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Eine Schippe Geschichte

In dieser von verschiedenen Mitarbeitern übersetzten Reihe kann man in erster Linie ungeordnete Artikeln aus den WAWLI Papers finden. Die Reihe "Wrestling As We Liked It" stammt aus der Feder von J. Michael Kenyon, seines Zeichens einer der Wrestlinghistoriker mit der größten Fülle an Wissen. Die WAWLI Papers sind eine per e-Mail verschickte Onlinepublikation, mit der versucht werden sollte, bei den Wrestlingfans Interesse an einer Ära ihres Sports zu wecken, die schon lange zurückliegt und deshalb kaum noch Beachtung findet. Hier könnt ihr die 42 bisherigen Ausgaben unserer "Schippe Geschichte" nachlesen.
Kapitel

1980: Geständnisse eines Pro-Wrestling Bookers
GESTÄNDNISSE EINES PRO-WRESTLING BOOKERS
Der Professor sagt, dass er einfach genug davon habe, die Öffentlichkeit zum Narren zu halten
Autor: Richard Hoffer


Irgendwann in den späten Siebzigern brannte Roy Shire aus. Plötzlich fiel einem der besten Booker der Westküste kein einziges Finish mehr ein, nicht einmal schlechte Finishes für schlechte Wrestler. In den 20 Jahren seines Promoterdaseins erarbeitete er alle Angles, schöpfte jedes Gimmick aus und überbeanspruchte einen jeden Garantiertes-Rematch-Schnörkel. Sogar wenn das Publikum schwachsinnig war – wovon er nach den langen Jahren im Business überzeugt war – er war es leid, die Leute für dumm zu verkaufen. Als dann Bob Roop, einer seiner Stars in diesem Jahr, zu ihm mit einem Angle kam, war Shire bereit. "Roop – er war einmal im olympischen Team, und er war nicht nur ein guter Shooter sondern auch ein guter Worker", erzählt Shire. "Er hatte da diese Idee. Bring diesen Typen aus Florida, den er aus dem San Francisco Cow Palace kennt. Baue ihn auf. Das Gimmick ist folgendes: laß Roop den Titel gewinnen, mach’ eine Fehde draus, und die Leute denken, dass sich die beiden nicht ausstehen können. Die Geschichte dahinter ist, dass Roop diesen Typen in Florida verletzt hatte und dieser ihn bis hierher verfolgt hatte."

Nun, im Wrestling ist das nicht gerade ein toller neuer Angle. Eine Fehde? Sie können sich nicht ausstehen? Und so ist es gekommen? Aber wie schon gesagt, er war es einfach leid, diesen ganzen Nonsens zu choreographieren. "Ich war einfach erschöpft", erzählt er. Also ließ Shire die Sache laufen und die Jungs ihren Angle durchziehen. "Roop erklärte schließlich, dass er dieses Babyface namens Kevin Sullivan wrestlen würde", sagt er, "aber nur unter der Bedingung, dass es nicht um den Titel gehe. Sollte er ihn schlagen, würde er dann den Titel auf’s Spiel setzen." So wie es schon tausende Male zuvor gemacht worden war. Ok. Und da ist der Teil, über den ich mir nicht so im Klaren war. Kevin brachte seinen armen alten Vater ins Fernsehen während die Sache aufgebaut wurde – er mache das alles für seinen Vater, das Übliche halt etc. Er fliegt ihn ein aus Boston für sein Match gegen Roop. Und da war er dann, dieser alte grauhaarige Typ, ich würde sagen so um die 57, und er sitzt am Ring und jubelt seinem Sohn zu, stolz und alles."

"Kevin schlägt Roop, großer Aufruhr. Dann kommt der Vater in den Ring um Kevins Hand zu heben. Nun, Roop schleicht sich von hinten an und verpasst ihm einen, wirft ihn aus dem Ring und – ich konnte das kaum glauben – verpasst dem alten Kerl einen Knee Breaker." Shire hält inne, in Erinnerung versunken. "Dann wurde es erst richtig wild. Ich musste alle Jungs reinschicken um Roop zu kriegen, und der rennt. In der Zwischenzeit tragen sie den alten Mann raus, und die Nachricht verbreitet sich in Windeseile – man musste niemals etwas bekannt geben, alles verbreitet sich einfach von selbst – dass er ins Spital gebracht wurde."

Alles in allem war das einer der spektakulärsten Abende im Pro Wrestling für alle Zeiten. "Am nächsten Tag packten wir die Schulter des alten Kerls in einen Gips und machten ein paar Photos", erzählt Shire weiter. "Setzten das Rematch für das nächste Monat an, und der Cow Palace war zum Brechen voll. Wir brachten das fünf Mal. Klar, Roop und Kevin waren die besten Freunde."

Was folgt, ist das farbenfrohe Geständnis eines Bauernfängers, eines Mannes, der sich einen ziemlich guten Lebensunterhalt damit sicherte, andere Leute zum Narren zu halten. Obwohl das nicht immer so schwierig war, wie wir gerade erfahren haben. Roy Shire, auch bekannt als Professor Shire in den Fünfzigern, als er im Ring herumstolzierte mit Umhang und Doktorhut und diese ganzen kleinen Babyfaces in den großen Hallen den Kampf ansagte, war auch Booker und Promoter an der Westküste. Was er nicht gesehen hat im Wrestling, das hat nicht existiert.

Bis schließlich derselbe Shire, ein stämmiger Mann von 59 Jahren, dessen Markenzeichen - blondgebleichtes Haar - zu einem natürlichen Weiß geworden war, daherkam und wütend auf das Geschäft geworden war. Es gab nicht viele Promoter, die gewillt waren, ihre Tricks zu verraten. Oh, wir wussten, dass es nicht ganz so grundehrlich zuging ("Grundehrlich? Machst du Witze? Nicht einmal vor 40 Jahren, als das alles "echt" gewesen sein soll, war es "grundehrlich"!). Wir wussten, dass die Wrestler nicht echte Todfeinde waren, dass sie nicht so viele Schmerzen hatten, wie es den Anschein hatte, dass manche der Griffe mehr Theatralik als Athletik waren, dass das Blut nicht echt war, dass – "Moment einmal", sagt Shire, "zumindest das Blut ist echt." Wirklich? "Wir haben alle diese kleinen Rasierklingen dabei, ganz eingewickelt in ein Klebeband bis auf eine kleine Ecke. Wenn wir zum Beispiel gegen einen Ringpfosten geschleudert werden, dann fummeln wir sie heraus und "bladen" uns. Nur ein bisschen, wirklich, aber wenn du richtig in deine Stirn schneidest, dann kriegst du eine Menge Blut. Tut überhaupt nicht weh. Wirklich."

Wenn Shire in der Texas-Gegend gewrestlet hatte, gab es immer den Ruf nach Blut. "Sie lieben Blut dort, in Texas", erzählt er. "Einmal musste ich in einer Woche jeden Abend bladen, ich habe mich einfach über die ganze Stirn gearbeitet, von links nach rechts. Ich erzählte den Leuten, dass ich mit 487 Stichen genäht werden musste. Ich musste nicht. Es waren 70, aber die meisten davon waren aufgrund eines Stuhlschlags, den mir ein Fan verpasst hatte." Shire sagt, dass es kaum einen Wrestler gäbe, der nicht seine eigene Klinge mit sich trüge – versteckt in der Hose, in einem getapten Finger, überall. "Ich hatte meine üblicherweise im Mund", sagt er, "aber eines Abends verschluckte ich sie fast. Du kannst dich verletzen beim Wrestling, weißt du. Aber nur aus Versehen." Außer dem Blut gibt es nicht viel, das beim Wrestling echt ist, was wohl niemanden überrascht. Die Griffe sind echt, wirklich. Aber deren Effekt ist so übertrieben, dass niemand behaupten würde, dass es sich da im Ring um irgendwas anderes als Wrestling handle.

Einige der Wrestler, wie Shire, waren wirkliche Ringer, "Shooter", wie man sie nennt. Shire war Schul- und AAU-Champion in den Vierzigern. Es ist schön, wenn man ringen kann, aber es ist kaum eine Qualifikation. "Heutzutage muß man gut am Mikro sein – und man muß Bumps einstecken können", sagt er, ein wenig verächtlich gegenüber den neuen Leuten.

Wie Shire zum Wrestling gekommen ist, war vermutlich in jener Zeit die traditionelle Art. Er ging einfach in das Büro von Al Haft in Columbus und bewarb sich. Haft verlangte, dass er sich ausziehe. Shire, der Gewichtheber war, zeigte einen beeindruckenden Körperbau. Haft fragte sich, ob er wohl wrestlen könnte und schickte ihn nach oben ins Gym. Er war ein richtiger Wrestler, in Ordnung. Aber noch nicht ein richtig großer Wrestler. So verbrachte er täglich zweieinhalb Stunden damit, zu lernen, wie man Dropkicks verkauft und andere Grundlagen – dieses Basis-Selbstverteidigungszeugs, das in den finsteren Seitenstraßen niemals so gut funktioniert wie vor einer Kamera. Das waren wichtige Fähigkeiten im Pro Wrestling, aber keine Fähigkeiten zum Geldverdienen.

Haft ließ Shire in den Vorrunden wrestlen. 1950 verdiente er um die 175$ die Woche – ein nettes Auskommen, aber noch meilenweit entfernt von einem Topverdienst oder finanzieller Sicherheit. Nach neun Monaten witterte Haft sein Potential. Er bemerkte, dass Shire ständig dieses Lehrbuch über "Psychosemantik" zu lesen schien und hatte seinen Angle. "Was würdest du davon halten, wenn du richtig Geld machen würdest, Roy?" fragte er ein wenig unnötigerweise. "Ich werde aus dir einen "Professor" machen, ich werde dir einen Umhang und einen Doktorhut verpassen. Außerdem wirst du kein "Babyface" (guter Wrestler) mehr sein, sondern ein "Heel" (richtig geraten, ein böser Knabe). Und ich mache dich zum Junior-Heavyweight Champion."

Also lernte Shire herumzustolzieren. "Bist du jemals stolziert? Das ist nicht einfach!" Er bekam seinen Doktorhut und den Umhang und debutierte in Dayton. "Ich dachte nicht, dass ich schon bereit sei", sagt er, "und ich flehte die Jungs an, meinen Platz einzunehmen. Sie haben mich ausgelacht. Also war ich da, in meinem ersten Main Event, und im Fernsehen – und ich stolziere zum Ring. Ich versuche die Leute dazuzubringen mich zu hassen, aber sie lachen sich die Eier ab. Mir war das so peinlich, dass ich kaum wrestlen konnte."
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