecken, die schon lange zurückliegt und deshalb kaum noch Beachtung findet. Hier könnt ihr die 42 bisherigen Ausgaben unserer "Schippe Geschichte" nachlesen.
Kapitel

27. Juni 1997: Abschied von Stan “The Man” Stasiak
ABSCHIED VON STAN "THE MAN" STASIAK
erschienen in: Portland Oregonian
Autor: Tom Hallman Jr.
Erscheinungsdatum: 27. Juni 1997


In diesen letzten Momenten, als der Priester predigte und sich die Freunde über die alten Zeiten unterhielten war es einfach sich an den Verstorbenen zu erinnern, den “Crusher“. Er war es wirklich. Das wurde klar, als die Sargträger den Sarg öffneten und man einen alten Mann darin erblickte, dessen Körper ihn verraten hatte. Mitten in St. Johns hielten sie eine Totenfeier für Stan Stasiak ab, einen ehemaligen Wrestler und eine leibhaftige Erinnerung an Zeiten die unschuldig und rein waren.

Lange vor den Blazers und Clyde, vor Golf und Tiger Woods, vor Nike und Phil, vor dem Kabelfernsehen und den CDs und vor dem Internet gab es PNW Wrestling und den “Crusher“. Die Kämpfe fanden Samstagabends in der Portland Armory statt. Eine Zeit lang wurden die Kämpfe sogar live im Fernsehen ausgestrahlt, auf KPTV. Als sich die Zeiten veränderten, veränderte sich auch das Programm und der Sport. Shows wurden aufgezeichnet und man zog in die Portland Sports Arena in Nord-Portland um. Das Produkt – und ein solches war es wirklich – wurde von Don Owen einem schnellsprechenden Promoter geleitet. Er war ein Kenner der Szene. Zuschauerzahlen um die 4000 waren nicht normal, Kinder, alte Frauen, junge Halbstarke, Möchtegerne und sehr viel Zigarrenrauch. Unter der Woche nahm Owen sein Produkt mit auf Reisen. Wrestler eroberten den Staat und besuchten mit ihrem Glanz und mit ihren Matches auch das Hinterland.
Die Zuschauer bekamen für ihr Geld alles von Portland Wrestling geboten.

Die Stars zogen sich nicht in den Bus zurück oder spielten irgendwelche Rollen. Keiner zeigte den Fans gegenüber irgendwelche Missachtung. Für etwa zwei Stunden kämpften jeden Abend Gut gegen Böse in und um den Ring. Die Fans zahlten es mit rauschendem Beifall zurück, nur einer bildete die Ausnahme. Ein wahrer Wirbelsturm brach los wenn Stasiak in den Ring kam, auch bekannt als Stan "The Man" Stasiak oder Stan "The Crusher" Stasiak.
Er war einer von den Guten.

Tough Tony Borne, Beauregard, die Von Steigers (Karl Von Steiger und Kurt Von Steiger, Lonnie Mayne und Haru Sasaki – sie waren die Bösen. Sie glänzten durch Haarziehen, Griffe in die Augen, Sand ins Gesicht werfen und Karatechops. Die Erinnerungen an den 2. Weltkrieg und den Kalten Krieg waren immer präsent und so spielten sie meist Deutsche oder Japaner. “Die Menschen hassten die Japaner“ erzählte Sasaki. "Ich wurde immer ausgebuht. Ich bekam Morddrohungen und musste in einige Städten sogar versteckt im Hinterhof wohnen. Obwohl ich eigentlich ein netter Kerl war bekam ich nie Respekt gezollt. Deshalb spielte ich den bösen Typen umso überzeugter." Tough Tony Borne genoss die Rolle des Bösewichts, obwohl er später ein verehrter Mann im Ring wurde. "Ich war nicht dort um Freundschaften zu schließen,“ sagte Borne, dessen Spezialität es war dem Gegner seinen Bart ins Gesicht zu drücken. “Es ging hier ums Geld. Einige bekamen ein garantiertes Auftrittsgeld, andere mussten sich dieses erst erarbeiten. Du hast eben deine Rolle im Ring. Entweder lieben dich die Fans oder sie hassen dich.“

Shag Thomas war einer der wenigen Afro-Amerikaner im Ring. Ein ruhiger Zeitgenosse und er wusste immer wie weit er gehen konnte, damit die Leute ihn ncoh liebten.

Alle Matches waren One fall Matches, einzige Ausnahme war der Mainevent der meistens ein Two-out-of-three Falls Match war oder ein "TV time limit-Match". Ein TV-Moderator interviewte die Wrestler in den Matchpausen. Drohungen und Beleidigungen waren zu hören und häufig endete es in Tumulten, aber alles gehörte zur Show. Lonnie Mayne aß sogar Glühbirnen vor der Kamera. Und wenn einer der bösen Jungs mal wieder außer Kontrolle geriet und anderen die Suppe versalzen wollte, dann war es Stasiak der herbeieilte und die anderen rettete.

Unter Beifallsstürmen stürmte er aus seine Kabine. Er benutzte seine Fäuste, seine Füße und manchmal sogar einen Stuhl um die Ordnung wieder herzustellen. Seine Allzweckwaffe war allerdings der gefürchtete "Heart Punch", der angeblich sogar Riesen ins Krankenhaus verfrachtete.

Deshalb war es wirklich ironisch als er letzte Woche an Herzversagen starb. Im Alter von 60 Jahren.

Sein wirklicher Name war George Stipich. Er hinterlässt seine Ehefrau und zwei erwachsene Kinder. Seine Wurzeln reichen bis nach Kroatien zurück, er selbst wurde in Quebec geboren und wuchs auch dort auf. Er war ein so guter Eishockeyspieler, dass er sogar einen Vertrag bei den New York Rangers unterschrieb.

Dennoch entschied er sich im Alter von 21 Jahren fürs Wrestling. Er wurde von einem Promoter entdeckt, der ihm Ähnlichkeit mit dem originalen Stan Stasiak aus den 20er Jahren attestierte. Deshalb nahm er auch dessen Namen an. Er war ein großer stämmiger Mann, 1,95 m groß und fast 120 kg schwer. Seine Karriere begann er als Bösewicht und trug zeitweise sogar eine Maske. Er arbeitete in Texas als ihn Owen entdeckte und mit nach Portland nahm.

"Anfangs kämpfte er sehr rau," sagte Owen. "Dann gab es plötzlich Zuschauer die ihn die ganze Zeit anfeuerten. Er vermasselte niemals ein Booking. Er war eng mit dem Business verbunden. Wenn er nach Klamath Falls sollte, dann war er bei Gott auch da. Er machte seinen Job."

Während der Blütezeit von Portland Wrestling in den 1950ern und 60ern gewann Stasiak den Pacific Northwest Titel 15 Mal. Sein Können machte ihn zu einem nationalen Superstar und brachte ihm sogar ein Treffen mit Präsident John F. Kennedy und den Three Stooges ein. Er wechselte zur World Wide Wrestling Federation, lange bevor Hulk Hogan sie so populär machte. Er war der Bösewicht des Madison Square Gardens. 1973 gewann er den World Title in Philadelphia und hielt ihn drei Wochen lang, ehe er ihn an Bruno Sammartino wieder verlor.

Er kehrte nach Portland zurück. Aber ab da war das lokale Wrestling am abnehmen. "Es war dieser verdammt WWF-Haufen" schimpft Owen. "Eine Zeit in der man plötzlich Wrestling aus Mexiko in Portland sehen konnte. Man konnte sich solange Wrestling anschauen, bis man die Schnauze voll hatte. Wer sollte da noch 7 US-Dollar für ne Show ausgeben?"

Deshalb wurde Stasiak Co-Kommentator bei Portland Wrestling. Dann besorgte ihm Owen einen Job als Autoverkäufer. "Ich sagte ihm, dass er durchs kommentieren so bekannt war, dass er der bekannteste Verkäufer in Portland sein würde" sagte Owen. "Er machte den Job sechs Monate lang und danach hörte ich nichts mehr von ihm."

Stasiak's Gesundheit begann bereits vor 10 Jahren zu schwächeln. Zuerst hatte er einen leichten Schlaganfall. Anschließend pendelte er ständig zwischen Krankenhaus und zu Hause. Er wurde gläubig, las die Bibel und betete für seine Freunde.

Bis zum Ende kämpfte er einen tapferen Kampf gegen seine gesundheitlichen Probleme.

Bei seiner Beerdigung waren fast 100 Menschen anwesend. Eine Mischung aus Fans, Kollegen und der Familie. Sie gedachten der alten Tage. "Sie kommen nicht wieder, nicht für einen Mann und auch nicht für einen Wrestler."

"Er glaubte immer daran, dass eine Ehre war in Portland zu wrestlen" fügte Johnny Eagle an, der in den 60er Jahren gegen Stasiak im Ring stand.
Clifford Swiggum, 67 Jahre alt, kam um Stasiak seinen Respekt zu zollen. Dem Mann der ihn und seine Mutter jeden Samstag unterhielt. "Mein Vater interessierte sich nicht dafür" erinnert sich Swiggum. "Aber Stan war einer der Lieblinge meiner Mutter.“ Die Bindung seiner Mutter zum Wrestling war groß. Sie starb während eines Matches, erzählte Swiggum. Sie ging ins Badezimmer bevor Stasiaks Kampf anfing. Dann kippte sie im Sessel um und kam nicht mehr zu sich. "Es war nicht die Aufregung wegen Stasiak Kampf" versicherte Swiggum. "Sie hatte Herzprobleme."

Der Priester sprach die Gebete und es war vorüber.

Keiner steht hier mehr im Ring.

Portland Wrestling besteht nicht mehr. Die Armory-Halle wurde von einer Brauerei aufgekauft. Die Sports Arena wurde an eine Kirche übergeben. Beauregard lebt angeblich an der Ostküste. Seit 20 Jahren hat man von ihm nichts mehr gehört. Tough Tony nennt sich selbst nun "Not So Tough Tony Borne". Er wird bald 71 Jahre alt und hat seine Gebrechen und Schmerzen. Er arbeitet in seinem Garten und spielt mit seinen Enkelkindern. Haru Sasaki ist nun Bäckergehilfe in Lake Oswego. Er zählt Brot und stapelt Kisten. Lonnie Mayne verabschiedete sich – wie sollte es auch anders sein – bei einem Verkehrunfall auf einem Freeway in Kalifornien. Shag Thomas starb friedlich im Schlaf.

Und am Mittwoch wurde der “Crusher“ beerdigt.
 
 
 
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