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Eine Schippe Geschichte

In dieser von verschiedenen Mitarbeitern übersetzten Reihe kann man in erster Linie ungeordnete Artikeln aus den WAWLI Papers finden. Die Reihe "Wrestling As We Liked It" stammt aus der Feder von J. Michael Kenyon, seines Zeichens einer der Wrestlinghistoriker mit der größten Fülle an Wissen. Die WAWLI Papers sind eine per e-Mail verschickte Onlinepublikation, mit der versucht werden sollte, bei den Wrestlingfans Interesse an einer Ära ihres Sports zu wecken, die schon lange zurückliegt und deshalb kaum noch Beachtung findet. Hier könnt ihr die 42 bisherigen Ausgaben unserer "Schippe Geschichte" nachlesen.
Kapitel

15. Oktober 1931: Geld Auf Der Matte
Geld Auf Der Matte
Autor: H. H. Roxborough
erschienen in: MacLean's Magazine
Erscheinungsdatum: 15. Oktober 1931

Die Historiker wissen zu erzählen, dass vor langen Jahren die größten Tiere aller Zeiten auf kanadischem Boden herumliefen und ihre Fußabdrücke in den Sand der Zeit stemmten. Lange Jahre wurden sie in Glaskästen in Museen betrachtet. Heutzutage gibt es ihre menschlichen Gegenstücke - 225 Pfund schwere gigantische Exemplare der Spezies Mensch. Genau wie die Mammuts aus alten Tagen stampfen sie wutschnaubend ihren Weg durch ihr Revier - durch die Wrestlingringe.

Die Ankunft dieser schwergewichtigen Wrestler war genauso unerwartet, wie es eine Rückkehr der prähistorischen Tiergiganten gewesen wäre. Von beiden hatte man vermutet, sie wären für immer aus dem Blickfeld verschwunden. Denn die Ringer waren früher populär - ein Vierteljahrhundert ist es her. Die Namen Georg Hackenschmidt, Frank Gotch und Stanislaus Zbyszko waren ruhmreich - und ihre Auftritte zogen Tausende in die Hallen. Nachdem die großen Namen jedoch verschwanden, ging es mit dem Sport rasch den Bach hinunter. Die führenden Wrestler gaben daraufhin ihre Titelmatches auf und marschierten aufs Land und zu Jahrmärkten, wo sie offene Herausforderungen an jeden Bauern aussprachen, der sich ihnen in den Weg stellen wollte.

Diejenigen, die als erste auf ihre Herausforderungen eingingen, waren in der Regel Leute aus ihren eigenen Reihen, die man vorher im Publikum platziert hatte. Man machte sie platt und bot dann jedem eine bestimmte Geldmenge an, der es eine bestimmte Zeit mit den Wrestlern im Ring aushalten würde. Die traurigen Gestalten, die die Herausforderungen annahmen, mussten dann damit leben, dass der Ringrichter dem Wrestler wohlgesonnen war, und dass der Zeitnehmer das Ende immer weiter hinauszögerte, wenn der Herausforder zu lange stand. Natürlich konnte das Geschäft nicht lange in einer solchen Atmosphäre überleben, und Wrestling rutschte alsbald ganz aus dem Sportgeschehen.

Dann jedoch passierte etwas. Vor etwas mehr als zwei Jahren tauchte ein großer, athletisch aussehender und angenehmer Sportsmann in Toronto auf. Er trug den ehrfurchterweckenden russischen Namen Ivan Michailoff und war keiner der oben genannten Betrüger. Er arbeitete früher für die berühmten Kosaken, er kämpfte in der Armee der Alliierten, er hatte einen Universitätsabschluß und war im Jahre 1908 im russischen Olympia-Ringerteam erfolgreich. Darüber hinaus hatte Mickailoff eine beeindruckende Persönlichkeit und wirkte stets voll und ganz bei Sinnen. Als er aber einzelnen Sportjournalisten mitteilte, dass er nach Kanada gekommen wäre, um mit Wrestling Geld zu verdienen, erntete er nur feuchte Händedrücke und müdes Lächeln.

Fachleute aus der Sportwelt informierten dem Promoter in spe, dass er nicht den Hauch einer Chance hätte, in dem Geschäft erfolgreich zu sein. Selbst in den größten Tagen des Business hatte man Probleme gehabt, mit Wrestling Geld zu verdienen, und heute sähe es noch viel schlechter aus. Boxen sei hingegen inzwischen so groß, dass es das komplette Kampfsport-Geschäft überragen würde. Der Gast aus Russland hörte diesen Stimmen zu, aber sein Wille war zu groß, um sich umstimmen zu lassen. Er zuckte mit den Schultern, lächelte, und bereitete sich auf seine erste Show vor.

Eine dezente Kampagne wurde angerollt, über bezahlte Werbung gab man Zeit und Ort bekannt, und alsbald kam die Nacht der Nächte. Alles war bestens vorbereitet, helle Lichter erleuchteten die Plattform inmitten der zehntausend Sitze umfassenden Halle in Toronto - in einer Region, in der eine halbe Million Menschen leben. Es kamen... knapp 300 Leute, die Hälfte davon hatte Freikarten.

Stahl sich Mickailoff daraufhin von dannen? Rief er die Journalisten an, die ihm das Unglück vorausgesagt hatten, und sagte ihnen, sie hätten recht gehabt? Nein, das tat er nicht. Er beschwerte sich nicht einmal. Er war es stattdessen gewohnt, immer steinige Pfade beschreiten zu müssen. Genau wie die Helden aus alten Tagen, machte der Promoter weiter. Gegen die Opposition in Form der Printmedien veranstaltete er fortan Woche für Woche, und nach einiger Zeit kamen die Zuschauer regelmäßig zu seinen Shows wieder. Diejenigen, die gekommen waren, um sich lustig zu machen, blieben da und feierten. Nachdem der Promoter anfangs mit 20.000 Dollar in die roten Zahlen gerutscht war, kam er durch das wachsende Interesse schnell aus diesem Tal wieder heraus. Und wie das Business boomte! Mickailoff prahlte nach knapp zwei Jahren bereits gegenüber Journalisten damit, dass er es sich problemlos hatte leisten können, 50.000 Dollar allein für die Hallenmieten zu zahlen.

So sah die Situation jedoch nur in einer Region des Landes aus. Innerhalb des letzten Jahres entwickelte sich dann auch in Orten wie Quebec, Montreal, Hamilton, Ottawa, Windsor und Vancouver eine Wrestling-Szene, in der Ringer fast in jeder Woche antraten, auch an heißesten Sommerabenden. Ab und zu kam es dabei vor, dass große Zuschauerzahlen gemessen werden konnten. Selbst das Boxgeschäft nahm nun Notiz davon, dass die Männer "aus dem anderen Kampfsport" durchaus in der Lage waren, Geld einzuspielen.

Wie konnte es passieren, dass Wrestling landesweit so populär wurde? Wo kommt dieses Fanpotential her? Ist es nur eine kurze Zeitgeisterscheinung, oder wird der Boom jahrelang anhalten?

Man sollte nicht vergessen: Wrestling ist kein modernes Spielchen. Vielleicht ist es sogar der älteste Sport der Welt. Schon vor mehr als 26 Jahrhunderten maßen sich die jungen Griechen bei den Olympischen Spielen des Altertums in ihren ringerischen Qualitäten. Armlocks, Half Nelsons, Toe Holds - das sind alles Begriffe, die schon unsere Großeltern kannten. In jeder Altersklasse scheint man auf Leute zu treffen, die Wrestling in irgendeiner Form akzeptiert haben.

Die Promoter schafften es, auch mit dem Handicap umzugehen, dass es viele Antipathien gegenüber dem Wrestling-Geschäft gab, seit die vorhergegangene Wrestler-Generation die Zuschauer auf den Jahrmärkten mit ihren Spielchen verärgert hatten. Die Angelegenheit ging gut, da die Organisation gut durchdacht war, und weil die Athleten und Manager ihre Versprechen hielten. Und sie ging deshalb gut, weil es zu den wrestlerischen Fähigkeiten oftmals noch das Talent der guten Entertaining-Fähigkeiten hinzugab.

Es wird oftmals vermutet - auch wenn es nicht allgemein bewiesen ist - dass Wrestler nicht selbständig umherziehen und sich ihre Gegner aussuchen, sondern dass man sie in Schulen extra für das Geschäft ausbildet. Die Chefs wissen genau über die Wrestler Bescheid, und sie stellen immer diejenigen gegeneinander, die ähnlich schwer, ähnlich stark und ähnlich begabt sind, damit die Kämpfe immer spannend sind.

Diese Kontrolle sorgt dafür, dass Wrestler immer Einsatz zeigen müssen. Disziplinlose Wrestler hätten die Spielchen auf dem Jahrmarkt zerstört - jetzt aber ist es so, dass Wrestler, die inkompetent sind oder ihre Verträge nicht einhalten, gefeuert, suspendiert oder nicht mehr gebookt werden. Das Ganze ist keine blanke Theorie, sondern es funktioniert. Wenn Wrestler ihre Züge verpassen, dann telegrafieren sie nicht mehr Entschuldigungen an ihre Promoter, sondern sie setzen sich in den nächstbesten Flieger und jetten zum jeweiligen Auftrittsort. An einem heißen Sommerabend traf ein verwirrter irischer Wrestler versehentlich den Ringrichter. Er war ein gutbezahler Performer - aber wegen dieser Aktion erhielt er an dem Tag kein Geld.

In Umkleidekabinen, rund um Hotels und während ihrer Reisen, haben Wrestler bewiesen, dass sie richtige Gentlemen sind, und dass Freundschaften mit ihnen sehr viel wert sind. Im Gegensatz zu anderen Sportarten gibt es hier keine rüpelhaften Störer, Gruppen von Trittbrettfahrern und betrügerische Manager. Ausgewogenheit ist ein Kennzeichen des Wrestlings von heute.

Oft spielen patriotische Gefühle eine Rolle im Wrestlingring und damit für den Erfolg des Geschäfts. In der alten Zeit stellten vor allem Russland und die Balkanländer viele Wrestler, nun scheint jedes Land seinen "Wrestling-Sohn" zu haben. Irland hat Pat McGill, Frankreich hat Al Baffert, Italien hat Joe DeVito, Schweden hat Axel Anderson, Litauen hat Joe Komar, Russland hat Ivan Zarinoff, Japan hat Taro Miyake, England hat Atholl Oakeley, Deutschland hat Hans Schwarz Jr., Kuba hat Carlos Henriquez, Griechenland hat Jim Londos, die Vereinigten Staaten haben Gus Sonnenberg, Jim McMillen, Bibber McCoy und Ed Don George - und Kanada hat Earl McCready. Diese Männer und viele andere zeigen die Stärke dieser Liga von Wrestlingnationen.
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