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Eine Schippe Geschichte

In dieser von verschiedenen Mitarbeitern übersetzten Reihe kann man in erster Linie ungeordnete Artikeln aus den WAWLI Papers finden. Die Reihe "Wrestling As We Liked It" stammt aus der Feder von J. Michael Kenyon, seines Zeichens einer der Wrestlinghistoriker mit der größten Fülle an Wissen. Die WAWLI Papers sind eine per e-Mail verschickte Onlinepublikation, mit der versucht werden sollte, bei den Wrestlingfans Interesse an einer Ära ihres Sports zu wecken, die schon lange zurückliegt und deshalb kaum noch Beachtung findet. Hier könnt ihr die 42 bisherigen Ausgaben unserer "Schippe Geschichte" nachlesen.
Kapitel

21. Oktober 1915: Joe Stecher ist der Sieger
Joe Stecher ist der Sieger

Erscheinungsdatum: 21. Oktober 1915

Dieser Artikel bezieht sich auf einen Kampf zwischen Ed Lewis und Joe Stecher am 20. Oktober 1915 in Evansville, Ohio. Der Vorbericht zu diesem Aufeinandertreffen, so wie er in einer lokalen Zeitung publiziert wurde, ist ebenfalls im Zuge unserer Reihe „Eine Schippe Geschichte“ veröffentlicht worden.

Joe Stecher, der am Mittwochabend gegen Ed Lewis im Wells-Bijou Theater angetreten ist, ist noch immer der unbesiegte Heavyweight Champion der Welt. Die Fans waren enttäuscht, dass sie nicht gesehen haben, wie Stecher seine tödliche Beinschere eingesetzt hat, und auch, dass Lewis nicht in die Rolle des Aggressors geschlüpft war.

In den zwei Stunden und drei Minuten des Kampfs gab Lewis Stecher keine Gelegenheit, seine berühmte Beinschere anzusetzen. Lewis wrestlete in der Defensive. Offensichtlich hatte er davor zurückgescheut, sich in die Offensive zu wagen.

Nach den zwei Stunden und drei Minuten kam das Ende, als Stecher – wütend darüber, dass ihm Lewis keinen Angriffspunkt geboten hatte – anfing, den Mann aus Kentucky wild herumzustoßen und ihn schließlich über die Seile nach draußen beförderte. Dort fiel Lewis zu Boden und schlug sich den Kopf an einer Sessellehne an. Er stand nicht mehr auf. Dr. Phil Water, der der erste Arzt zur Stelle war, stellte fest, dass er nicht sehr verletzt war. Später bestätigten die Doktoren Greenleaf und Louis Fritsch diese Aussage.

Lewis wurde in den Umkleideraum gebracht, wo ihn die Ärzte untersuchten und meinten, dass er nicht verletzt sei. Später wurde Lewis ins Walker Hospital gebracht. Dr. Will Davidson, der Lewis in dieser Nacht betreut hatte, erklärte am Donnerstag in der Früh, dass Lewis eine Verletzung in der Leistengegend davongetragen hatte.

Referee Bert Sisson billigte Stecher den ersten Fall zu und verlautbarte, dass er auch den zweiten Fall zugesprochen bekommen würde, sollte Lewis nicht innerhalb von 15 Minuten wieder im Ring erscheinen. Während der Wartezeit nutzte Bürgermeister Bosse die Gelegenheit, ins Rampenlicht zu treten und erklärte – angesichts der Erstdiagnose der Ärzte vor Ort – vom Ring aus, dass er keinen Grund sehe, warum Lewis nicht wieder in den Ring kommen sollte und das Match beenden.

Bosse, der General Manager Blinn von den Stadtwerken in seiner Partei hat, hielt von der Bühne eine Rede, als Lewis nach draußen getragen wurde. Während des gesamten Matchverlaufs hatte es Bosse geschafft, mit seinem Auftreten in der Prominentenbox zur Gegenattraktion zu werden.

Wäre Lewis wieder zurückgekommen, dann hätte es wohl keinen Zweifel am Ausgang des Kampfes gegeben. Früher oder später hätte Stecher seinen tödlichen Hold angesetzt. Nach diesem wäre Lewis vielleicht für sein ganzes Leben verletzt gewesen. Vor einer Woche erst war Paul Sass, ein französischer Wrestler in die Fänge von Stechers Beinschere geraten, und das Resultat war, dass er aus Ohren, Nase und Mund geblutet hatte. Mehrere Wrestler waren schon von Stecher mit diesem Hold fertiggemacht worden.

Lewis stieg in den Ring mit dem Vorhaben, defensiv zu wrestlen. Während der zwei Stunden und drei Minuten hat er eine wunderbare Vorstellung an Defensivarbeit gezeigt. Er schaffte es, genau das durchzuziehen, was er geplant hatte. Das gefiel den Fans nicht. Sie wollten, dass er sich dem Champion stellt. Nach einer Stunde verlangte sogar Stechers Manager von Referee Sisson, dass er Lewis dazu zwingen sollte, zu wrestlen und nicht davonzulaufen. Lewis Manager antwortete darauf, dass der Ring mit Seilen abgezäunt sei, und dass es Stechers Aufgabe sei, Lewis zu kriegen. Nicht ein einziges Mal schaffte es Stecher, hinter Lewis zu gelangen. Lewis jedoch gelang es, Stecher drei Mal auf die Matte zu befördern, aber er begrenzte seine Anstrengungen jedes Mal darauf, sich von Stechers Zehenhaken fernzuhalten, der normalerweise die berühmte Beinschere einläutete.

Lewis war vier Mal hinter Stecher. Stecher gab zu, dass er es bis jetzt gegen Lewis am schwersten gehabt hatte, hinter seinen Gegner zu gelangen. Stecher hat keinen anderen Hold, mit dem er gewinnen könnte. Praktisch jedes Match hatte er mit seiner Beinschere gewonnen, die jedoch von hinten angesetzt werden müsste.

Indem er gegen Stecher über zwei Stunden im Ring ausgehalten hatte, hatte Lewis das erreicht, was er sich vorgenommen hatte. Stecher hatte Charley Cutler, den World Champion in 27 Minuten geschlagen. Innerhalb der letzten beiden Jahre hatte niemand so lange gegen ihn durchgehalten wie Lewis. Vor zwei Jahren hatte es George Turner gegen ihn drei Stunden ausgehalten, was in einem Unentschieden geendet hatte.

Bevor Lewis in das Match ging, hatte er ein Telegramm von Cutler erhalten, in welchem ihn dieser den Rat gab, auf den Beinen zu bleiben und den Gegner keine längeren Griffe ansetzen zu lassen. Und genau das machte er auch. Die Fans mochten diesen Stil allerdings überhaupt nicht, und sie schrien, dass er wrestlen und nicht wegrennen sollte. Aber Billy Sandow, sein Manager, deutete ihm mit Handzeichen, dass er Stecher ermüden sollte, indem er ihn die ganze Offensivarbeit machen ließ.

Gegen Ende war es offensichtlich, dass Stecher entschlossen war, Lewis dazu zu zwingen, energischer zu wrestlen. Wenn Stecher da seine Beinschere angesetzt hätte, dann hätte Lewis gelitten. Sein Manager erkannte dies.

„Unsere Strategie war, Stecher die Arbeit machen zu lassen“, sagte Sandow, Lewis Manager am Donnerstag. „Dieser Stecher ist tödlich. Lewis ist nicht da reingegangen, nur damit die Fans Stechers Beinschere sehen. Das hätte das Ende von Lewis Karriere bedeuten können. Unsere Strategie war, Stecher zu ermüden. Das war der Weg, wie Frank Gotch den Titel von Georg Hackenschmidt geholt hat.“

„Jeder Wrester kann dir bestätigen, dass ein Mann, der erfolgreich defensiv wrestlen kann, genauso ein Könner ist, wie einer, der über seinen Gegner drüberfährt – auch wenn die Fans einen defensiven Wrestler nicht mögen. Sie wollen spektakuläre Aktionen sehen. Aber wir wollten Lewis nicht opfern, nur damit es eine tolle Show wird.“

Vielleicht war das Match zu technisch für die Fans aus Evansville, die Shows von zweitklassigen Kämpfern gewöhnt waren, und die noch nie ein „Blutmatch“ gesehen hatten.

Man könnte das Match mit einem Baseballspiel vergleichen, in dem es keine Treffer und überhaupt keine Punkte über 17 Innings gab.

Nach dem Kampf nahmen Bürgermeister Bosse und Polizeichef Ed Schmitt die Quittungen an sich, und am Donnerstag sagte Bosse, dass er einen Teil des Geldes wohltätigen Zwecken zukommen lassen würde, da das Match nicht regulär gewesen sei. Er erklärte, die Wrestler würden soviel bekommen, wie ihnen ausbezahlt worden wäre, wenn reguläre Preise verrechnet geworden wären.

Bürgermeister Bosse, Sheriff Habbe und Joe Stecher hätten vor dem Match anonyme Nachrichten bekommen – zwei via Telephon und zwei per Telegramm. Ein Unbekannter, der mit „R.M. Kerr“ unterschrieben habe, habe Bürgermeister Bosse und Sheriff Habbe aus Indianapolis mitgeteilt, dass sie das „Fake Wrestling Match heute Abend stoppen sollen“. Nach einer Anfrage von Manager Eckler von der lokalen Western Union Office stellte sich heraus, dass das Telegramm über die Indianapolis Hauptpost geschickt wurde. Dieselbe mysteriöse Person aus Indianapolis rief Bürgermeister Bosse dann auch an.

Ein anderer Unbekannter rief Joe Stecher aus Cincinnati an. „Du wirst betrogen, paß auf“, warnte die sonderbare Stimme. Vor dem Match äußerten Stecher und sein Manager ihre Bedenken gegenüber Referee Sisson. Dieser beruhigte sie mit der Versicherung, dass ihnen kein Unrecht geschehen werde in Evansville. Daß der Referee selbst die Regeln gebogen hatte und Stecher zwei anstatt des vorgesehenen einen Falls gegeben hatte zeigte, wie unbegründet Stechers Ängste nach dem anonymen Anruf waren, dass er hier vielleicht übervorteilt werden würde.

Nach dem Match sagte Stecher zu Promoter Barton: „Lewis ist der beste Mann, gegen den ich jemals angetreten bin. Er ist stärker als ich, und wir hätten wohl noch eine weitere Stunde weitermachen können, bevor ich ihn gekriegt hätte. Er ist der schnellste Mann, den ich jemals gesehen habe.“

Das erste Aufeinandertreffen zwischen Gotch und Hackenschmidt wurde von Gotch gewonnen, nachdem er eine ähnliche Taktik verfolgt hatte, wie sie Lewis gestern gezeigt hat. Fast zwei Stunden lang spielte Hackenschmidt mit Gotch Fangen und gab schließlich auf. „Du kannst ihn haben, Mr. Gotch“, sagte er und stieg aus dem Ring. Gestern Abend, als Lewis über zwei Stunden ausgewichen ist, wurde Stecher nur umso verzweifelter, Lewis endlich auf die Matte zu kriegen, wo er ihn pinnen hätte können.
 
 
 
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