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Eine Schippe Geschichte

In dieser von verschiedenen Mitarbeitern übersetzten Reihe kann man in erster Linie ungeordnete Artikeln aus den WAWLI Papers finden. Die Reihe "Wrestling As We Liked It" stammt aus der Feder von J. Michael Kenyon, seines Zeichens einer der Wrestlinghistoriker mit der größten Fülle an Wissen. Die WAWLI Papers sind eine per e-Mail verschickte Onlinepublikation, mit der versucht werden sollte, bei den Wrestlingfans Interesse an einer Ära ihres Sports zu wecken, die schon lange zurückliegt und deshalb kaum noch Beachtung findet. Hier könnt ihr die 42 bisherigen Ausgaben unserer "Schippe Geschichte" nachlesen.
Kapitel

31. Dezember 1911: Ende einer nahezu perfekten Karriere
Das Ende Einer Nahezu Perfekten Karriere
erschienen in: New York Times
Erscheinungsdatum: 31. Dezember 1911

"Freunde, das war es. Das wird ganz sicher mein letzter Auftritt auf diesen Brettern sein."

Dieses Zitat richtete sich am Mittwochabend an die Reporter am Ring in Kansas City, nachdem Frank Gotch einen leichten Sieg gegen den britischen Wrestling Champion Alec Munroe einfahren konnte. Es war die letzte an die Sportwelt gerichtete Aussage von Frank Gotch im Ring, dem größten Künstler auf der Matte. Danach drehte er sich zu seinem Trainer Jim Asbell um und warf ihm seine Robe zu. Diese trug er seit seinem geschichtsträchtigen Match gegen Georg Hackenschmidt am 3. April 1908. Außerdem sagte er zu ihm: "Behalte sie als Erinnerung an mich."

Gewöhnlich muss solch ein letzter Auftritt von Männern, die immer im Rampenlicht standen, stets mit einigen Zweifeln betrachtet werden. Aber es gibt auch Männer, die den Scharfsinn und die Charakterstärke besitzen, abzutreten, bevor sie zu lange dabei sind oder KO geschlagen werden. Diejenigen, die Frank Gotch persönlich kennen, wussten deshalb, dass er es ernst meinte, als er die Worte sprach. Das ist eine der Angewohnheiten, die der Farmer aus Iowa eben hat.

Jedermann, der sich in irgendeiner Weise für Sport interessiert, kennt Frank Gotch, den Wrestlingchampion. In Humboldt in Iowa jedoch kommen seine wrestlerischen Leistungen erst an zweiter Stelle. Er und niemand anderes ist die Person, zu der die Einwohner der Stadt aufschauen. Während er im Ring dafür bekannt wurde, einen Gegner nach dem anderen windelweich zu prügeln, wurde er bei all denjenigen, die ihn richtig kannten, vor allem durch seine beeindruckende Persönlichkeit zum Vorbild.

Es gibt heutzutage keinen Athleten, der der eine größere Persönlichkeit als Frank Gotch ist. Das Traurige daran ist, dass der Wrestlingsport durch das harte tägliche Training und durch zweifelhafte Taktiken an einem Tiefpunkt angelangt ist und nicht mehr als der typische Gotch'sche Sport angesehen wird.

Seine Moral und seine Charakterstärke waren es, die es Frank Gotch möglich machten, seinen Namen immer unbefleckt zu halten. Und das in einem Sport, der dafür nicht gerade bekannt ist und immer wieder mit Argwohn beäugt wird. Niemals während seiner langen Karriere gab es auch nur den Ansatz einer Verwicklung in eine dieser Ungereimtheiten. Und niemals ist er etwas anderes gewesen als ein Gentleman und ein fairer Sportler, sowohl bei Kämpfen auf der Matte, als auch bei Geschäftsabschlüssen im Privatleben. Frank Gotch war das helle Licht am dunklen Horizont des Wrestlingsports. Er war immer ein Champion gewesen, der als Vorzeigewrestler half, den Sport vor dem Abrutschen in den Abgrund zu bewahren.

Der Ringkampf war bereits bei den Griechen die Sportart Nummer Eins. Und die Griechen waren die perfekte Nation. Es war der Beweis ihrer Fähigkeiten und ihrer Stärke, die den Siegern die größten Ehren im antiken Griechenland einbrachte. Dichter und Geschichtenerzähler dieser Zeit berichteten über Champions, die als Zeichen dieser Ehre den Lorbeerkranz tragen durfte. Es ist den heutigen Promotern und den aktuellen Vertretern des Sports zu verdanken, dass Wrestling an seine Abgründe geführt wurde. Sollte man also auf jemanden wie Gotch treffen, der durch all die Sümpfe des Wrestling gegangen ist und trotzdem noch eine weiße Weste hat, dann sollte man ihm die Hand reichen.

Niemals in seinem Leben - weder als Wrestler, der nach höchsten Ehren strebte, noch später als Champion - erlangte Gotch einen schlechten Ruf. Und nach jedem großartigen Match fuhr er inmitten seiner zahlreichen Fans zurück nach Humboldt. Er hat es stets vermieden, im Rampenlicht und der Öffentlichkeit zu stehen, er trank keinen Alkohol und er rauchte nicht. Und er verlässt den Ring mit der beneidenswerten Ehre, das sauberste Sportlerleben seiner Zeit geführt zu haben.

In Humboldt ist Frank Gotch ein gewöhnlicher Einwohner. Er besitzt zwei Grundstücke. Eines, auf dem er selbst lebt, welches von ihm nach seiner Hochzeit mit einem ortsansässigen Mädchen angeschafft wurde. Dieses Grundstück gilt als der schönste Fleck im ganzen Ort und befindet sich direkt neben seiner Pferderanch, auf der er wunderschöne Vollblüter züchtet. Er hat Geld in Dakota und Kanada investiert. Und nach einem erfolgreichen Match in Seattle, kaufte er von seinem Gewinn Grund und Boden in Seattle. Dieser ist inzwischen mehr als das Vierfache des Kaufpreises wert. Er ist der Direktor der Bank, Präsident der Verkehrsgesellschaft und des Elektrizitätswerkes. Seit neuestem versucht er sich darüber hinaus in der Automobilindustrie, in Humboldt wird eine riesengroße Werkstatt für ihn gebaut. Obwohl Gotch niemals über sein Geld spricht und auch sein Bänker keine Informationen preisgibt, kann angenommen werden, dass er der Besitzer von ungefähr einer halben Million US-Dollar ist.

Trotz der Aussage von Ringrichter Smith nach Gotchs Sieg gegen Hackenschmidt in Chicago, dass niemand in den nächsten zehn Jahren Gotch besiegen können wird, war es Gotch selbst, der sich für einen Rücktritt entschied. Gotch ist jetzt 33 Jahre alt, in bestem körperlichen Zustand, immer noch stark wie am Anfang, trotzdem sieht er selbst seinen Drang nach Siegen auf der Matte schwinden. Wo er früher auf seine Gegner zustürmte, wartet er heute ab, bis der Gegner den ersten Schritt macht. Er sagt, dass er dies auch in seiner letzten Titelverteidigung gegen Hackenschmidt in Chicago ganz deutlich fühlte. Er fügte hinzu, dass er Ruhm und Ehre bereits verdient habe und dass die Zuschauer ihn niemals als Schauspieler in einer falschen Rolle sehen werden.

Gotch wurde am 27. April 1878 als Sohn deutscher Eltern in Humboldt geboren, wo er sein gesamtes Leben verbrachte. Er wiegt 105 Kilo und ist 1,80 Meter groß. Am 2. April 1899 bestritt er seinen ersten Kampf gegen Marshall Green in Humboldt und gewann sogleich. Vor dieser Zeit hatte er bereits gute Leistungen als Ringer in seiner Heimatstadt gezeigt. Der Sieg über Marshall Green brachte ihm direkt einiges an Berühmtheit über die Stadtgrenze hinaus, und so kam es schon am 16. Juni des gleichen Jahres zu seinem ersten Match außerhalb Humboldts. In Luverne kämpfte er gegen Dan McLeod, einen weitbekannten Wrestler der damaligen Zeit. Er verlor dieses Match und er verlor auch am 16. Dezember 1899 gegen Farmer Burns, der ebenfalls als einer der besten Wrestler der Epoche galt. Burns war jedoch von der Art und Weise Gotchs angetan und nahm ihn 1901, nachdem Gotch 1900 alle fünf von ihm bestrittenen Kämpfe gewann, mit nach Klondike. In der dortigen Region gewann Gotch all seine Kämpfe, darunter auch gegen die vier besten Wrestler der Gegend. Bei seiner Rückkehr nach Humboldt holte er weitere fünf Siege, unter anderem gegen Carl Pons, den bekanntesten deutschen Wrestler dieser Zeit. Gotch wurde anschließend in ein Match mit Tom Jenkins gebucht, dem amtierenden United States Champion. Er verlor den Kampf am 22. Februar 1903 in Cleveland.

Nach zahlreichen weiteren Siegen, zwei davon über Farmer Burns, bekam Gotch im Folgejahr ein Rückmatch gegen Jenkins und gewann den Titel. Von diesem Zeitpunkt an war Gotch in den Köpfen aller Veranstalter. Nach seinem Karrierebeginn 1899 bestritt er 140 Matches, von denen er unglaubliche 132 gewinnen konnte. Insgesamt besiegte er durch Handicap Matches über 200 Gegner. Und bei einer Tour durch England konnte er restlos jeden Gegner schlagen.

Gotch´s größter Auftritt fand am 1. Juni 1910 in Chicago statt, als er Stanislaus Zbyszko nach 6,14 Sekunden besiegen konnte. Das er auch über eine herausragende Ausdauer verfügt, bewies er in seinem ersten Match gegen Hackenschmidt, als der Deutsche nach zwei Stunden und drei Minuten aufgab.
 
 
 
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