Diese Website nutzt Cookies, nähere Infos finden Sie hier. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. 

368.666 Shows4.724 Titel1.516 Ligen27.580 Biografien9.063 Teams und Stables3.848 Turniere
Benutzername und Kennwort: 
  
Passwort vergessen?
Kostenlosen Account registrieren?
Schmaler • Farben: 1234
                     
 
Eine Schippe Geschichte

In dieser von verschiedenen Mitarbeitern übersetzten Reihe kann man in erster Linie ungeordnete Artikeln aus den WAWLI Papers finden. Die Reihe "Wrestling As We Liked It" stammt aus der Feder von J. Michael Kenyon, seines Zeichens einer der Wrestlinghistoriker mit der größten Fülle an Wissen. Die WAWLI Papers sind eine per e-Mail verschickte Onlinepublikation, mit der versucht werden sollte, bei den Wrestlingfans Interesse an einer Ära ihres Sports zu wecken, die schon lange zurückliegt und deshalb kaum noch Beachtung findet. Hier könnt ihr die 42 bisherigen Ausgaben unserer "Schippe Geschichte" nachlesen.
Kapitel

1960: Tradition lebt weiter
Tradition lebt weiter
erschienen in: Wrestling World
Autor: Lou Sahadi

Es war noch sehr früh und die Halle war leer. Die Lichter waren noch nicht an und das einzige Lebenszeichen in der Arena waren einige Wrestler die nach und nach ankamen. Einige von ihnen hielten kurz an und betrachteten die neue Halle, bevor sie sich in ihre Umkleiden zurückzogen.

Vince McMahon Sr. stand am Anfang einer Rampe die direkt in die Mitte der riesigen Halle führte. Sein Blick war auf den Ring fixiert und dann schaute er ganz langsam in die Weite und bewunderte die Größe des neuen Madison Square Garden.

Schick gekleidet wie immer schien McMahon ein wenig besorgt zu sein. Er ist ein Arbeiter unter den Promotern, doch er war sich nicht sicher, wie viele Leute er in dieses Haus locken könnte. Keiner konnte es voraussagen, schließlich war dies die erste Wrestlingveranstaltung die jemals in der 33. Strasse stattfand, in dem Gebäude das sich majestätisch über den Penn Station erhebt.

Laut dachte er über einige Dinge nach. Wie gut wird die Akustik sein?...Genügt das Licht?...Sehen die Fans auf den oberen Rängen genug?...Wie werden die Fans die Halle annehmen?

Die letzte Frage offenbarte seine größte Sorge. Einige Jahre zuvor versuchte ein anderer Promoter einige Shows im New Yorker Coliseum zu veranstalten, ein modernes Gebäude welches nur einen Steinwurf vom alten Madison Square Garden entfernt ist. Der Promoter musste schwere finanzielle Verluste einstecken, doch einige Experten meinten, dass Wrestlingfans nicht auf modernen Arenen stehen würden und deshalb das Coliseum nicht akzeptierten.

Es mag schon etwas paradox klingen, doch so sind Wrestlingfans eben. Er sieht sich selbst mit den alten Gebäuden verbunden und rebelliert gegen alles Neue. Am liebsten würde jeden Monat am selben Tag zur selben Zeit in der gleichen Halle auf seinem eigenen Sitz platznehmen. Er feuert den Champion Bruno Sammartino an und buht jeden seiner Gegner aus der Halle. Er möchte aufstehen und auffallen.

McMahon ist selbst ein Stück Vergangenheit. Er war dem ernsten Business schon immer ausgesetzt, seit er denken kann. Er ist jetzt in den 50ern, doch McMahon hat noch immer diesen Charme der irischen Kinder in New York aus den 1920ern. Er leitet eine erstklassige Promotion und hat sich damit den Respekt von Wrestlern und Fans gleichermaßen verdient.

Seine Erinnerung an den Madison Square Garden sind tief. Sein Vater, Jess McMahon, veranstaltete die erste Attraktion in einem Ring im Madison Square Garden. Es war ein Leichtgewichtskampf am 11. Dezember 1925 zwischen Jack Delaney und Paul Berlenbach.

Der damals 11-jährige McMahon spielte in den Katakomben des Garden und saß zum Schluss bei prominenten Gästen auf dem Schoss. Das war das goldene Zeitalter des Sports und McMahon war all dem ausgesetzt. Der Sohn eines Iren der die ganze Aufregung verrauchter Hallen genießen durfte.

"Mein Wille all dies zu tun, entstand als ich Ching Johnson von Rangers mit dem Puck aufs Eis gehen sah,” erinnert sich McMahon. "Er war Energie pur, verteilte Body Checks wie Bronko Nagurski wenn er alle Tackler abschüttelte.“

"Ich erinnere mich an den Garden der prall gefüllt war und aus den Nähten platzte. Alle wollten Reggie McNamara beim großen 6-Tage-Rennen sehen, bei welchem mein Vater auf den stufen an einer Rampe sitzen musste um etwas zu sehen. Mein Vater saß zusammen mit Stribling hinter mir und dem jungen Stribling, welcher von seinem Vater gemanagt wurde.“

"Viele Menschen wissen gar nicht, dass der Kampf zwischen Jack Dempsey und Gene Tunney eigentlich in New York stattfinden sollte. Aber ein gewisser Harry Wills, ein Schwarzer, behauptete das Dempsey ihn betrogen hätte. Deswegen wurde der Kampf nach Philadelphia verlegt. Auch wenn die Geschichte nicht stimmte."

Dies waren einige der Erinnerungen die McMahon sofort einfallen, wenn es um Veranstaltungen im Madison Square Garden geht. Es gibt gute und schlechte Erinnerungen. Wie zum Beispiel letzten Januar, als McMahon im alten Garden eine letzte Show veranstaltete, bei der Sammartino auf Toru Tanaka traf..

"Ich war der letzte in der Halle," erinnert er sich. "Die Haupteingänge waren bereits abgeschlossen und ich musste durch den Lieferanteneingang nach draußen gehen. Ich saß dort lange und dachte nach. Ich fühlte mich fürchterlich als ich über die Dinge nachdachte, die mein Vater hier in den letzten 42 Jahren auf die Beine gestellt hatte."

Jess McMahon war keiner von der Sorte wie Damon Runyon. Zunächst einmal hatte er einen Abschluss vom Manhattan College und wer am Jacobs Beach entlang konnte dies schon aufweisen. Dann führte Jess ein Bekleidungsgeschäft. Seine Arbeitszeit war streng von 9 Uhr bis 17 Uhr. Auch wenn in dieser Zeit viele Zigarren rauchten, in Hinterzimmern Poker spielten und dort andere Geschäfte abwickelten, war McMahon immer ein Familienmensch. Er rauchte nicht und versuchte so viel Zeit wie möglich mit seiner Familie in Far Rockaway zu verbringen.

In Gedenken an Jess gaben die Verantwortlichen des Madison Square Garden ihm, Vince McMahon, die Chance die erste Ringveranstaltung im neuen Garden zu veranstalten. McMahon gab ihnen ihre Show und brachte Sammartino gegen Bull Ramos mit. Ein 170kg schwerer Apachenindianer. Insgesamt war es Sammartino's 55. Mainevent innerhalb von 5 Jahren im Madison Square Garden. Einen solchen Meilenstein konnte bislang kein anderer Sportler setzen.

"Er ist der stärkste Mann der Welt," erklärte McMahon. "Er kann Liegestütze mit zwei man auf dem Rücken machen. Viele wissen es gar nicht, aber Bruno hat bei einem Turnier mal den Gewichtheberchampion Paul Anderson um über 45 kg überboten. Bruno begann mit dem Gewichtheben nach dem 2. Weltkrieg in Pittsburgh, nachdem er in seinem Heimatdorf in Italien beinahe von deutschen Soldaten ausgehungert worden wäre."

Obwohl sich sein Büro in Washington D.C. befindet, ist McMahon weltweit aktiv. Kürzlich schloss er mit japanischen Promotern einen Vertrag ab und Sammartino wird nun für zwei Wochen eine Tour durch Japan machen. Außerdem arrangierte er eine Australientour für Gorilla Monsoon.

McMahon hat außerdem Auftritte für Sammartino in Kanada, Südamerika und Australien. Er sitzt regelmäßig stundenlang an seinem Telefon in seinem Büro im Franklin Park Hotel oder von Zuhause aus. 90 % seiner Geschäfte erledigt er per Telefon.

Vor einigen Jahren veranstaltete er eine Open-Air-Show im Comiskey Park in Chicago. Sie war ein großer Erfolg. 39995 Zuschauer waren dort. Damals ein absoluter Rekord.

McMahon versuchte auch immer das Ego seiner Wrestler zu bremsen. Am einen Abend headlinen sie eine Fernsehshow oder treten im Mainevent des Madison Square Gardens an und am nächsten Tag schickt er sie in entlegenen Ecken wie Lewiston, Maine, wo sie für lokale Promoter antreten mussten.

Reisestrapazen und fernsehen sind zwei der Erschwernisse, denen sich McMahons Vater niemals ausgesetzt sah. Er muss aber auch als Producer hinter den Kulissen beim Fernsehen arbeiten und gute Matches booken. Dann muss er einen wochenlangen Reiseplan für etliche seiner Wrestler aufstellen, damit diese am einen Abend dort auftreten und am nächsten Abend wo ganz anders sein können um zu kämpfen.

Diese Planung bereitet häufig Kopfschmerzen. Zum Beispiel als Sammartino vor einigen Jahren nachmittags in Pittsburgh ein Match bestreiten musste und am Abend ein weiteres in Newark, New Jersey. Damit Sammartino pünktlich anreisen konnte organisierte McMahon eine Polizeieskorte für ihn. Sammartino kam 3 Minuten vor seinem Match in der Halle an.

Normalerweise hegen Promoter keine persönlichen Freundschaften zu Wrestlern. Sie pflegen ein gutes Verhältnis, aber immer auf geschäftlicher Ebene. Trotzdem kann man sagen, dass McMahon und Sammartino eine besondere Freundschaft pflegen..

"In diesem Spiel ist er heute der größte aller Champions," strahlt McMahon. "Er hält den Titel nun seit über 5 Jahren und das sagt schon alles über seine Größe aus. Ich behaupte einmal, dass er mehr Fanpost erhalten hat als jeder andere Wrestler bisher und zwar seit dem es den Sport gibt. Er ist in der ganzen Welt bekannt und Promoter aus der ganzen Welt nehmen Kontakt zu mir auf und begehren seine Dienste. Ich habe mehr Anfragen abgelehnt als ich angenommen habe. Es ist für Bruno einfach nicht möglich alle Auftritte anzunehmen, dass schafft kein Mensch."

Trotz seinem weitverzweigtem Wrestlingimperium findet McMahon irgendwie immer wieder Zeit, sich noch um andere Dinge zu kümmern. Er besitzt zum Beispiel die Vermarktungsrechte an dem bekannten Boxer Bob Foster, aktuell amtierender Leichtgewichtschampion.

"Vielleicht pushe ich Foster in die Schergewichtsszene" verrät McMahon. "Weil in seiner Gewichtsklasse kann ihn niemand mehr schlagen. Ich sehe es so, dass er auch die meisten Schwergewichte besiegen dürfte."

Obwohl er also noch einiges nebenher macht, hängt McMahons Herz doch am Wrestling. Wrestling ist für ihn einfach eine größere Herausforderung. Das treibt ihn an. Jetzt steht er seiner größten Herausforderung gegenüber. Ein ausverkaufter Madison Square Garden, genau wie er es beim alten auch geschafft hat. Wenn es einer schaffen kann, dann McMahon.

Vielleicht gelingt es ihm nicht gleich heute am ersten Abend. Eine großartige Menschenmenge wird da sein, aber McMahon ist erst zufrieden, wenn der Garden ausverkauft ist. Wie seinerzeit in Boston und Philadelphia.
 
 
 
Diesen Artikel empfehlen
    
            
 
Interessantes bei GB
Die wichtigsten drei Wrestler des Jahres 2004 waren Kensuke Sasaki, Chris Benoit und L.A. Par-K. Doch warum? Die Erklärungen dazu könnt ihr in unserer GB100-Liste jenes Jahres finden - gleichzeitig in der ersten Liste der hundert wichtigsten Wrestler eines Jahres, die wir einst überhaupt hier bei Genickbruch veröffentlicht haben. Auf dem letzten Rang landete damals übrigens Brock Lesnar, womit er den Startschuss für eine Tradition legte. ... aufrufen
 
 
Interessantes bei GB
Wrestling ist eine Sportart, die ihren Tribut am Körper einfordert und leider passiert es allzu oft, dass Wrestler viel zu früh von uns scheiden. Ob durch natürliche Tode oder Unfälle, ob in jungen Jahren oder im hohen Alter, unsere Datenbank hat die Todestage und -ursachen von weit über 2000 Recken erfasst um euch auch über dieses traurige Kapitel unseres Lieblingssports zu informieren. ... aufrufen
 
Interessantes bei GB
Wenn ein Name fast untrennbar mit dem Begriff des Death Matches verbunden ist, dann jener der Funks. Dory Sr. und seine Söhne Dory Jr. und Terry prägten das Hardcore Wrestling, aber auch ihr Umfeld. Ob als Lehrmeister oder als Karrieresprungbrett, die Funk ließen immer wieder andere Wrestler gut aussehen. Dabei floss auch jede Menge Blut, aber das gehört speziell bei Terry eben dazu. Lest mehr über diese große Wrestlingfamilie in einer Ausgabe der Kolumne Family Tradition. ... aufrufen
NewsShowsPersonalienHintergrundExklusivGeschichte
Wrestlingnewsnach LigaTag Teams und StablesShootsMediendatenbankTitelträger
Updates der Homepagenach OrtManagerSkandaleExklusivinterviewsTitelstatistiken
 nach DatumProminenteLexikonWeitere InterviewsTurniere
Forumnach ZensurR.I.P.-ListeMatchartenUnsere Hall of FameEinschaltquoten
DiskussionsforumUpdatesVerhaftungenLucha LibreEine Schippe GeschichteZeitstrahl
  VerletzungenPuroresuEuropakalenderZuschauerrekorde
LigenBiosVerwandtschaftenEinstündige MatchesProphecyZuschauerpotentiale
ÜbersichtBios von A bis ZTrainerHalloween HavocFlimmerkisteMatchrekorde
Die "großen Vier"Biografie suchenMask MatchesEinstige HeldenMonatliche Best OfsKonstellationen
US-Independent-LigenBilanzen nach LigaHair MatchesMontagskriegeKolumnenübersicht 
Kanadische LigenBilanzen nach OrtWrestler in FilmenEinflussreichste WrestlerPodcastsInternes
Oldschool-LigenSpezialbilanzenGB100Der Stable GuyGimmickmüll i.e.S.Showtippspiele
Japanische LigenKlickchartsBAMM15Die Four HorsemenSchrottplatzMeinungsmacher
Mexikanische Ligen Year End AwardsFamily TraditionDer schwarze KanalDas Genickbruch-Team
Andere lateinam. LigenUmfragenPWI500Der WWE TitleMüll der neunziger JahreGeschichte der Homepage
Europäische LigenUmfragenObserver-AwardsDie New World OrderZufallsinformationenBewerbung als Mitarbeiter
Sonstige Wrestlingligen Weitere AwardsDie Geschichte der XPWCelebrity DeathmatchImpressum & Rechtliches
Mixed-Martial-Arts-Ligen KommentatorenGimmickmatchesVideo-ReviewsLinks
   WeltbewegendesCD-Reviews 
Texteigentümer dieser Seite: Axel Saalbach          Genickbruch.com © by GB-Team (2001-17)          Programmierung © by Axel Saalbach (2006-17)