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SES Punkomaniac
13.07.2012, 16:50
Den Titel habe ich bewusst gewählt, denn es gibt ja nicht nur die deutsche Bundeswehr, das österreichische Bundesheer, die Schweizer Armee, die Lëtzebuerger Arméi, die Türk Silahlı Kuvvetleri usw., ergo nicht nur 'Bundeswehren'. ;)

Mich würde mal interessieren, wer von euch beim Militär war, wie ihr es dort fandet, ob es im Nachhinein positiv oder negativ war und ob es euch vielleicht sogar ein bisschen geprägt hat.
Andersherum darf/kann/soll auch jede/r schreiben, warum sie/er nicht beim Militär war und welche Beweggründe sie/er hatte.
Die dritte Möglichkeit wäre dann natürlich noch – was ich fast vergessen hätte - das Militär als Beruf.
Und die vierte Möglichkeit kann dann noch diese sein, dass man entweder zum Militär will oder kurz davor ist, eingezogen zu werden(in Deutschland ja nicht mehr, aber ich kenne mich ja nicht in jedem Land aus).



Gemustert wurde ich mit 18 und die restlichen acht Monate der 9-monatigen Wehrpflicht verbrachte ich als 19-jähriger einmal in Budel/NL(3 Monate; http://de.wikipedia.org/wiki/Nassau-Dietz-Kaserne) und danach in Kerpen(6 Monate; http://de.wikipedia.org/wiki/Fliegerhorst_N%C3%B6rvenich). Ich erwähne mein Alter, da einmal in meiner Stube ein 17-jähriger war und zum anderen in einer anderen Kompanie sogar ein 16-jähriger; ich habe interessehalber beide Ausweise gesehen und es ist kein Hörensagen, sondern Fakt. Keine Ahnung, welcher Bürokrat diesen Humor besitzt.
Der 03.01.2005 war der erste Tag für mich in einer neuen Umgebung. Meine Eltern waren strikt dagegen. Meine Mutter hatte mir vorher diverse Möglichkeiten aufgezählt, wo ich überall den Ersatzdienst leisten konnte. Mein Vater übertrug seine Erfahrungen aus den 60ern mit den alten noch involvierten Wehrmachtsoffizieren auf die Jetztzeit; ein Grund, warum er damals auf Biegen und Brechen verweigert hatte. Nur mein Opa war stolz darauf, dass ich mich für die Bundeswehr, also das Miliär, entschieden hatte.
Schon am ersten Tag wurde mir eingebleut, dass ich ab jetzt Teil vom Luftwaffenausbildungsregiment 1/5. Kompanie/1. Zug/2 Gruppe war. Stube 129 war dann auch ein bundgemischer Haufen. Da war einmal "ein 17-jähriger Bonzenjunge, ein Klugscheißer vom Gymnasium, ein komischer Punk, ein dauergeiler Frauenschwarm, ein Nazi und ein Kommunist"(Zitat von einem Kamerad; das ist mir immer noch im Kopf geblieben); ich war der Kommunist, weil ich in der Freizeit 'Das Kapital' von Karl Marx gelesen habe. Es gab zwar die erste Woche die Möglichkeit, sich zu aklimatisieren. Doch in der zweiten Woche ging es dann schon los mit der HiBa(HIndernisBAhn; http://de.wikipedia.org/wiki/Hindernisbahn). Die meisten Hindernisse waren alleine zu bewältigen und die waren anfangs schon schwer genug. Dann gab es auch ein paar Hindernisse, wo man mindestens einen Kameraden als Helfer brauchte. Der erste Tag auf der Hindernisbahn war die Hölle für mich; bei 1,68m und 86kg und kaum Muskeln kann man sich das vielleicht vorstellen. Als es dann nach und nach besser wurde und ich immer verbissener wurde, bekam ich von meinen Stubenkameraden den Spitznamen 'Kampfhamster' verpasst.
Daneben gab es natürlich auch Theorie, Theorie und noch mehr Theorie und eine Kasernenrunde nach der anderen(zwischen acht und neun Kilometer, wenn ich mich da noch richtig erinnere). Wie soll ein Soldat die Uniform tragen? Wie funktioniert das Feldtelefon? Wie verhält sich ein Soldat in dieser und jeder Situation richtig? Wie tritt ein Soldat gegenüber Zivilisten auf? Begriffe wie z.B. 'Langemarp' oder 'Ereza' mussten wir genauso auswendig lernen wie das NATO-Alphabet. Waffenkunde, Geschichte allgemein und diverse Militärgeschichte war auch fast täglich auf dem Stundenplan. Mehrfach sind Kameraden in den Unterrichtsstunden eingeschlafen(Wenn man täglich um 0500 vom UvD/Unteroffizier vom Dienst mit einem herzlichen "5. Kompanie aufstehen! 5. Kompanie aufstehen!" aus den Lautsprechern geweckt wird und am Abend vorher bis 23 Uhr gesoffen hat, ist das kein Wunder.). Zugegeben, ich bin auch einmal eingeschlafen, da ich am Vortag ein bisschen zuviel getrunken hatte und mich 3 meiner 5 Stubenkameraden mit vereinten Kräften in mein oberes Bett wuchten mussten. Und so musste ich dann ein paar Runden um die Barrake laufen und durfte die restliche Zeit zudem stehend unserem Zugführer, einem Oberleutnant, zuhören. Allerdings war es bei uns im Zug so – warum auch immer –, dass alle auf bestimmte Leute aufpassten, wenn es am nächsten Tag auf den Schießstand ging; am Abend vorher wurde nicht getrunken und einem deutschen Kamerad russischer Herkunft musste man das immer auf's neue sagen.
Ein paar Mal gab es auch Sanitätsunterricht, in dem nicht nur das einfache Wiederbeleben trainiert wurde, sondern auch das Schienen von gebrochenen Armen oder Beinen, das notdürftige Verbinden von Schussverletzungen und das richtige dezinfizieren.
Dann nach einiger Zeit ging es – endlich(?) – praktisch mit Waffen zur Sache. Zuerst ging es immer nur um's zerlegen und zusammensetzen und um die richtige Reinigung. Doch jetzt ging es auf den Schiessstand. Zuerst wurde nur mit Übungsmunition geschossen, um einen Vorgeschmack auf und ein Gefühl für den Rückstoß zu bekommen. Doch dann ging es richtig los. Zuerst wurde liegend mit dem G-36(http://de.wikipedia.org/wiki/HK_G36) aus verschiedenen Entfernungen auf 'Pappkameraden' geschossen; später dann auch stehend. Gleichzeitig ging es auch auf einen kleineren Schießstand, wo mit der P-8(http://de.wikipedia.org/wiki/HK_P8) geschossen wurde. Zuerst gab es nur Theorie und jetzt wurde man regelrecht von der Praxis erschlagen. Ebenfalls wurden wir – wie zuvor mit den zwei anderen Waffen zuerst mit Übungsmunition und dann mit scharfer Munition – am MG3(umgangsprachlich bei der Bundeswehr wohl auch 'Hitlersäge'; http://de.wikipedia.org/wiki/MG3) und dann noch etwas später an der Gra-Pi(Granatpistole; http://de.wikipedia.org/wiki/HK69) ausgebildet. Ganz ehrlich, für mich war es weder besonders toll, noch besonders erschreckend. Es war was neues und was neues macht mir grundsätzlich immer Spaß. Aber ich habe weder 'dickere Eier' bekommen, noch habe ich mir 'in die Hose' gemacht. Tatsache war allerdings, dass ich vor diesen Sch***dingern eine riesige Portion Respekt hatte. Außerdem lernten wir auch die Handgranate kennen. Was alle Waffen angeht, hatte ich vor der Handgranate mit Abstand den größten Respekt.
Natürlich gab es auch ein 'Biwak'. Das blöde an der Kaserne in Budel/NL war, dass ringsum zwar viel Wald stand, aber gleichzeitig im und um den Wald viel Sand lag; man stelle sich auf diesem Untergrund die 10-, 20- und 30-Kilimetermärsche mit Gewehr, Koppel und Rucksack vor, die wir auch durchführten. Da es noch Winter war, war das Wetter dementsprechend. Es hat geregnet, es war kalt und nachts waren die Zelte auch nicht trockener oder wärmer. Einmal war ich in der Gruppe, die das Camp infiltieren sollte. Am nächsten Tag war ich in der Camp-Gruppe und sollte es vor den Terroristen beschützen. Es war auf jeden Fall interessant und spannend, doch das Beste war immer, wenn der Spieß mit einem LKW oder mit einem Jeep(auch wenn die Vorgesetzten diesen Begriff nicht hören wollten) ankam und somit die mobile Truppenküche anrollte.
In den drei Monaten in Budel/NL ging es auch einmal auf einen Truppenübungsplatz, an dessen Namen ich mich absolut nicht erinnere. Es war glaube ich im Februar '05. Was ich allerdings noch weiß, ist, dass es nicht nur kalt, sondern a****kalt war, dass dort der Schnee fusshoch lag und dass uns unser Zugführer an einem späten Abend vor die Kasere scheuchte und mit uns nach ein paar Barakenrunden Liegesütze im Schnee machte. Großartig gemacht haben wir dort nichts, außer aus der Entfernung am breitflächige Schießstand zu schießen. Zuvor mussten wir allerdings immer einen Jeep vor mehreren 'rumstehenen Serben und/oder Kosovaren' beschützen, bevor wir gemeinsam mit dem Jeep an die Schießstände gingen und das andere habe ich ja schon geschrieben.
Nach den drei Monaten der Grundausbildung in Budel/NL ging es dann in die Stammeinheit nach Kerpen, genauer nach Horrem zum Jagdbombergeschwaders 31 "Boelcke" in die 3. Staffel, 1. Zug. Gruppen gab es nicht mehr, was bei knapp 14 Mann + Vorgesetzte auch verständlich ist. Vom Flieger wurde ich zum Dienstgrad Gefreiten und vom einfachen Soldaten zum Soldaten für ABC-Abwer und Objektschutz. Zusätzlich lernte ich dort das Stürmen, Befreien und Sichern von besetzten Gebäuden sowie das Vorgehen bei atomarem, biologischem oder chemischem Angriff. Diverse neue Sachen kamen zur bisher erlernten Theorie wie der Zerstörungsradius einer Atombombe, wieviel Zerstörung eine 30-, 40- usw. -Kilotonnen oder -Megatonnen-Bombe anrichten kann, wie man sich vor der Strahlung schützen kann, bis zu welchem Grad man sich schützen kann – eben diesen ganzen 'Kram'. Es war hauptsächlich allerdings ein ewiges Auffrischen vom Erlernten, zwei Mal in der Woche Sport, ein Mal im Monat jeweils ein 20- oder 30-Kilometermarsch, alle zwei Wochen Formaldienst – man kann ja schnell den Gleichschritt und das richtige Aufstellen in Formation verlernen – und diverse andere Kleinigkeiten wie Formulare vom einen Vorgesetzten zum anderen Vorgesetzten am anderen Ende der Kaserne bringen und mit dem LKW von der kleinen Kaserne etwas außerhalb zum eigentlichen Fliegerhorst wegen diverser Sachen fahren.
Zwei absolute Highlights waren allerdings einmal der Truppenübungsplatz Hammelburg(http://de.wikipedia.org/wiki/Truppen%C3%BCbungsplatz_Hammelburg) in Bayern sowie zwei Wochen lang auf ein NATO-Zeltlager auf Sardinien aufzupassen.
Knapp eine Woche waren wir da – eine ausgewählte Anzahl, die innerhalb eines Übungskontingents aus ganz Deutschland die Boelcke-Kaserne repräsentieren sollte. Die Übung war wirklich nicht von schlechten Eltern. Wer schon einmal auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg war, der weiß vielleicht, was ich meine. Da wurde allen ernstes ein Dorf umgesiedelt und diese Geisterstadt(Bonnland) steht zu Übungszwecken immer noch da – das ist 1. beeindruckend und 2. nachts etwas unheimlich, wenn man dort den Patroulliengang für die bevorstehende Übung trainiert. Die dann folgende Übung dauerte drei Tage. Wie ich hier schon in einem anderen Thread schrieb, war der Schlagentzug das schlimmste. 42 Stunden am Stück wach – ne, das brauche ich nicht unbedingt nochmal. Ok, aus freien Stücken war es ja sowieso nicht, denn Befehl ist Befehl und... naja, und so weiter. Es war wieder das einfache Kosovo-Szenario, was jedoch im Gegegsatz zur Übung in den Niederlanden um einiges größer und um vieles realistischer war. Ich weiß es jetzt nicht mehr genau, aber es müssten insgesamt so um die 300 Soldaten gewesen sein, die an der kleinen Übung teilnahmen. Von der Rechnung per Augenmaß und was ich jetzt noch im Kopf habe würde ich schätzen, dass 'die Terroristen und Zivilisten' in Bonnland eine Stärke von 2 zu 1 hatten, wir also nur 'hundert deutsche Soldaten' gegen 'zweihundert ausländische Zivilisten und Terroristen' waren.
Ab und zu mussten Patroullien durch Bonnland gehen; einmal war ich auch an der Reihe. Eine Patroullie wurde überfallen und als Geiseln genommen. Ab und zu gab es Alarm im Bundeswehr-Camp, da ein Wachposten 'Terroristen' gesichtet hatte. Dann hieß es entweder unter LKW in Deckung zu gehen oder, wie es die meisten taten, ab in die Schützengräben springen und das Vorfeld beobachten. Nach 15-30 Minuten wurde der Alarm wieder aufgehoben und wir saßen weiter rum, spielten Karten, rauchten, spielten Karten, rauchten, aßen, rauchten, spielten Karten. Auf einmal kam die Meldung, dass in Bonnland eine Atombombe explodiert sei und schon war ich einer der Deppen, da ich ja auch ABC-Abwehrsoldat war, der sich bei 30° C im Schatten in einen dicken Schutzanzug(http://www.bmlv.gv.at/archiv/a2010/europeanadvance2010/galerie/vollbild/foto_simader__sim1649_bi.jpg) zwängen musste. Die Jeeps hatten wir zuvor schon mit Planen, Klebeband usw. ‚atomsicher’ abgedichtet. Wir fuhren mit dem Jeep ein, zwei Kilometer und schon waren wir in der Geisterstadt, die jetzt allerdings 1. jetzt besiedelt war, 2. so gut wie alle Einwohner Zivilisten waren, wovon auch wieder einige Terroristen waren, wovon auch wieder einige Zivlisten waren – naja, wie es eben in Krisengebieten ist – und 3. alle durch die Atombombe verstrahlt waren. Wir tasteten uns also vorsichtig mit dem Jeep nach vorne und nahmen Proben und schauten auf unsere Geigerzähler. Logischerweise hatte unser Vorgesetzter – dieser Oberfeldwebel war nicht nur mein Lieblingsvorgesetzter in Kerpen, sondern allgemin während der Bundeswehrzeit – vorher Instruktionen bekommen, ab wo es gefährlich wird und bis wo man hin soll. Ich war einer derjenigen, die im Anzug auch noch auf der Straße in praller Sonne rumrennen mussten und ringsrum lagen entweder 'tote Menschen' oder 'verstrahle Menschen' kauerten am Straßenrand oder an Häuserwänden.
Dann kam der Befehl, da es zu unsicher war, dass wir wieder zurück ins Lager fahren sollen. Wir hatten uns dekontaminiert und saßen grad im Jeep, da kam der Funkspruch, dass das Lager angegriffen wird. Wir sind im Affenzahn zurückgefahren und im nächsten Moment war ich wieder in einem Schützengraben. Da war ich dann den restlichen Tag und die ganze Nacht bis zum nächsten Morgen – die ominösen 42 Stunden ohne Schlaf. Was in dieser Nacht alles über Funk verzapft wurde – wahnsinn! Die Funkdisziplin wurde nicht von den Gefreiten, Obergefreiten(dazu war ich mittlerweile befördert wurden) oder Hauptgefreiten, sondern im Gegenteil die Feldwebel, Oberfeldwebel, Leutnante, Oberleutnante und Hauptmänner funkten sich dumm und dämmlich. Nachdem der Alarm vorrübergehend ausgesetzt war und wir aus den Schützengräben zu unseren Jeeps durften saßen wir nur da, tranken zig Liter Wasser und lauschten zusammen mit unserem Oberfeldwebel und lachten uns halb kaputt. Dann ging alles ganz schnell: die Terroristen hatten sich aus dem Dorf zurückgezogen, ein anderes Bundeswehr-Kontingent hatte das Dorf befreit und besetzt und die Übung war vorbei.
Nach dieser Übung war das Stubenbett in der Hammelburg-Barrake wie ein Bett mit tausend Kissen. Zum Glück hatten wir bis zum nächsten Morgen frei. 17 Stunden später war ich ausgeschlafen. Am letzten Tag gab es dann noch eine Granatenübung und da keiner aus meiner Gruppe wollte, habe ich mich freiwillig gemeldet. Ich hätte es besser bleiben lassen sollen. Schon mit der Übungsgranate war es nicht flüssig. Und dann in der scharfen Übung ließ ich ausgerechnet die scharfe Granate – zum Glück nur eine Spreng- und keine Sprengsplitter-Granate – fallen. Sie rutschte mir irgendwie einfach aus der Hand. Der Ausbilder packte mich an der Koppel und riss mich zu Boden und der andere Kamerad wurde ebenfalls von einem Ausbilder auf den Boden gezogen. Ich wurde zwar gefragt, ob ich es noch einmal versuchen möchte, doch ehrlich gesagt hatte ich keine große Lust, am Ende wirklich noch in die Luft zu gehen.
Was gibt es zu Sardinien zu sagen? Ein bisschen Regen, viel Sonne, schöner Strand und schönes Wasser und wir wussten nicht, was es da groß zu bewachen gab. Der Flug mit der Transall(http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/60/Transall_C-160_-_AirExpo_Muret_2007_0274_2007-05-12_cropped_2.jpg) von Bayern aus war allerdings interessant. Es roch nach Kerosin, die Rostlaube nahm jedes kleinste Luftloch mit, die Rotoren waren höllisch laut und je weiter man ins Heck des Flugzeugs ging, umso kälter wurde es. Und nebenbei wurden wir unter anderem von einem jungen Italiener mit seiner Zuckerschnute auf der Vespa mit dem Hitlergruß begrüßt. Was man in dem Fall macht? Freundlich lächeln und winken... und hoffen, dass das grad nicht wirklich passiert ist! UND BLOSS NICHT ERWIDERN! :D
Alles in allem waren manche Sachen natürlich bescheiden, aber im großen und ganzen überwiegen bei mir die positiven Erlebnisse, Ereignisse und Gedanken. Ich finde es schade, dass es keine Wehrpflicht mehr gibt. Wenn ich noch einmal die Wahl hätte, dann würde ich auf jeden Fall noch einmal den 'Gang zur Waffe' vollziehen. Im Nachhinein fanden es meine Eltern - was besonders erstaunlich ist auch mein Vater - auch in Ordnung.



Ok, ich habe eindeutig mehr geschrieben, als ich am Anfang gedacht hätte. Im Nachhinein liest es sich ja wie ein kleiner Bundeswehr-Lebenslauf. Es mag wohl damit zusammenhängen, dass es für mich ein einschneidendes Erlebnis war, da dies die erste lange Zeit von zu Hause weg war – die zwei 'Zuhause-Tage' am Wochenende während der Grundausbildung lasse ich da mal weg und in der Stammeinheit war ich die meisten Wochenenden in der Kaserne.
Die Kommentare müssen natürlich nicht so ausführlich wie bei mir sein, aber ein paar Sätze wären schon interessant. :dh:

Captain Mightypants
13.07.2012, 17:31
Ich habe jetzt ehrlich gesagt nicht deinen ganzen Text gelesen, das war mir einfach zuviel ;)

Ich war nicht bei der Bundeswehr. 2003 wurde Ich gemustert und dort noch mit T2 eingestuft, trotz eines kleines Augenfehlers und Übergewicht. Aber auch damals stand für mich schon fest, das Ich nicht zum Bund wollte, weil Ich einfach keine Lust darauf hatte, mich irgendwem unterzuordnen und für kleinigkeiten angebrüllt zu werden (ob es so ist, weiss Ich nicht, aber das ist meiner Vorstellung heute noch so).

Beim Kreiswehrersatzamt habe Ich dann den Ersatzdienst beantragt, mit dem üblichen Kram, Religiöse Erziehung, bla bla bla (davon hat kein Wort gestimmt).

Lustig war, als Ich bei der Musterung saß, ging die Tür des Ärztezimmers auf und ein Junger Mann kam heraus. Als er dann weg war, hörte ich die Ärztin nur sagen "Ja, Cannabis ist ja T6, weg mit dem" *g*

Ich habe mich dann, genau wie mein Bruder entschieden, den Ersatzdienst (7 Jahre) beim Arbeiter Samariter Bund abzuleisten. Das hat auch erstmal gut geklappt, bis Ich dann meine Ausbildung zum Buchhändler angefangen habe. Ich hätte noch zwei Jahre Ersatzdienst leisten müssen, hatte aber einfach die Zeit dazu nicht mehr. Das führte dazu, das Ich den Ersatzdienst abbrechen musste und nach meiner Ausbildung den Zivildienst nachmachen sollte. Dachte ich jedenfalls ...

Als Ich dann meine Ausbildung beendet habe, musste Ich ein halbes Jahr warten, bis Ich meinen Zivildienst antreten konnte, weil Ich keine andere Stelle gefunden hatte. Ich war also ein halbes Jahr arbeitslos, denn für 6 Monate stellt niemand einen neuen Mitarbeiter ein. Als Ich dann am 01. Januar 2011 meinen Zivildienst angefangen habe, war Ich beim Hausmeisterservice in einem Altenheim, in dem meine Mutter arbeitet.

Am zweiten Tag sollten alle neuen Zivis zum Amtsarzt um die verordnete Untersuchung machen zu lassen. Dabei kam heraus, das die Normen seit 2003 so extrem angehoben wurden, das Ich mit den etwa gleichen Vorraussetzungen auf einmal, statt T2, als T6, also untauglich eingestuft wurde. Das war für mich natürlich erstmal ein Schock, weil ich damit nicht gerechnet habe und so also nicht zum Zivildienst zugelassen wurde. Also ein halbes Jahr umsonst Arbeitslos gewesen, super!

Ja, das waren in etwa meine Erfahrungen mit dem Bund/Zivildienst. Ich würde es heute nicht anders machen. Das Militär übt auf mich als Mann zwar einen gewissen Reiz aus, aber der rührt nur davon, das ich Panzer und jegliche Waffen eher als Spielzeug denn als Kriegsmachinerie ansehe.

SES Punkomaniac
13.07.2012, 17:39
Ich habe jetzt ehrlich gesagt nicht deinen ganzen Text gelesen, das war mir einfach zuviel ;).
Das ist auch nicht schlimm. :D Ich hatte ein paar Stunden Zeit, um mich an dies und das zu erinnern. Da kam dieser lange Text heraus.

ChriN0I4
13.07.2012, 18:28
Hehe....einer von JaboG^^

Ich selber bin noch aktiv in der Boelcke/Kerpen im 5./Objektschutzregiment (Semper Comunis) am dienen und das seit 01/2011. Die AGA habe ich in der 10./Luftwaffenausbildungsregiment in Germersheim (Die ersten die Aufstehen, die letzten die pennen gehen) 04/2010 gemacht. Ich erinnere mich gerne an meine 7. Gruppe von III.Zug.^^

Aber mittlerweile kann ich sagen, dass es mittlerweile so ist, dass wir des letzt im April eine Zuschleußung bekommen haben und jetzt sind davon schon 30!! wieder weg. Das ist der halbe Einsatzzug, der da einfach mal so fehlt. Aber es wird mittlerweile auch viel Scheiße in den Kreiswehrersatzämtern erzählt und erst recht bei der Einplanung.

Bsp. wird über die Obis. (@CM Punkomaniac: die Abkürzung müsstest du auch kennen^^) gesagt, dass sie den ganzen Tag nur am Abpimmeln sind und ab und zu mal Wache machen.

Pustekuchen!

Dummfick, ist an der Tagesordnung, für diejenigen, die im Zug sind.
BTW. Ich bin selber im Stab der Staffel
BTT. Deswegen gehen die meisten aber dann auch wieder, weil sie etwas anderes erwartet haben, als das was sie bekommen haben.

Ich selbst stehe aber nun vorn dem Dilemma, dass wir heute den Auftrag bekommen haben, in nächster Zeit Wache in Dubai stellen zu müssen und ih übertriebens Scharf darauf bin, aber nächsten Monat ausscheide und dann ne Ausbildung zum Bürokaufmann mache, wo ich so mal grob 1/4 davon bekomme, was ich jetzt verdiene. Meine Freundin ist allg. vom Bund nicht ganz so angetan,aber was soll ich jetzt tun? Verlängern tue ich nur wenn ich den Dubai trip mit machen kann, will aber nicht unbedingt länger in Kerpen bzw. Schortens bleiben.

Hilft mir bitte mit Rat^^

Thx Chris

SES Punkomaniac
13.07.2012, 18:37
Hehe....einer von JaboG^^

Ich selber bin noch aktiv in der Boelcke/Kerpen im 5./Objektschutzregiment (Semper Comunis) am dienen und das seit 01/2011. Die AGA habe ich in der 10./Luftwaffenausbildungsregiment in Germersheim (Die ersten die Aufstehen, die letzten die pennen gehen) 04/2010 gemacht. Ich erinnere mich gerne an meine 7. Gruppe von III.Zug.^^

Aber mittlerweile kann ich sagen, dass es mittlerweile so ist, dass wir des letzt im April eine Zuschleußung bekommen haben und jetzt sind davon schon 30!! wieder weg. Das ist der halbe Einsatzzug, der da einfach mal so fehlt. Aber es wird mittlerweile auch viel Scheiße in den Kreiswehrersatzämtern erzählt und erst recht bei der Einplanung.

Bsp. wird über die Obis. (@CM Punkomaniac: die Abkürzung müsstest du auch kennen^^) gesagt, dass sie den ganzen Tag nur am Abpimmeln sind und ab und zu mal Wache machen.

Pustekuchen!

Dummfick, ist an der Tagesordnung, für diejenigen, die im Zug sind.
BTW. Ich bin selber im Stab der Staffel
BTT. Deswegen gehen die meisten aber dann auch wieder, weil sie etwas anderes erwartet haben, als das was sie bekommen haben.

Ich selbst stehe aber nun vorn dem Dilemma, dass wir heute den Auftrag bekommen haben, in nächster Zeit Wache in Dubai stellen zu müssen und ih übertriebens Scharf darauf bin, aber nächsten Monat ausscheide und dann ne Ausbildung zum Bürokaufmann mache, wo ich so mal grob 1/4 davon bekomme, was ich jetzt verdiene. Meine Freundin ist allg. vom Bund nicht ganz so angetan,aber was soll ich jetzt tun? Verlängern tue ich nur wenn ich den Dubai trip mit machen kann, will aber nicht unbedingt länger in Kerpen bzw. Schortens bleiben.

Hilft mir bitte mit Rat^^

Thx Chris
Krass! FC-Fan - wie ich - und dann auch noch in der Boelcke-Kaserne - wo ich war. :D

Klar, 'Obis' ist mir ein Begriff. Den erfuhr ich allerdings - logischerweise(?) - nicht von einem Obi, sondern von, öhm, irgendjemand anderem, der auch eine Uniform trug.
Dummfick? Wie ich dieses Wort vermisst habe! :o Davon habe ich auch einiges mit- und abbekommen. Teilweise war es wirklich ABM pur. :(

ChriN0I4
13.07.2012, 19:01
Krass! FC-Fan - wie ich - und dann auch noch in der Boelcke-Kaserne - wo ich war. :D

Klar, 'Obis' ist mir ein Begriff. Den erfuhr ich allerdings - logischerweise(?) - nicht von einem Obi, sondern von, öhm, irgendjemand anderem, der auch eine Uniform trug.
Dummfick? Wie ich dieses Wort vermisst habe! :o Davon habe ich auch einiges mit- und abbekommen. Teilweise war es wirklich ABM pur. :(

^^ muss halt

warste in Nörvenich oder unten in Kerpen im Wald? sind ja zwo verschiedene Kasernen und Truppenteile

habe seit dem ich in Kerpen bin den mittlerweile den 5ten. staffelchef und 4ten. Spieß mitgemacht. Und täglich grüßt das Murmeltier at its best;)

Der_Wrestling_Fan
13.07.2012, 19:08
ich war nicht bei der Bundeswehr, wobei es unerheblich war, ob ich wollte oder nicht. Ich war nämlich bei der Musterung als T5 eingestuft worden :boxer: :mexiko:

Wahrscheinlich wäre ich an der Waffe eine größere Gefahr für mein Land gewesen, als jeder Feind. :o

Knopster
13.07.2012, 19:09
Ich hab mich damals 2001 mit T5 "ausmustern" lassen. Hatte weder Bock auf Bund noch auf Zivi. Hab mich entsprechend bei der Musterung "angestellt" und hatte anschließend den Freibrief gar nichts machen zu müssen. Kam mir sogar gelegen. Konnte nach dem Abi gleich eine Ausbildung beginnen und danach ein Studium nachschieben.

Ob ich es heutzutage nochmal so machen würde, weiß ich nicht mal. Vielleicht hätte eine Karriere beim Bund als Offizier auch was gehabt.

SES Punkomaniac
13.07.2012, 19:09
^^ muss halt

warste in Nörvenich oder unten in Kerpen im Wald? sind ja zwo verschiedene Kasernen und Truppenteile

habe seit dem ich in Kerpen bin den mittlerweile den 5ten. staffelchef und 4ten. Spieß mitgemacht. Und täglich grüßt das Murmeltier at its best;)
:D
Nene, in der kleinen, gemütlichen Kaserne im Wald. Zumindest als ich da war, waren nur dort die Objektschützer stationiert(wenn ich mich noch richtig erinnere). Ich erfuhr in den letzten Tagen, dass da einiges umgekrempelt werden würde und ich weiß von einem ehemaligen Kameraden, den ich zufällig wiedertraf, dass es ordentlich umstrukturiert wurde.
Wie gesagt, ich war einer der 'Jäger im kleinen Walde' in der III. Staffel im I. Zug(2005 allerdings). :)
Ich hab mich damals 2001 mit T5 "ausmustern" lassen. Hatte weder Bock auf Bund noch auf Zivi. Hab mich entsprechend bei der Musterung "angestellt" und hatte anschließend den Freibrief gar nichts machen zu müssen. Kam mir sogar gelegen. Konnte nach dem Abi gleich eine Ausbildung beginnen und danach ein Studium nachschieben.

Ob ich es heutzutage nochmal so machen würde, weiß ich nicht mal. Vielleicht hätte eine Karriere beim Bund als Offizier auch was gehabt.
Also ich weiß, dass du nicht zu Bundeswehr musstest, wenn du entweder noch zur Schule gegangen bist oder wenn du in einer Ausbildung warst. Selbst, wenn du eine in Aussicht hattest, konnte das sofort zur Ausmusterung führen. So erinnere ICH mich. Ich kann mich allerdings auch irren. Ist schon ein paar Jahre her und diese Situation hatte ich ja nicht. :)

Knopster
13.07.2012, 19:16
:D
Nene, in der kleinen, gemütlichen Kaserne im Wald. Zumindest als ich da war, waren nur dort die Objektschützer stationiert(wenn ich mich noch richtig erinnere). Ich erfuhr in den letzten Tagen, dass da einiges umgekrempelt werden würde und ich weiß von einem ehemaligen Kameraden, den ich zufällig wiedertraf, dass es ordentlich umstrukturiert wurde.
Wie gesagt, ich war einer der 'Jäger im kleinen Walde' in der III. Staffel im I. Zug(2005 allerdings). :)

Also ich weiß, dass du nicht zu Bundeswehr musstest, wenn du entweder noch zur Schule gegangen bist oder wenn du in einer Ausbildung warst. Selbst, wenn du eine in Aussicht hattest, konnte das sofort zur Ausmusterung führen. So erinnere ICH mich. Ich kann mich allerdings auch irren. Ist schon ein paar Jahre her und diese Situation hatte ich ja nicht. :)

Zu meiner Zeit war das so, dass in der Regel, wenn du gemustert wurdest und schon eine Ausbildung hattest/Studium begonnen, du in aller Regel, dass dann im Anschluss machen musstet. Damals musste man auch wirklich T5 sein, um komplett raus zu sein.

SES Punkomaniac
13.07.2012, 19:20
Zu meiner Zeit war das so, dass in der Regel, wenn du gemustert wurdest und schon eine Ausbildung hattest/Studium begonnen, du in aller Regel, dass dann im Anschluss machen musstet. Damals musste man auch wirklich T5 sein, um komplett raus zu sein.
Was heißt 'damals' für dich? Also ich spreche von 2005. Da war es so, dass, nun ja, dass schon mit 22, 23, 24 deine 'Zeit für's Einziehen' schon vorbei sein konnte, da du dann schon zu alt warst und neue nachrutschten. Von welchem Zeitraum sprichst du?

EDIT: Hab grad dein Alter auf dem Profil gesehen und ich gehe jetzt davon aus, dass das dein richtiges Alter ist. Hm, dann hat sich das innerhalb von ein paar Jahren geändert. :)

ChriN0I4
13.07.2012, 20:14
:D
Nene, in der kleinen, gemütlichen Kaserne im Wald. Zumindest als ich da war, waren nur dort die Objektschützer stationiert(wenn ich mich noch richtig erinnere). Ich erfuhr in den letzten Tagen, dass da einiges umgekrempelt werden würde und ich weiß von einem ehemaligen Kameraden, den ich zufällig wiedertraf, dass es ordentlich umstrukturiert wurde.
Wie gesagt, ich war einer der 'Jäger im kleinen Walde' in der III. Staffel im I. Zug(2005 allerdings). :)


Rofl....da bin ich auch mom. zwar in der 5./ ( die staffeln haben irgendwann mal getauscht, bei dir würde es die I.Staffel sein.) aber die wird 2014 nach Schortens aufgelöst. Aber der Circus Boelcke od. Irrenanstallt bleibt ja noch bis 2019^^

Sind schon am Überlegen, was ma mit dem gelände anstellen können.....bisher sind Puff, Paintballfield oder Sprengplatz recht gute Kandidaten

Knopster
13.07.2012, 21:00
Was heißt 'damals' für dich? Also ich spreche von 2005. Da war es so, dass, nun ja, dass schon mit 22, 23, 24 deine 'Zeit für's Einziehen' schon vorbei sein konnte, da du dann schon zu alt warst und neue nachrutschten. Von welchem Zeitraum sprichst du?

EDIT: Hab grad dein Alter auf dem Profil gesehen und ich gehe jetzt davon aus, dass das dein richtiges Alter ist. Hm, dann hat sich das innerhalb von ein paar Jahren geändert. :)

Wie ich schrieb, muss so 2000/2001 gewesen sein, Da hatten wir noch die gute alte DMark. :D

Lestat
13.07.2012, 21:39
Ich habe deinen Text ganz gelesen, ich finde solche Geschichten immer unheimlich interessant. Mein Bruder war auch beim Bund, Panzerfahrer in Munster. Ich habe es geliebt ihm bei seinen Erzählungen zuzuhören.

Im Gegensatz zu meiner Begeisterung für die Storys hatte ich damals einfach tierisch Schiß, dass sich meine Freundin von mir trennt, wenn ich zum Bund gehe. Also habe ich eine Verweigerung geschrieben. Als ich dann bei der Musterung war, ging der Arzt auch gleich darauf ein und arbeitete eine Liste mit mir durch, wonach ich T5 war und die Verweigerung unnötig wurde. Fand ich sehr cool, weil es mir halt echt eine Last von den Schultern nahm.

Rückblickend war es wohl ein riesen Fehler, auch wenn ich nicht weiß wie mein Rücken das mitgemacht hätte. Meine Freundin hat sich dann kurz darauf eh von mir getrennt, nicht bevor sie mich mit einem Arbeitskollegen von ihr betrogen hatte, und ich bin viel zu lange in meinem Ausbildungsbetrieb geblieben. Ich denke heute, einige Dinge hätte ich mir durch den Bund ersparen können, aber was solls, hinterher ist man immer schlauer.

Der Zerquetscher
13.07.2012, 23:31
Punkomaniac, eine sehr interessante Story, die du da erzählen kannst. Mir kommt so vieles bekannt vor, was du da schreibst, ich fühle mich wieder richtig blutjung. :)

Du bist ein außergewöhnlicher Kerl! Irgendwie sehr ambivalent, dein Wesen.

Ich war ebenfalls beim Bund und kann vieles dehalb nachvollziehen. Die negativen wie die positiven Seiten.

1998 habe ich hier in Augsburg Abitur gemacht und mich für zwei Jahre (Z 2) im Panzergrenadierbataillon 112 in Regen im Bayerischen Wald verpflichtet. Damit hatte ich vom ersten Monat an Zeitsoldatengehalt - und eben kein Rekrutensold. 1950,- DM netto waren für einen 19-jährigen monatlich nicht schlecht. Ich habe mir damals absolut jede CD gekauft, auf die ich Bock hatte.

Im Sommer 1999 bin ich dann an die Panzertruppenschule nach Munster gekommen, um meinen Gruppenführerlehrgang zu absolvieren. Anschließend war ich Fahnenjunker (Offizierslaufbahn). Im Frühjahr 2000 ging es dann auf den Zugführerlehrgang, den ich als Fähnrich beendete. Dann kam noch die Offizierschule in Hannover und *bamm*, waren die zwei Jahre rum. Ich bin also Leutnant der Panzergrenadiertruppe. Derzeit natürlich nur "der Reserve".

Auch wenn ich vom ersten Monat Grundausbildung an gemerkt habe, dass das nicht wirklich mein Ding ist und ich jeden Abend gern zuhause in Augsburg bei meiner damaligen Freundin gewesen wäre, habe ich mein Ding voll durchgezogen. Die ganzen zwei Jahre lang. Wie geplant.

Ich bin keiner dieser Draufgänger und Haudegen, die gern nachts übermüdet in freier Mutter Natur, völlig durchnässt im Horchposten liegen. Andere mögen das. Ich bevorzuge es gemütlich, bequem und warm. Ich bin kein Held. Ganz bestimmt nicht. Ich habe mir im Bayerwald damals bei minus 20 Grad den Arsch abgefroren und 3 Tage am Stück null Schlaf bekommen. Den vierten und fünften Tag waren es dann je zwei Stunden. Ich hab's gehasst.

Halte ich es heute noch für eine gute Idee, zum Bund gegangen zu sein? Auf jeden Fall, denn ich habe da unendlich viel gelernt. Über mich selbst, meine Grenzen und über Lapallien. Mir ist heute keine Nacht wirklich zu kurz, kein Sommer wirklich zu heiss und kein Winter zu kalt. Weil ich weiß, was wirklich "heiss" (nämlich in 4 Tagen 120 Kilometer mit 25 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken im Hochsommer durch Mecklenburg-Vorpommern zu marschieren) und wirklich "kalt" bedeutet. Auch bei den anstrengendsten Prüfungsphasen später im Studium sagte ich mir, "Volker, reiss Dich zusammen, Du Weichei - es geht schlimmer". Ich bin da irgendwie schwer psychologisch veranlagt und Grenzerfahrungen erweitern enorm meinen emotionalen Horizont. Dafür bin ich meiner Zeit damals dankbar. Ganz abgesehen davon, habe ich es als meine Pflicht angesehen - trotz Unlust - einen Beitrag zur Wehrfähigkeit meines Landes zu leisten, so pathetisch das klingt.

Auch wenn es mir persönlich also keinen Spaß gemacht hat, weil ich einfach nicht der Typ dafür bin, bereue ich meine zwei Jahre beim Militär auf keinen Fall. Im Gegenteil. Ich habe sehr davon profitiert. Und das nicht nur weil ich dadurch heute eine Karte einnorden und sie lesen kann,... Ich habe damals auch gemerkt, dass ich sehr gut mit Menschen umgehen kann (als Ausbilder/Vorgesetzter/Offizier) und mich deshalb dazu entschieden, Lehramt zu studieren und Lehrer zu werden. Nach meiner Heirat war das die beste Entscheidung meines Lebens, denn ich liebe meinen Job. Auch wenn ich meine Kleinen nicht mehr anbrüllen möchte. :)

Cookie Man
14.07.2012, 02:18
Ich bin interessanterweise gerade noch so um die Musterung rumgekommen, nachdem ich zuerst ein Jahr übersprungen wurde (jeder 92er ausser mir hat den Brief nahezu gelcihzeitig gekriegt, selbst die Jüngeren. Nur ich nicht.), und dann die Wehrpflicht abgeschafft wurde.

Abgesehen davon wäre ich wohl auch nicht genommen worden (Übergewicht, Brille, psychische Veranlagungen, etc.), und selbst wenn, ich hätte nicht lange durchgehalten. Zivil kann ich nicht ab, deswegen wäre das nie eine Option gewesen, und fürs Militär fehlt mir die Fähigkeit, meinen Tagesablauf anzupassen, oder ohne zu fragen zu gehorchen. Ausserdem reagiere ich gerne im Trotz, bevor ich über meine Aktion nachdenken kann, und dann geht das ganz zügig.

Insgesamt denke ich nicht, dass ich etwas verpasst habe, auch wenn man von aussen meinen könnte, ein Training in Selbstdisziplin würde mir gut tun.
Ausserdem kann ich mir nicht vorstellen, mein Land an der Front zu verteidigen. Wenn überhaupt bin ich jemand, der plant, taktiert und maximal an der dritten Reihe steht. Das ist mit dem Bund nicht vereinbar.

Humppathetic
14.07.2012, 03:53
Munster. Quasi um die Ecke. :D

Ich hatte 2006 Abitur. Danach direkt Musterung. T2. Sofort Zivi gemacht, weil auf den militaristischen Scheiß keinen Bock. Drei Monate Zivi, dann nachträglich ausgemustert. War mir egal. Habe denselben Job weitergemacht. Hauptsache, nichts mit Bundeswehr zu tun gehabt.

SES Punkomaniac
14.07.2012, 05:39
Rofl....da bin ich auch mom. zwar in der 5./ ( die staffeln haben irgendwann mal getauscht, bei dir würde es die I.Staffel sein.) aber die wird 2014 nach Schortens aufgelöst. Aber der Circus Boelcke od. Irrenanstallt bleibt ja noch bis 2019^^

Sind schon am Überlegen, was ma mit dem gelände anstellen können.....bisher sind Puff, Paintballfield oder Sprengplatz recht gute Kandidaten
'Circus Boelcke' – das wird immer mehr eine Geschichtsauffrischung für mich. Wenn ich es lese, habe ich ein, zwei, drei, ein paar Kameraden vor mir, die genau diesen Begriff mehrfach erwähnten, wenn es eben nicht so lief, wie es laufen sollte. Daran erinnert sich mein Gehirn.
Puff? War ja klar. :rolleyes::o Ein Paintballfield wäre allerdings nicht schlecht. Dann könnte ich mich zwischen Mechernich und Kerpen/Horrem entscheiden.
Wie ich schrieb, muss so 2000/2001 gewesen sein, Da hatten wir noch die gute alte DMark. :D
D-Mark? Hat Mark zwei Vornamen und sein erster Vorname ist Dieter? :killer:
Herje, da habe ich alles gelesen und genau "Ich hab mich damals 2001 mit T5 "ausmustern" lassen." aus deinem ersten Kommentar habe ich überlesen; den ersten Satz auch noch. Peinlich? Ja, ich denke peinlich kann man so stehen lassen. Entschuldigung bitte.
Ok, zu 2001 kann ich nichts sagen. 2005 sah das alles anscheinend wirklich anders aus. Wenn es für dich gut war, dann war es für uns beide zu den jeweiligen Jahren die richtige Entscheidung. :dh:
Ich habe deinen Text ganz gelesen, ich finde solche Geschichten immer unheimlich interessant. Mein Bruder war auch beim Bund, Panzerfahrer in Munster. Ich habe es geliebt ihm bei seinen Erzählungen zuzuhören.
Ganz ehrlich, ich fand es erstaunlich, wie meine beiden Opas – zu der Zeit lebten noch beide – mit mir auf einmal geredet haben. Natürlich hatten sie vorher auch mit mir geredet, aber ab da war es irgendwie anders. Ich sprach vom Militär. Normalerweise hatten sich die beiden immer über den Zweiten Weltkrieg unterhalten, wo sie überall waren und was sie da und dort erlebt hatten. Und auf einmal war da der liebe, kleine, junge Enkel, der auf einmal von Übungen, von Waffen und allgemein vom Militär erzählen und sogar mitreden konnte. "Ja, das ist immer noch so!", "Ja, das kenne ich auch!" – die erstaunten Gesichter waren herrlich. Für die beiden war das Militär logischerweise ein noch viel 'einschneidenderes Erlebnis' als für mir, doch jetzt konnte ich teilweise sogar mitreden. Wohlgemerkt ging es nicht um Politik, sondern es ging um's Militär und das trennten die beiden und trennt mein jetzt einziger Opa immer noch(Meine Eltern schalten da auf sturr oder auf Durchzug; ich bin da viel, öhm, 'liberaler'). Wie die beiden meinen Geschichten von dieser Woche und von jenem Monat zuhörten – das waren wirklich vertauschte Rollen. :eek:
Im Gegensatz zu meiner Begeisterung für die Storys hatte ich damals einfach tierisch Schiß, dass sich meine Freundin von mir trennt, wenn ich zum Bund gehe. Also habe ich eine Verweigerung geschrieben. Als ich dann bei der Musterung war, ging der Arzt auch gleich darauf ein und arbeitete eine Liste mit mir durch, wonach ich T5 war und die Verweigerung unnötig wurde. Fand ich sehr cool, weil es mir halt echt eine Last von den Schultern nahm.

Rückblickend war es wohl ein riesen Fehler, auch wenn ich nicht weiß wie mein Rücken das mitgemacht hätte. Meine Freundin hat sich dann kurz darauf eh von mir getrennt, nicht bevor sie mich mit einem Arbeitskollegen von ihr betrogen hatte, und ich bin viel zu lange in meinem Ausbildungsbetrieb geblieben. Ich denke heute, einige Dinge hätte ich mir durch den Bund ersparen können, aber was solls, hinterher ist man immer schlauer.
Kurz vor meiner Wehrpflicht war ich grad ein Monat mit 'nem Mädel zusammen, deren Namen ich nicht mehr weiß, weil ich ihn nicht mehr wissen will. Ich habe sie einfach aus meinen Kopf gestrichen. Es gibt genug, worüber ich/man mir/sich den Kopf zerbrechen kann. 'Zusammen' trifft es eigentlich aus meiner Sichtweise auch nicht, denn für mich fängt 'zusammen sein' und 'eine Beziehung führen' erst ab drei Monaten an. Warum das so ist? Bei mir ist das einfach so.
Lange Rede, gar kein Sinn: Sie oder die Bundeswehr(gesehen hätten wir uns sowieso nur am Wochenende). Irgendwann im Januar – also in meinem ersten Bundeswehrmonat – kam eine SMS, dass sie mit mir Schluss macht, weil sie keinen Bock auf jemanden hat, der zu einem Mörder trainiert wird(so etwas ähnliches hat sie geschrieben; 'Schluss', 'Bundeswehr' und 'Mörder' kamen auf jeden Fall drin vor). Damit war für mich die blöde F**ze vergessen und gut war. Zu dieser Aussage stehe ich, denn diesen Gedankengang hat Mann und auch Frau – je nach Sexualität auch mit einem männlichen Schimpfwort nach dem Adjektiv ;)-, wenn die rosarote Brille abrupt runtergerissen wird. Und in dem Fall war ich auch zu keinem Kompromiss bereit.
Punkomaniac, eine sehr interessante Story, die du da erzählen kannst. Mir kommt so vieles bekannt vor, was du da schreibst, ich fühle mich wieder richtig blutjung. :)

Du bist ein außergewöhnlicher Kerl! Irgendwie sehr ambivalent, dein Wesen.
...

I'm simply perfect... NOT! :)
...
Halte ich es heute noch für eine gute Idee, zum Bund gegangen zu sein? Auf jeden Fall, denn ich habe da unendlich viel gelernt. Über mich selbst, meine Grenzen und über Lapallien. Mir ist heute keine Nacht wirklich zu kurz, kein Sommer wirklich zu heiss und kein Winter zu kalt. Weil ich weiß, was wirklich "heiss" (nämlich in 4 Tagen 120 Kilometer mit 25 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken im Hochsommer durch Mecklenburg-Vorpommern zu marschieren) und wirklich "kalt" bedeutet. Auch bei den anstrengendsten Prüfungsphasen später im Studium sagte ich mir, "Volker, reiss Dich zusammen, Du Weichei - es geht schlimmer". Ich bin da irgendwie schwer psychologisch veranlagt und Grenzerfahrungen erweitern enorm meinen emotionalen Horizont. Dafür bin ich meiner Zeit damals dankbar. Ganz abgesehen davon, habe ich es als meine Pflicht angesehen - trotz Unlust - einen Beitrag zur Wehrfähigkeit meines Landes zu leisten, so pathetisch das klingt.
Da kommt wohl schon wieder für manche ein kleiner Widerspruch; ich als Linker auch noch. Ich sehe es genau so, dass ein Land wehrfähig sein muss und ich finde folgerichtig auch, dass mein Heimatland Deutschland wehrfähig sein muss. Ich will ja keinen Krieg, doch ich will andererseits, dass sich Deutschland in einem Krieg wehren kann. Deutschland ist ringsrum von Freunden und Verbündeten umzingelt. Ergo geht die Wehrfähigkeit Richtung Norden, Süden, Westen, Osten - wo auch immer die Grenzen Europas und der EU gefährdet sind. Und das natürlich genau so, wie es Deutschland tun sollte: defensiv. Die jetzige Situation finde ich allerdings absolut nicht in Ordnung und da ich mich nicht für die Pipelines in Afghanistan in die Luft jagen lassen wollte, habe ich auch nach den neun Monaten nicht verlängert. Im Verteidigungsfall stände ich 'Gewehr beifuss', aber wenn es um einen Präventiv-..., quatsch, wenn es um einen Angriffskrieg ginge, tja, dann gehe ich eben ins Gefängnis oder begehe Fahnenflucht. In dem Fall verteidige ich ja auch nicht mehr die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland, nem. ;)

umimatsu
14.07.2012, 09:25
Eigentlich wollte ich zu den Panzerfahrern. Das Kreiswehrersatzamt in Rostock kam meinem Wunsch augenscheinlich nach, als man mich aufforderte, mich am 01.01.1999 beim FschPzAbwBtl 272 in Wildeshausen zu melden. Ich hatte seinerzeit keine Ahnung, was ein FschPzAbwBtl sein sollte, aber das PzAbw im Namen ließ mich glauben, bei der Panzertruppe meinen Dienst zu verrichten. Das böse Erwachen erfolgte am Kasernentor, als ich den Stürzenden Adler der Fallschirmjäger erblickte. Dem ersten Schock folgte eine Phase der Verwirrtheit, umkurvten mich nach Betreten des Kasernengeländes die ersten Luftlandepanzer vom Typ "Wiesel". Nach der Aufnahme in der Rekrutenkompanie, der 5./ 272, wurden alle Rekruten über den Verband aufgeklärt und dass wir einer Spezialeinheit des Heeres angehören würden. Meine Stimmung war am Tiefpunkt, schließlich wollte ich nie zu den Fallschirmjägern, zu groß war meine Flug- und Höhenangst.

Die ersten Monate durchlebte ich wie jeder Rekrut die Grundausbildung und das war wahrlich kein Zuckerschlecken. Bei Wind und Wetter waren wir draußen, buddelten Schützenlöcher, lernten das Einmaleins des Gruppenkampfes sowie die Handhabung sämtlicher Infanteriewaffen. Höhepunkt war das erste Schießen mit dem damals noch neuen G36, was allen Rekruten viel Spaß machte. Irgendwann folgte die Rekrutenprüfung, wo man uns an die Leistungsgrenze brachte. Nach dem 25km Marsch mit voller Ausrüstung war niemand mehr fähig, das Lager aufzubauen. Wir schliefen trotz strömenden Regens auf unseren Rucksäcken sitzend sofort ein. Am Tag darauf bekamen wir unser Barret, die grünen Litzen der Infanterie und den Ausbildungsnachweis zur bestandenen Grundausbildung. Wir waren alle stolz wie Bolle!

Danach folgte wieder eine Phase der Ernüchterung, wurde ich doch zur Stabskompanie und zu allem Verdruss aufgrund meiner beruflichen Vorausbildung in die Personalabteilung, S1, versetzt. Dort fühlte ich mich behandelt wie ein kleines Kind, denn ich durfte Kaffee kochen oder Kopierarbeiten verrichten. Ostern 1999 folgte die Alarmierung unseres Bataillons mit der anschließenden Verlegung großer Teile des Verbandes in den Kosovo. Die Verantwortlichen auf der Hardthöhe waren klever genug, den TOW- und MK-Zügen keine panzerbrechende Munition zuzuteilen, was dazu führte, dass die Wiesel völlig nutz- und wehrlos waren. Eine Woche nach der Alarmierung macht die BILD-Zeitung mit der Schlagzeile Die Adler sind gelandet! auf. Zur damaligen Zeit wollte ich unbedingt mit in den Einsatz, was mir jedoch verwehrt blieb, da die Stabssoldatenstellen schon besetzt waren. Im Nachhinein eine glückliche Fügung des Schicksals.

Anfang Mai 1999 befahl mich der Spieß in sein Büro und teilte mir mit, ich habe mich in der Folgewoche in Altenstadt zu melden, ich solle meinen Fallschirmspringerlehrgang machen. Die 4 Wochen in der Luftlande- und Transportschule zähle ich zu den schönsten Zeiten meines Militärdienstes. Die Ausbildung war fordernd, wurde jedoch mit einem der schönsten Erlebnisse belohnt, das ich bis dato genießen durfte - dem ersten Fallschirmsprung. Das Gefühl am Schirm zu hängen und der Erde entgegen zu gleiten ist unbeschreiblich und ich sollte es noch 20 weitere Male genießen dürfen, bevor ich durch einen leichten Sprungunfall meinen Springerschein mit der Nummer 116394 abgeben musste.

Nach diesem Lehrgang erbat ich meine Versetzung in den Kompanietrupp der Stabskompanie, wo ich mich für 8 Jahre verpflichtete, noch beide Unteroffizierslehrgänge ( alt ) absolvierte und bis zum Stabsunteroffizier aufstieg. Eigentlich hätte ich gerne in die Feldwebellaufbahn gewechselt, aber diese Entscheidung nahm mir die geopolitische Entwicklung ab. In New York flogen Terroristen in das World Trade Center, die NATO rief den Bündnisfall aus und die Bundeswehr zog in Krieg. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits große Zweifel am Sinn des Einsatzes. Warum sollte ausgerechnet der Westen das schaffen, was Alexander dem Großen und den Russen nicht gelang, nämlich die Eroberung und Befriedung des Landes? Darüber hinaus empfand ich es schon damals als irrsinnig, einer Stammeskultur Demokratie lehren zu wollen. Als Soldat bringt man dir bei, zu gehorchen und wenn ich verlängert hätte, hätte ich mit einem Einsatz rechnen müssen. Wegen der fehlenden politischen Legitimation, dem mangelhaften zivilen Wiederaufbaukonzept und der Unbeliebtheit des Einsatzes in der deutschen Bevölkerung entschied ich mich schließlich gegen diesen Einsatz und damit gegen eine Weiterverpflichtung.

Ich habe diese Entscheidung nie bereut, sieht man doch, was durch den Einsatz erreicht wurde - nichts. Die Stämme bekriegen sich weiterhin, das Land ist immer noch größter Mohnproduzent der Welt und die Taliban konnten nur nach Pakistan verdrängt werden, wo sie im Begriff sind, die Gesellschaft zu radikalisieren. Das Demokratieexperiment darf als gescheitert angesehen werden, Karzai ist korrupt und hat seine Familie mit wichtigen Posten versorgt. Als wäre dies noch nicht schlimm genug, befiehlt ein deutscher Oberst einen verheerenden Luftschlag auf afghanische Zivilisten, wofür er nicht zur Verantwortung gezogen wurde. Und während ich diese Zeilen schreibe, verbrät der Westen weiterhin Unsummen in diesen fragwürdigen Einsatz. Ökonomisch betrachtet haben die Taliban eines ihrer Ziele erreicht: die finanzielle Schwächung des Westens; die Spekulationskrise tut ihr Übriges.

Abschließend bleibt noch zu erklären, ob ich meinen Dienst in der Bundeswehr bereue. Nein, aber ich würde, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, es nicht wiederholen und etwas Sinnvolleres machen, zum Beispiel ein Geschichtsstudium.

wolfen
14.07.2012, 12:27
Aloha.

Wenn ich das hier so alles lese kommt mir doch das eine oder andere Schmunzeln und diverse Erinnerungen werden wach ;)

Ich ging 1994 als Freiwilliger ( Z 4 ) zur Luftwaffe als Fernmelder. Vorher natürlich das übliche: Musterung, Freiwilligenannahmestelle Mitte in Düsseldorf zum ausführlichen Musterung und ab dafür. Aufgrund meiner Ausbildung wurde ich direkt als HG UA eingestellt und zur Grundausbildung nach Goslar geschickt. Dort schossen wir noch mit G3 ind MG3, außerdem natürlich mit der P1 (mit anderen Worten 8 Warnschüsse und ein gezielter Wurf^^). Mein Pech war, das ich zum MG-Schlepper auserkoren wurde, was sich vor allem bei Manöverübungen und langen Märschen nicht unbedingt positiv auswirkt...

Nach der Grundi, die damals noch 3 Monate währte, wurde ich zum Einsatz nach Mechernich berufen.

Mehr gibts dann auch nicht zu sagen- meine Dienstzeit endete auch in Mechernich.

Auf die Idee als Freiwilliger zur Wehr zu gehen kam ich übrigens während der Ausbildung. Da saß doch tatsächlich ein Z12er unter uns, der nach seiner Wehrzeit eben zu uns kam. Soweit ich mich erinnere, war das ein Panzerkommandant, Abgangsdienstgrand Hauptfeld. Wir hatten uns seinerzeit oft über seine Wehrzeit unterhalten- und bei 12 Jahren Dienst gabs da einiges zu berichten ;)

regards, wolfen.

Naikan
14.07.2012, 12:31
Ich bin am 01.04.2001 bei der Bundeswehr gestartet. Nach meine AGA bin ich dann zum Fallschirmjäger ausgebildet worden. Also in etwa wie umimatsu - nur freiwillig ;)
Da meine Vorgesetzten und Ausbilder schon früh mein Talent zum Schießen erkannt haben, wurde mir der Vorschlag gemacht mich langfristig an die Truppen zu binden und mich zum Scharfschützen zu machen. Also habe ich, da ich gerade nichts anderes vorhatte, für sechs Jahre unterschrieben.

Als ich dann nach einigen Wochen knochentrockener Theorie das erste Mal mit dem G22 und später mit dem M82 geschossen habe, wusste ich das ich bis zu diesem Punkt alles richtig gemacht habe. Nach etwa drei Monaten war ich hier auch durch und bin zu den Fallschirmjägern zurückgekehrt.

Irgendwann stand dann der erste Auslandseinsatz an. Es ging in den Kosovo.
Später folgten dann noch längere Auslandseinsätze im Irak und in Afghanistan.

Für mich war der Weg den ich eingeschlagen habe der richtige. Die Bundeswehr hat mich zu dem Menschen gemacht der ich heute bin. Ohne den Drill, die Disziplin und die Ordnung bei der AGA und den weiterführenden Ausbildungen danach wäre ich heute nicht hier.

Raúl
14.07.2012, 12:36
Ich wurd 2007 mit 20 gemustert. T5 :D Musste nur einmal rein, Hemd aus und dann meinte die Ärztin schon:"Mit ihrem Rücken und dem Untergewicht, können sie ja nichtmal den Rucksack tragen."
Dann durfte ich nach Hause, aber ich hätte wenn überhaupt Zivi gemacht.

Direwolf
14.07.2012, 13:30
Ich war auch nicht bei der Bundeswehr, habe mich auch nie für einen Beitritt dort begeistern können. Das hängt zum einen damit zusammen, dass ich vom Dienst an der Waffe so rein gar nichts halte und zum anderen, da ich im Ernstfall absolut keine Ambitionen hätte mich selbst oder andere Menschen in Gefahr zu bringen, nur weil eine Regierung - die ich villeicht noch nicht einmal gewählt habe - es für nötig hält sich mit anderen Ländern zu zanken.
Wenn es nach mir ginge, so würde es vollkommen ausreichen, wenn man aus zwei oder mehr im Klinsch befindliche Länder den Obermacker heraus nimmt und ihn/sie gegeneinander in einen Boxring stellt. Sollen sich ruhig die jeweiligen Oberfrösche die Köpfe einschlagen und fertig. ;)

Da ich dies damals so natürlich nicht bei meinem Antrag auf Zivildienst schreiben konnte musste auch ich zu den alt bewehrten Methoden greifen: Christlich erzogen, strikt gegen jede Art von Gewalt, etc, pp...

Leider wurde aus dem Zivildienst letzten Endes auch nichts, da sich bei mir zur damaligen Zeit Sympthome einer psychischen Erkrankung bemerkbar machten und ich mich erst einmal in Behandlung begeben musste. Nachdem mein Arzt dem Kreiswehrersatzamt dies mitteilte und allein um einen Aufschub bat, bis ich wieder stabil genug war, dauerte es nicht lange und ich hatte ein Schriben im Briefkasten, in welchem man mir alles gute für die Zukunft wünschte und mit mitteilte, dass sich sowohl Wehrpflicht, als auch Zivildienst erledigt hätten. Auf eine gewisse Art schade, da ich den Zivildienst doch ganz gern mitgemacht hätte. Auf der anderen Seite: Wer nicht will, der hat schon. Wenigstens konnte ich im Verlauf meines Lebens durch einige freiwillige Praktika in verschiedenen sozialen Einrichtungen doch noch einen Teil des Zivildienstes ablegen, auch wenn dies natürlich offiziell nicht als Zivildienstleistung anerkannt ist.

Würde ich heute noch einmal genauso handeln? Vorausgesetzt meine Erkrankung würde mir keine Türen verschließen, so würde ich auch heute noch den Zivildienst der Bundeswehr vorziehen. Alleinige Wehmutstropfen bilden hierbei nur einige lustig klingende Anekdoten, die ich so aus meinem Freundes/Bekanntenkreis mitbekam, wie zum Beispiel eine Situation, bei der ein Bekannter von mir während einer Fliegeralarmübung einfach nur in die Hocke ging, anstatt sich in den Schlamm zu schmeißen. Ich war ja nicht dabei, daher kann ich die Situation nur nacherzählen. Der Dialog zwischen meinem Bekannten und dem Ausbilder soll aber sehr lustig gewesen sein:

Ausbilder: "Was machen Sie da??"
Bekannter: "Ich hocke hinter einer Mauer."
Ausbilder: "Mauer?? ICH SEHE HIER KEINE MAUER!!"
Bekannter: "Ich sehe hier auch keine Flieger."

Der zweite kleine Wehmutstropfen betrifft die Panzerkekse. Hab mich jedes mal gefreut, wenn mein Cousin am Wochenende son Päckchen davon aus der Kaserne mitbrachte. Die Dinger mögen zwar nicht sonderlich kaufreundlich sein, aber schmecken dafür echt prima. Da können die Dinger aus dem Supermarkt meist echt nicht mithalten. :D

Mario Girotti
14.07.2012, 14:27
Ich war bei der Bundeswehr. Meinen ersten Tag werd ich nie vergessen. Irgendwie hab ich mich auf das Abenteuer Bundeswehr nicht richtig vorbereitet, jedenfalls bin ich an dem Tag losgefahren als wie wenn ich woanders hingefahren wäre. Nach mehrstündiger fahrt weil ich im Stau stande bin ich am Ziel gewesen, das erste was ich sah war die Wache, da bin ich dann erstma vorbeigefahren weil ich einen Lachanfall gekriegt habe bis ich dann nur noch dacht fuck was hast du getan. In der Kaserne angekommen bin ich gleich in das erste Haus rein, kaum die Türe geöffnet kam ein nettes sie sind zu spät, lol ne Viertelstunde, ich dachte wat will der denn. Manche von meiner Truppe sind erst in der Nacht gekommen.

Die ersten 3 Monate waren hart aber ok, war vieles Neu aber ging schon. Was mich nur störte war jedensmal wenn ich mal Zeit hatte aufs Klo zugehen, hat der Blödmann auf dem Flur Antreten gebrüllt dat ging mir tierisch auf die Eier und dazu noch das blöde aus dem Gebäude gerenne oder das gerenne zum Essen fassen.

Die nächsten 3 Monate war ich dann in Munster. Da hatte ich einen schönen Bürojob wo ich die Wochenpläne für die Truppen zusammengestellt habe, sprich 8 Stunden lang Solitär zocken. Als mir das irgendwann zu blöd wurde, und ich mich um eine Lehre bewerben mußte. Hab ich kein Bock mehr gehabt und bin zum Chef und hab gesagt ich kann net mehr, ich habe solange gebettelt bis man mich schließlich aus psychischen Gründen zu Haus ließ und einen Monat vor Ende der Wehrzeit entließ. Das war auch gut so, so konnte ich mich um eine Lehre kümmern ohne das mir ein Jahr flöten geht.

Fazit. Die kurze Zeit war net so schlecht dort, aber die meisten Männer die da waren, waren kaputt von Alkohol oder die Frau is weg. Respekt von mir wer sowas Jahre durchzieht ich könnte es nicht.

Der Zerquetscher
14.07.2012, 17:34
Da kommt wohl schon wieder für manche ein kleiner Widerspruch; ich als Linker auch noch. Ich sehe es genau so, dass ein Land wehrfähig sein muss und ich finde folgerichtig auch, dass mein Heimatland Deutschland wehrfähig sein muss. Ich will ja keinen Krieg, doch ich will andererseits, dass sich Deutschland in einem Krieg wehren kann. Deutschland ist ringsrum von Freunden und Verbündeten umzingelt. Ergo geht die Wehrfähigkeit Richtung Norden, Süden, Westen, Osten - wo auch immer die Grenzen Europas und der EU gefährdet sind. Und das natürlich genau so, wie es Deutschland tun sollte: defensiv. Die jetzige Situation finde ich allerdings absolut nicht in Ordnung und da ich mich nicht für die Pipelines in Afghanistan in die Luft jagen lassen wollte, habe ich auch nach den neun Monaten nicht verlängert. Im Verteidigungsfall stände ich 'Gewehr beifuss', aber wenn es um einen Präventiv-..., quatsch, wenn es um einen Angriffskrieg ginge, tja, dann gehe ich eben ins Gefängnis oder begehe Fahnenflucht. In dem Fall verteidige ich ja auch nicht mehr die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland, nem. ;)

Auch wenn ich einiges anders sehe, so ist Deine Argumentation vollkommen nachvollziehbar und meines Erachtens, kombiniert mit Deinem von Deinen Grundsätzen geprägten Werdegang, sehr stichhaltig. Es ist Dein gutes Recht das so zu sehen - und wer weiß, vielleicht hast Du recht. Auch wenn ich das nicht zur Gänze denke.

Ich hab jedenfalls Respekt vor Dir. ;)



Anfang Mai 1999 befahl mich der Spieß in sein Büro und teilte mir mit, ich habe mich in der Folgewoche in Altenstadt zu melden, ich solle meinen Fallschirmspringerlehrgang machen. Die 4 Wochen in der Luftlande- und Transportschule zähle ich zu den schönsten Zeiten meines Militärdienstes. Die Ausbildung war fordernd, wurde jedoch mit einem der schönsten Erlebnisse belohnt, das ich bis dato genießen durfte - dem ersten Fallschirmsprung. Das Gefühl am Schirm zu hängen und der Erde entgegen zu gleiten ist unbeschreiblich und ich sollte es noch 20 weitere Male genießen dürfen, bevor ich durch einen leichten Sprungunfall meinen Springerschein mit der Nummer 116394 abgeben musste.


Fallschirmspringen könnte ich glaube ich nicht. Ich bin kein Feigling und raffe mich zu unendlich vielem auf, aber meine Höhenangst so komplett zu überwinden, dass ich aus 500 Metern Höhe in die Tiefe springe? ... ich bin ja schon froh, dass ich durch viel autopsychologisches Training heute auf jede Kirche und jeden Aussichtspunkt steige, ohne dass es unangenehm wird.

Aber da ich Verfechter radikalpädagogischer Ansätze bin :D, täte mir ein Fallschirmsprung vielleicht so gut, dass ich auch den letzten Rest meiner Höhenangst überwinden kann. Hmm,...

Übrigens, was hast Du denn dann studiert, unimatsu?

ultrawrestling
14.07.2012, 18:24
Ich war mehrere Jahre lang Obergeneral bei CIRCA. Da ist Obergeneral der Einstiegsrang, und das ist gut - denn Du kannst deswegen voll die Leute rumkommandieren.

http://de.wikipedia.org/wiki/Clandestine_Insurgent_Rebel_Clown_Army

(Oder übersetzt: Ich mag kein Militärdienst.)

umimatsu
14.07.2012, 23:30
Fallschirmspringen könnte ich glaube ich nicht. Ich bin kein Feigling und raffe mich zu unendlich vielem auf, aber meine Höhenangst so komplett zu überwinden, dass ich aus 500 Metern Höhe in die Tiefe springe? ... ich bin ja schon froh, dass ich durch viel autopsychologisches Training heute auf jede Kirche und jeden Aussichtspunkt steige, ohne dass es unangenehm wird.

Aber da ich Verfechter radikalpädagogischer Ansätze bin :D, täte mir ein Fallschirmsprung vielleicht so gut, dass ich auch den letzten Rest meiner Höhenangst überwinden kann. Hmm,...

Übrigens, was hast Du denn dann studiert, unimatsu?

Als Verfechter radikalpädagogischer Ansätze - so wie Du auch - habe ich den Lehrgang einfach durchgezogen. Trotzdem ließ ich mir während der Sprungdienste ein Hintertürchen offen, um a) nicht springen zu müssen, wenn ich Angst bekomme und b) den Ablauf während der Sprungphase durch meine Verweigerung nicht durcheinanderzubringen: ich ließ mich als letzter Springer in die Ladelisten eintragen. Somit hätte ich sitzenbleiben, die anderen jedoch problemlos springen können. Als es dann aber soweit war und das rote Licht auf grün umschaltete, setzte bei mir der Lemmingeffekt ein und ich bin einfach raus ohne groß nachzudenken.

Studiert habe ich bislang nichts, aber ich möchte noch Slawistik ( Schwerpunkt Russland ) und Geschichte studieren.

Der Zerquetscher
15.07.2012, 00:06
Als Verfechter radikalpädagogischer Ansätze - so wie du auch - habe ich den Lehrgang einfach durchgezogen. Trotzdem ließ ich mir während der Sprungdienste ein Hintertürchen offen, um a) nicht springen zu müssen, wenn ich Angst bekomme und b) den Aublauf während der Sprungphase durch meine Verweigerung nicht durcheinanderzubringen: ich ließ mich als letzter Springer in die Ladelisten eintragen. Somit hätte ich sitzenbleiben, die anderen problemlos springen können. Als es dann aber soweit war und das rote Licht auf grün umschaltete, setzte bei mir der Lemmingeffekt ein und ich bin einfach raus ohne groß nachzudenken.

Wenn diese Geschichte so stimmt, wie Du sie erzählst - und ich glaube Dir jetzt einfach - , dann finde ich sie spannender als den ganzen Alltagsquatsch,... allem voran das Gesabbel und Gequasel so vieler Möchtegernweltverbesserer und Laienseelenstützen.

Gefällt mir. Wenn sich die Chance auftut, dann werde ich einen Sprung in Zivil (ich weiß, das ist nicht das gleiche) riskieren. Scheissegal, ob Du studiert hast oder nicht, dieses Erlebnis neide ich Dir. Damit hast Du (bisher) ein kleines Bißchen mehr gelebt als ich.


Studiert habe ich bislang nichts, aber ich möchte noch Slawistik ( Schwerpunkt Russland ) und Geschichte studieren.

Bitte mach das. Hör auf drüber nachzudenken und mach das.

Das Leben ist zu kurz um bequem zu sein.

umimatsu
15.07.2012, 01:05
Gefällt mir. Wenn sich die Chance auftut, dann werde ich einen Sprung in Zivil (ich weiß, das ist nicht das gleiche) riskieren. Scheissegal, ob Du studiert hast oder nicht, dieses Erlebnis neide ich Dir. Damit hast Du (bisher) ein kleines Bißchen mehr gelebt als ich.


Wenn sich eine Chance auftut? Nimm 200 Euro in die Hand und mach einen Tandemsprung. ;)

Batzefan
15.07.2012, 02:00
Ich war beim Grundwehrdienst bei der Bundeswehr von 2000 bis 2001. Hat Spaß gemacht und ich möchte die Zeit echt nicht missen. War als Sanitätssoldat eingesetzt und durfte mich als Arztschreiber um Krankenakten kümmern.

Die Kameradschaft war eine sehr positive Erfahrung. Wir lagen alle im selben Dreck und man hat versucht, jeden Kameraden mit durch zu kriegen. Das war großartig. Aber als richtigen Beruf konnte ich mir das nicht vorstellen also habe ich dann lieber studiert.

Ich finde es schade, dass man die Wehrpflicht abgeschafft hat. Es waren prägende Zeiten und es half selbstständiger zu werden, wenn man, weit entfernt vom Elternhaus, seinen Dienst verrichtet hat. ;)

Kain
15.07.2012, 13:02
Ich wurde von der Bande übersehen. Hat mich nie gestört. :cool:

Kliqer
15.07.2012, 17:08
Ich war nicht da, weil ich ausgemustert wurde, dank eines leichten Hohlkreuzes. Wäre aber auch unter keinerlei Umständen zur Bundeswehr gegangen.

Brian Lee
15.07.2012, 17:15
Ich wurde ausgemustert weil ich an einer seltenen Krankheit leide, wegen der ich eine Kollapsneigung habe.

Ich habe aber von schon so vielen aus meinem Bekanntenkreis gehört dass die Zeit bei der Bundeswehr die beste ihres Lebens war, dass ich nicht gerade stolz darauf bin.

just a beaver
15.07.2012, 18:16
Ich wurd ausgemustert weil ich bei der Musterung, angeblich, ausfallend geworden bin und eventuell ein wenig übertrieben habe als es um Drogen und Alkohol ging.

Moneytalks
15.07.2012, 18:25
Mein psychischer Dachschaden (Depression) war für mein Heimatland Grund genug mich auszumustern, da man mich wohl für eine zu große Gefahr für die Sicherheit hielt, gesetz des Falles, man gebe mir eine Uniform und Waffen. Hat also auch was gutes für sich.;)

Carlo Pedersoli
15.07.2012, 18:27
Ich weis nicht was ich beim Bund gesollt hätte.
Auf jeden Fall wurde Ich ausgemustert mit der Begründung, das genügend Familienmitglieder ähnlichen Alters ihren Dienst bereits geleistet hätten.
Allerdings wurde mir auch eine nur begrenzte Tauglichkeit für den Dienst an der Waffe zugesprochen.

Flamare
15.07.2012, 20:09
Alles ausgemustert hier :D.


Ich bin mit T1 gemustert worden, habe mich für die Fallschirmjäger und Scharfschützen eingetragen und dann wurde die Wehrpflicht ausgesetzt. Ich hätte die Erfahrung gern gemacht, bin im Endeffekt aber doch lieber gleich studieren gegangen.

ChriN0I4
15.07.2012, 20:17
Alles ausgemustert hier :D.


Ich bin mit T1 gemustert worden, habe mich für die Fallschirmjäger und Scharfschützen eingetragen und dann wurde die Wehrpflicht ausgesetzt. Ich hätte die Erfahrung gern gemacht, bin im Endeffekt aber doch lieber gleich studieren gegangen.

das studium hättest du auch gratis beim bund machen können (falls du Abi hättest)

naja bin noch unschlüssig ob ich weiter machen soll....habe mir noch 24 std. bedenkzeit geben...was meint ihr?

Kliqer
15.07.2012, 20:46
das studium hättest du auch gratis beim bund machen können (falls du Abi hättest)

naja bin noch unschlüssig ob ich weiter machen soll....habe mir noch 24 std. bedenkzeit geben...was meint ihr?

Ich wüsste nichts was dafür sprechen sollte, weiterzumachen. ;)

ChriN0I4
15.07.2012, 21:06
Ich wüsste nichts was dafür sprechen sollte, weiterzumachen. ;)

ich weiß bin mir aber wegen der Zukunft unsicher

Indikatorgroupie
15.07.2012, 22:53
Ich wurd 2007 mit 20 gemustert. T5 :D Musste nur einmal rein, Hemd aus und dann meinte die Ärztin schon:"Mit ihrem Rücken und dem Untergewicht, können sie ja nichtmal den Rucksack tragen."
Dann durfte ich nach Hause, aber ich hätte wenn überhaupt Zivi gemacht.

Kommt mir sehr bekannt vor. Rein, T-Shirt ausgezogen, Ärztin: "Mhm..schreib mal T5 auf" und weg.

Nett fand ich das kurze Gespräch mit irgendeinem Typen danach.

"Wenn sie wollen, können sie Berufung gegen die Entscheidung ein.."

"Nein danke."

"Ach, sie wollten gar nicht zum Bund??!?"

"Nö. Schönen Tag noch."

Der_Wrestling_Fan
15.07.2012, 23:05
ich denke, mein T5-Grad beruht vor allem auf zwei Krebsfällen innerhalb meiner Familie, die kurz davor (also ca. 2 Jahre vor der Musterung) passiert sind, so dass die Angst hatten, ich würde durch Radarstrahlung etc. ebenfalls Krebs kriegen (da ich ja so schon eine Risikogruppe bin) und so die Bundeswehr verklagen können.

Anderseits hieß es auch gleich von der Ärztin: "Och, Herr XYZ, sie sind aber nicht der fitteste, oder?" :o

SES Punkomaniac
16.07.2012, 01:06
das studium hättest du auch gratis beim bund machen können (falls du Abi hättest)

naja bin noch unschlüssig ob ich weiter machen soll....habe mir noch 24 std. bedenkzeit geben...was meint ihr?
Du hast ja die Möglichkeit, nach Dubai abkommandiert zu werden. Andererseits willst du nur verlängern, wenn du dorthin für eine Zeit abkommandiert wirst. Gleichzeitig willst du nicht mehr in Kerpen bleiben. Die Garantie, dass du versetzt wirst, hast du nicht oder?
Daraus kann man ja schon lesen, was du eigentlich willst oder nicht? ;)

Ganz ehrlich? Raus aus dem Circus Boelcke und rein in die Bürokaufmann-Ausbildung. Wie du ja schon schreibst, verdienst du da 3/4 weniger als bei der Bundeswehr. Das ist dann der Knackpunkt. Also ich persönlich würde dann eben für eine Zeit mein Leben ein bisschen anders führen und wenn die Ausbildung vorbei ist, gibt's ja auch mehr Geld.
So würde ICH das machen. :)

ChriN0I4
17.07.2012, 04:33
Du hast ja die Möglichkeit, nach Dubai abkommandiert zu werden. Andererseits willst du nur verlängern, wenn du dorthin für eine Zeit abkommandiert wirst. Gleichzeitig willst du nicht mehr in Kerpen bleiben. Die Garantie, dass du versetzt wirst, hast du nicht oder?
Daraus kann man ja schon lesen, was du eigentlich willst oder nicht? ;)

Ganz ehrlich? Raus aus dem Circus Boelcke und rein in die Bürokaufmann-Ausbildung. Wie du ja schon schreibst, verdienst du da 3/4 weniger als bei der Bundeswehr. Das ist dann der Knackpunkt. Also ich persönlich würde dann eben für eine Zeit mein Leben ein bisschen anders führen und wenn die Ausbildung vorbei ist, gibt's ja auch mehr Geld.
So würde ICH das machen. :)

Habe nun gestern erstmal den Antrag für ein SaZ 8 (Soldat auf Zeit 8Jahre) als Sanitäs Unteroffizier in Köln-Wahn gestellt.....90/5 Test abwarten und mal gucken.

Die Bürokaufmann-Ausbildung kann ich, falls ich bleibe auch über die BFD Maßnahmen laufen lassen.

Das einzige was Geldtechnisch für die Ausbildung spricht, ist dass es keinen tarifvertrag gibt für den Bürokaufmann und das heißt 1100€ -> ende offen

SES Punkomaniac
17.07.2012, 05:26
Habe nun gestern erstmal den Antrag für ein SaZ 8 (Soldat auf Zeit 8Jahre) als Sanitäs Unteroffizier in Köln-Wahn gestellt.....90/5 Test abwarten und mal gucken.

Die Bürokaufmann-Ausbildung kann ich, falls ich bleibe auch über die BFD Maßnahmen laufen lassen.

Das einzige was Geldtechnisch für die Ausbildung spricht, ist dass es keinen tarifvertrag gibt für den Bürokaufmann und das heißt 1100€ -> ende offen
Also könnte aus 'Kaserne im Wald' bald 'schwules Flugfeld' werden. :lacher::angel:

Och, das mit der Ausbildung hört sich gut an. :eek: Solche Auswahlmöglichkeiten hätte ich auch gerne in den letzten Jahren mal gehabt.

Dann mal viel Erfolg für das, was für dich aus deiner Sicht am besten ist. :)

Face
17.07.2012, 05:47
Ich war beim Bundesheer, durfte mich nach der einmonatigen Grundausbildung (inklusive 1x scharf schießen und 1x Handgrantenwerfen) dann sieben Monate um die Stellungspflichtigen kümmern (also bei der Musterung wie ihr sagt). Blutdruckmessen, EKG-Gerät bedienen, bei der Blutabnahme assistieren und Bürodienste (die "Patientenbögen" befüllen).

War im Endeffekt eine durchaus lehrreiche Zeit, hat mir sicher nicht geschadet. Einer unserer Wachsoldaten beim Stellungskommando ist jetzt der Kollege der neben mir in der Arbeit sitzt. Die Welt ist manchmal klein :D

PS: Zivildienst kam für mich nie in Frage, da haben sie bei uns mit der deutlich längeren Dauer und geringeren Bezahlung gut vorgesorgt.

Ivanhoe
17.07.2012, 07:50
PS: Zivildienst kam für mich nie in Frage, da haben sie bei uns mit der deutlich längeren Dauer und geringeren Bezahlung gut vorgesorgt.

Sehr richtig, das war auch der einzige Grund, warum ich beim Bundesheer war und nicht den eigentlich sinnvolleren Zivildienst gewählt habe. Darüber, wie man sich quasi absichtlich untauglich macht, habe ich nie nachgedacht - und dann war plötzlich die Musterung da und ich war natürlich tauglich.

Den Wehrdienst habe ich dann halt irgendwie durchgedrückt. Nach der Grundausbildung war ich Funker, was für Bundesheer-Verhältnisse ganz ok war. Immerhin hatten wir - unserem Zugskommandanten sei Dank - täglich Sport und einmal in der Woche einen Orientierungsmarsch oder ähnliches. Das kann auch ganz anders ablaufen, habe ich mir sagen lassen, z. B. mit jeden Tag durchgehend Lehrsaal, irgendwelche Funk-Codes und Vorschriften lernen. Insofern habe ich es ganz gut getroffen und der körperlichen Fitness hat es sicher nicht geschadet.

Aber dennoch waren es im Ende acht verlorene Monate. Funken und Verlegen von Telefonleitungen habe ich nie mehr gebraucht und werde ich sicher nie mehr brauchen. Es war insgesamt doch eher langweilig, noch dazu musste ich sieben Wochen zum Assistenzeinsatz ins Burgenland, was noch viel langweiliger war. Die reinste Zeitverschwendung. Und die Kameradschaft? Bis auf die Leute aus meiner Gegend, die ich ohnehin kannte, war der einzige Grund für Zusammenhalt der Unmut, acht Monate beim Heer verschwenden zu müssen. Darüber hat sich nämlich niemand in unserer Einheit gefreut, entsprechend unlustig ging es meistens zu. Ausnahmen gab es natürlich auch, aber dennoch hätte ich auf diese ganze Erfahrung gut verzichten können. Wobei man sich immerhin bis heute im Freundeskreis ab und zu über die Gepflogenheiten beim Österreichischen Bundesheer lustig machen kann - und das geht halt auch nur, wenn man selbst dabei war. Besser als nichts ;) .

Captain Friendly
17.07.2012, 10:41
Ich bin gleich nach meiner Ausbildung im April 1989 eingezogen worden, damals haben sie noch jeden Blödel genommen (mein Pech!), da hatte selbst ein unsportlicher Mehlsack wie ich keine Chance, ausgemustert zu werden. Die Grundausbildung hatte ich in der ABC-Ausbildungskompanie in Zweibrücken(Niederauerbach-Kaserne, ich weiß gar nicht, ob es die noch gibt), danach wurde ich als ABC-Soldat in den Stab der 10. Panzergrenadierdivision in die Ostmark-Kaserne nach Weiden/Oberpfalz versetzt, wo ich die Grenzöffnung miterlebte.

Ich muß sagen, daß ich körperlich nie wieder auf dem Level war wie am Ende der Grundausbildung, auch wenn ich für mich den Sinn der Übung in Frage stellte, erst recht, nachdem das Feindbild für mich weggefallen ist. Das war - wie so vieles in meinem Leben - halt auch so eine Sache Marke "Augen zu - und durch!" Okay, ich kann jetzt mitreden (auch wenn ich eher einen "Hippie"-Eindruck hinterlasse, ich behaupte immer, daß die Vietnam-Veteranen nach ihrer Rückkehr auch häufig bärtig und langhaarig waren, basta!), aber wenn man die finanziellen Einbußen, die ich in dieser Zeit hatte, berücksichtigt, hätte ich auch gerne verzichtet. Im Prinzip habe ich aber dort auch gelernt, gegenüber Vorgesetzten nicht übermäßig viel Respekt zu zeigen, da ich mich kurz vor dem Ausscheiden noch mit der gesamten Kompanie angelegt habe, als ich einen als Ausbilder für die Unteroffiziersschule vorgesehenen Oberfeldwebel (und Liebling des Kompaniechefs) zur Anzeige bringen musste, da er vor versammelter Mannschaft glaubte, verkünden zu müssen, für Leute wie mich gehöre "Flossenbürg wieder angeschürt" (wer es nicht kennt: Flossenbürg war ein KZ in der näheren Umgebung von Weiden, wenn auch nicht offiziell ein Vernichtungslager).

Okay, wir hatten dann praktisch einen Waffenstillstand: Sie wollten mich seitdem nie mehr sehen, und ich weine ihnen auch keine Träne nach.

Bergpavian
17.07.2012, 11:10
Ich war beim Bundesheer und ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir die 9 Monate nicht so schlecht gefallen haben. Da ich Gebirgsjäger war, waren wir ziemlich viel in der Natur unterwegs: Wanderungen, Ski fahren, Cowboy und Indianer spielen ... Auch die vielen Verlegungen waren nicht so schlimm, wie man sich vielleicht denken könnte. Gerade wenn's auf irgendwelche Skihütten ging, hatte alles einen gemütlichen Touch.

Biwakieren im Schnee, Übernachtungen in irgendwelchen Ställen und Grenzeinsatz über Weihnachten und Neujähr hätte nicht sein müssen, insgesamt war's allerdings eine nette Zeit.

PS: Tauglichkeitsstufe 9 ("uneingeschränkt tauglich") ... Ach ja ... War ich damals noch jung und in Form. :D

SES Punkomaniac
18.07.2012, 00:04
PS: Tauglichkeitsstufe 9 ("uneingeschränkt tauglich") ... Ach ja ... War ich damals noch jung und in Form. :D
Das verstehe ich nicht ganz(...und wenn es sarkastisch sein sollte: John Cena über mein Punk:angel:). Deshalb die Frage von einem Piefke: Wie wird die Tauglichkeit in Österreich definiert? T1 ist in Deutschland die beste Tauglichkeit. Ist das in Österreich auch so oder geht das von hinten nach vorne, also von T9 bis T1?

Ivanhoe
18.07.2012, 07:45
Wenn mich nicht alles täuscht, sind die Tauglichkeitsstufen in Österreich:

1 = untauglich
2 = rückgestellt (oder so)
3-9 = Tauglich (verschiedene Stufen)
9F = "Fliegertauglich"

Zumindest war es früher mal so oder so ähnlich.

SES Punkomaniac
18.07.2012, 19:07
Wenn mich nicht alles täuscht, sind die Tauglichkeitsstufen in Österreich:

1 = untauglich
2 = rückgestellt (oder so)
3-9 = Tauglich (verschiedene Stufen)
9F = "Fliegertauglich"

Zumindest war es früher mal so oder so ähnlich.
:dh:
Danke für die Info. Da kann man als Piefke so einiges falsch verstehen. :) Wie gesagt ist in Deutschland T1 das beste(eine Vorraussetzung dazu ist - ich meine mich da zu erinnern - mindestens 1,80m; theoretisch war ich T1, durch die Größe T2:rolleyes:).

Flamare
18.07.2012, 22:38
:dh:
Danke für die Info. Da kann man als Piefke so einiges falsch verstehen. :) Wie gesagt ist in Deutschland T1 das beste(eine Vorraussetzung dazu ist - ich meine mich da zu erinnern - mindestens 1,80m; theoretisch war ich T1, durch die Größe T2:rolleyes:).

Sicher das es diese Regelung gibt? Ich bin grade mal 1,72 und wurde T1 gemustert, bzw. T1 mit Abstrichen, da ich fürs Spalier stehen nicht in Frage kam (Da sind ALLE 1,85).

ElGarnelo
18.07.2012, 23:07
Ich war auch bei der Bundeswehr und es war ne sehr schöne Zeit. Ich misse sie auf keinem Fall.

Mit 17 (2006?) wurde ich T2-gemustert. Damals stand für mich fest das ich länger zum Bund möchte und hab mich direkt zum FWDL 23 verpflichtet. Da die Psychologin damals bei der Musterung nicht da war, musste ich nochmal hin. Im Gespräch hat sich rausgestellt das die Kollegen einen Fehler gemacht haben und meine Verwendung allein aufgrund meiner Vorbildung gemacht wurde. Laut Psychologin hätte ich mehr Einsatzmöglichkeiten gehabt. Wie dem auch sei. In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich rausposaunt das ich gern weiter weg kann. Ich hab es kaum ausgesprochen und die gute Dame hatte den Hörer am Ohr. Kurzes Gespräch nach dem Motto "Du ich hab da einen... Oktober 2006... alles klar er kommt dann". Der Dialog lief dann folgendermaßen ab:

"So Herr L., Sie gehen nach Füssen."
"Aha, cool... Wo ist "das" denn?"
"Das ist in Bayern an der Grenze zu Österreich."
"Ähm... ok.. fuck"

Ich hab später auf nem Konzert mit 2 Kumpels gelabert und wir haben festgestellt, dass wir gemeinsam eingezogen werden. Gleiches Datum, gleicher Standort.

Also Füssen. Dort wurde ein Quartal vorher die Gebirgsartillerie aufgelöst und mit den Aufklärern aus Sontra zum Gebirgsaufklärungsbataillion 230 .

AGA hatte ich in der 5./230. Dank Verletzung im ersten Biwak hatte ich dann auch die Ehre operiert und KZH geschrieben zu werden. Pech gehabt.

Danach kam ich zur 3./230 und hatte eine sehr coole Zeit. Während dem Frühstück einer Übung meines Zuges wurde ich von meinem Zugführer nebenbei gefragt:"Du hast doch nächste Woche Urlaub... Willst du den verschieben?" Eigentlich war ich nicht so begeistert davon, dann kam aber der Zusatz "Du würdest nächste Woche zum Führerschein fahren. Wenn nicht schick ich G. ... das möchten wir alle nicht" haha. Gelacht und keinen Urlaub gemacht.

Dann kam der Führerschein und ein paar Übungen in Wildflecken. Auslandsvorbereitung etcpp. Dann ging es im September in den Kosovo. Eigentlich die Beste Zeit meiner ganzen Bundeswehr-Karriere. Ich war eigentlich in der Kompanieführung eingesetzt. Leider fehlte ein Betreuungssoldat für unsere Kneipe und tadaaa. Ich hab den Platz eingenommen! Das hat mir einige Freiheiten eingebracht. (jeden dritten Tag ausschlafen, immer toll frühstücken, paar nette Nebenaufgaben (Feiern vorbereiten und planen usw. Abends immer in den Parteys sein und alles.) Hab viele Leute kennengelernt und hatte irgendwann einige Connections .

Im Einsatz hatten wir dann auch einige Schießen mit den Amerikanern und Österreichern und ich durfte ausgiebig Waffen von anderen Armeen testen und als Aufsicht agieren. (M16(glaube ich), M16 Umbau (ohne Visier, wird normalerweise aus einem Loch des Bradley geschossen. Sehr männliches Gefühl zu schießen), Beretta, Pump Gun, Steyr AUG(sorry liebe Österreicher, aber ihr habt ein im Handling SEHR bescheidenes Gewehr).

Danach hatte ich ein sehr ruhiges Leben. Ich kam in den Ausscheiderzug. Hatte 2 OFW (einer davon war mein Vorgesetzter aus dem Einsatz und wir waren nach 2 Wochen perdu), die auch kurz vor dem Ausscheiden waren und einen sehr lockeren Oberleutnant. Da fällt mir eine kleine Geschichte ein: Wir hatten nach dem Einsatz noch ein paar Gefreite und die waren recht unsicher zwecks Meldung machen bei den Zugführern. Eines Tages standen die vor dem Büro und ich wollte bei den Vorgesetzten Fragen ob sie etwas aus dem Mannschaftsheim brauchen (Nato-Pause!). Da die Jungs sich nicht ausgekaspert haben, bin ich ohne Meldung ins Büro und hab eben nachgefragt. Den Jungs sind die Augen rausgefallen :D. Naja für uns war das normal.

Sehr schöne Zeit. Möchte ich nicht missen. Gerade durch den Einsatz bin ich auch innerlich gewachsen. Es hat mich definitiv nicht schlecht beeinflusst.

Ausgeschieden bin ich als Hauptgefreiter.

SES Punkomaniac
19.07.2012, 11:05
Sicher das es diese Regelung gibt? Ich bin grade mal 1,72 und wurde T1 gemustert, bzw. T1 mit Abstrichen, da ich fürs Spalier stehen nicht in Frage kam (Da sind ALLE 1,85).
Stand das so auch in deinen Unterlagen? T1 sagen(also der Arzt) und T1 sein(auf dem Papier) ist da ja ein Unterschied. Also ich meine, dass ich da mal sowas gehört habe, dass man 1,80m oder zumindest eine bestimmte Größe haben muss, um T1 zu erreichen.

Draven
19.07.2012, 18:10
Sehr richtig, das war auch der einzige Grund, warum ich beim Bundesheer war und nicht den eigentlich sinnvolleren Zivildienst gewählt habe. Darüber, wie man sich quasi absichtlich untauglich macht, habe ich nie nachgedacht - und dann war plötzlich die Musterung da und ich war natürlich tauglich.

Den Wehrdienst habe ich dann halt irgendwie durchgedrückt. Nach der Grundausbildung war ich Funker, was für Bundesheer-Verhältnisse ganz ok war. Immerhin hatten wir - unserem Zugskommandanten sei Dank - täglich Sport und einmal in der Woche einen Orientierungsmarsch oder ähnliches. Das kann auch ganz anders ablaufen, habe ich mir sagen lassen, z. B. mit jeden Tag durchgehend Lehrsaal, irgendwelche Funk-Codes und Vorschriften lernen. Insofern habe ich es ganz gut getroffen und der körperlichen Fitness hat es sicher nicht geschadet.

Aber dennoch waren es im Ende acht verlorene Monate. Funken und Verlegen von Telefonleitungen habe ich nie mehr gebraucht und werde ich sicher nie mehr brauchen. Es war insgesamt doch eher langweilig, noch dazu musste ich sieben Wochen zum Assistenzeinsatz ins Burgenland, was noch viel langweiliger war. Die reinste Zeitverschwendung. Und die Kameradschaft? Bis auf die Leute aus meiner Gegend, die ich ohnehin kannte, war der einzige Grund für Zusammenhalt der Unmut, acht Monate beim Heer verschwenden zu müssen. Darüber hat sich nämlich niemand in unserer Einheit gefreut, entsprechend unlustig ging es meistens zu. Ausnahmen gab es natürlich auch, aber dennoch hätte ich auf diese ganze Erfahrung gut verzichten können. Wobei man sich immerhin bis heute im Freundeskreis ab und zu über die Gepflogenheiten beim Österreichischen Bundesheer lustig machen kann - und das geht halt auch nur, wenn man selbst dabei war. Besser als nichts ;) .

Das ist eigentlich auch ganz genau meine Geschichte! ;-)

Das Essen dort war aber sehr gut. Naja, abends gabs immer nur Linseneintopf, der mir überhaupt nicht zugesagt hat. Und Niederösterreich ist dann doch etwas weiter weg von meiner damaligen Heimat um jeden Tag nach hause zu fahren.

Flamare
19.07.2012, 19:38
Stand das so auch in deinen Unterlagen? T1 sagen(also der Arzt) und T1 sein(auf dem Papier) ist da ja ein Unterschied. Also ich meine, dass ich da mal sowas gehört habe, dass man 1,80m oder zumindest eine bestimmte Größe haben muss, um T1 zu erreichen.

Hmm komisch. Ich bin (auf dem Papier) faktisch T1 gemustert und ein Zwerg :D.

Naikan
19.07.2012, 20:49
Hmm komisch. Ich bin (auf dem Papier) faktisch T1 gemustert und ein Zwerg :D.

Wäre mir auch neu das es da Mindestanforderungen bei der Körpergröße gibt. Mag natürlich sein das sich das seit meiner Zeit beim Militär geändert hat.

El Clon
19.07.2012, 20:53
Also nach dem was ich gehört habe, dürfe man für T1 sogar eher nicht zu groß sein. Zugegebenermaßen sind das auch nur Gerüchte, ich für meinen Teil wurde T5 gemustert (die stolze wehrdienstfremde Tradition unserer Familie fortsetzend), bin also ahnungslos.

SES Punkomaniac
19.07.2012, 22:52
Hmm komisch. Ich bin (auf dem Papier) faktisch T1 gemustert und ein Zwerg :D.
Da kann uns wohl nur einer helfen, der im Stab war/ist und der (in Deutschland) die Musterung als Arzt durchführte oder als Sani zumindest als Assistent und Schreiberling mit ihm Raum saß. Unsere Feststellungen können da ewig weiter gehen. :lacher:

Nani
20.07.2012, 14:14
Hmm komisch. Ich bin (auf dem Papier) faktisch T1 gemustert und ein Zwerg :D.

Das ist ungewöhnlich. Soweit ich mich erinnern kann, hatten sowohl kleinere als auch größere Jungs schlechte Chancen auf T1. Bevorzugt waren, glaub ich zwischen (~) 1,78m und 1,88m.

DerVerstossene
20.07.2012, 19:19
Gemustert wurde ich mit 18 und die restlichen acht Monate der 9-monatigen Wehrpflicht verbrachte ich als 19-jähriger einmal in Budel/NL(3 Monate; http://de.wikipedia.org/wiki/Nassau-Dietz-Kaserne) und danach in Kerpen(6 Monate; http://de.wikipedia.org/wiki/Fliegerhorst_N%C3%B6rvenich).

In Budel hatte ich auch mein Grundwehrdienst. War nett da es ja doppeletes Geld gab (von wegen Auslandseinsatz).
Ansonsten war es nicht so doll. Alle in unserem Zug waren irgendwie gehandicapt. Mindestens T3. Ichhatte T3 mit allen Einschraenkungen. Ich durfte nicht mehr als 5kg tragen, nicht mehr als 5km maschieren, und nicht laenger als 15 Minuten stehen. In der Formalausbildung durfte ich auf einem Stuhl sitzen waehrend alle anderen Stramm stehen mussten.

Danach kam ich dann nach Leipheim. Dort war es ein angenehmes Leben. Im Endeffekt hatte ich einen normalen Buerojob, nur dass ich eben Uniform tragen musste.


Das ist ungewöhnlich. Soweit ich mich erinnern kann, hatten sowohl kleinere als auch größere Jungs schlechte Chancen auf T1. Bevorzugt waren, glaub ich zwischen (~) 1,78m und 1,88m.

So habe ich das auch irgendwie in Erinnerung. Als T1 ist man ja fuer alles zu gebrauchen. Aber wenn man 1,90m ist ist man ja eigentlich nicht mehr als Panzerfahrer tauglich von wegen zu gross sein.

SES Punkomaniac
20.07.2012, 20:48
In Budel hatte ich auch mein Grundwehrdienst. War nett da es ja doppeletes Geld gab (von wegen Auslandseinsatz).
Ansonsten war es nicht so doll. Alle in unserem Zug waren irgendwie gehandicapt. Mindestens T3. Ichhatte T3 mit allen Einschraenkungen. Ich durfte nicht mehr als 5kg tragen, nicht mehr als 5km maschieren, und nicht laenger als 15 Minuten stehen. In der Formalausbildung durfte ich auf einem Stuhl sitzen waehrend alle anderen Stramm stehen mussten.

Danach kam ich dann nach Leipheim. Dort war es ein angenehmes Leben. Im Endeffekt hatte ich einen normalen Buerojob, nur dass ich eben Uniform tragen musste.
T3 und dann beim Bund? :eek: DAS schafft wiederum auch nicht jeder. Viele Gehandicapte in einem Zug sind aber auch nicht schlecht. :eek:


Zuerst 1,72m und T1 und jetzt T3 und Bund - interessant. :)

SuckyRocks
21.07.2012, 11:51
Ja ich war beim Militär. Beim schweizerischen.

Ich wurde bei der Aushebung als diensttauglich befunden. Ich war zwar in den sportdisziplinen ein komplettausfall da ich damals keinen sport betrieben habe, aber die dachten wohl ich wäre mit absicht so schlecht. Dabei hatte ich wirklich mein bestes gegeben. Aber im nachhinein betrachtet passte dieser Start voller missverständnissse und falschen annahmen eigentlich ganz gut zu der ganzen Zeit bei diesen Idioten.

Eingeteilt wurde ich als Sicherungssoldat. Damit konnte ich gut leben, aber nur da ich nicht wusste dass man dafür die Infanterieschule durchmacht. Somit bin ich ohne grosse erwartungen und vorurteile in die damals 15 wöchige Grundausbildung eingerückt. Am ersten Abend dachte ich dann schon, "bei diesen völlig kranken vollidioten kann ich unmöglich bleiben"
Aber, trotz all meinen bemühungen liessen sie mich nicht gehen. Ich konnte keine gesundheitlichen probleme vorweisen. Ich wollte aber auch keine vortäuschen da mir das gegen den Strich ging. So blieb ich, lernte den Umgang mit Sturmgewehr, Granaten, Panzerfäusten, Sprengfallen, Mörsern. Lernte wie man Häuser durchsucht, Fahrzeuge kontrolliert, wie man sich im Nahkampf verhält, die Kampfbahn überwindet. Oft las ich Schiller Gedichte, oh wie hat mir das Kerlchen geholfen damals. Ein Moralist zwischen unmoral und völlig nutzlosen leerläufen. Ich liebe Schiller!

Ich war körperlich oft überfordert. Humpelte wochenlang da bei jedem Schritt das Knie schmerzte. Die Armeeärzte haben nichts feststellen können. Also humpelte ich weiter, etwa 6 Wochen lang. Ich bestand trotzdem jeden Test, ob schriftlich oder praktisch. Ich bestand jeden im ersten versuch, da mir ein zweiter so zuwider war das ich hätte kotzen müssen. Ich brachte es zustande Gruppenführer zu sein ohne den Offizieren aufzufallen und mir den Befehl zur Unteroffiziersschule zu geben. Und das ist meine allergrösste Leistung. Bei den Kameraden beliebt, bei den Vorgesetzten fast unbekannt.

Die Zeit verging, der Knieschmerz ging irgendwann so schnell wie er gekommen war. Ich war wie ein Geist, ich glaube im nachhinein, der Knieschmerz hat mich einfach nicht mehr gefunden.;)

Danach machte ich dann noch 2 je 3 wöchige wiederholungskurse. Es wären dann noch weitere gefolgt. Jedoch war ich in einem Alter wo ich nicht mehr viele Jahre ersatzzahlung zahlen musste und aufgrund der Diensttage nicht mehr in den Zivildienst musste. Also beschloss ich endgültig auszusteigen und mir auf jeden Fall und ohne andere option den untauglich Stempel zu holen. Es klappte, ich gab meinen Krempel ab. Ich wollte ihn nie und gab ihn gerne zurück.

Ich habe in dieser ganzen Zeit nichts, aber wirklich garnichts sinnvolles gelernt. Ich könnte zwar noch immer blind die Waffe zerlegen und die Panzerfaust scharfmachen. Aber im Alltag bringt mir das natürlich nix. Die Zeit war verschwendet, für mich und für mein Land. Ich habe zehntausende von Franken gekostet. Ich habe meinen Sold übrigens öfters der Gesellschaft zur abschaffung der Armee gespendet. Der Gedanke dass der Arbeitgeber dieser völlig beschränkten Bande von faulen Säcken (Berufsoffiziere) ihr eigenes Grab finanziert war einfach zu schön.

Und glaubt mir wenn ich das so sage, den meisten von den Berufsoffizieren könnte ich heute noch ins Gesicht spucken. Das basiert nicht auf vorurteilen, sondern auf erfahrung.

Jahre später habe ich dann berufsbegleitend eine medizinische weiterbildug gemacht. Nur aufgrund dieser schon konnte ich mir dann erklären weshalb mein Knie so lange Zeit schmerzte. Die Armeeärzte sind also ebenfalls nicht zu gebrauchen.

Ich werde die schweizerische Armee bis zu meinem Lebensende hassen.
Ja, ich war beim Militär.

DerVerstossene
21.07.2012, 15:51
T3 und dann beim Bund? :eek: DAS schafft wiederum auch nicht jeder. Viele Gehandicapte in einem Zug sind aber auch nicht schlecht. :eek:


Zuerst 1,72m und T1 und jetzt T3 und Bund - interessant. :)

Ja wieso denn nicht? In den neunzigern waren viele mit T3 beim Bund.

LoD 3:16
23.07.2012, 00:02
Ja wieso denn nicht? In den neunzigern waren viele mit T3 beim Bund.

So wie ich! ;) Man kann das aber auch verbessern.

Sehr schön das das Thema von ObjSch`ern tangiert wurde. :dh: Das bin ich nämlich auch!

Bin 1998 nach Bayreuth zur 8./II/LAR 3 gezogen. Ja damals gab es noch mehrer Luftwaffenausbildungsregimenter.

Danach ging es zur Radarführungabteilung 25, Radarflugmelder- & Stabsdienstausbildung, dann ab zur Sicherungstaffel, die es damal noch da gab.

Bw hat mir schon viel gegeben. Heute habe ich nur noch zu einem Kontakt von den Vielen aus meinem Zug mit denen ich einst meine zwei Monate AGA hatte. Wie schnell dort ein "Schicksalgemeinschaft" zusammen wuchs war schon beeindruckend. Klingt sehr geschwollen aber wenn du es nur zusammen schafen kannst, ist das schon eine Erfahrung, zumal man sich die Nasen nicht aussuchen konnte, was bei Freunden schon geht. Leider ist der Begriff Kameradschaft teilweise sehr negativ behaftet.
Eigentlich wollte ich gerne zum Bund aber die ersten Tage dachte ich ich bin im falschen Film. Von zu Tode warten auf Stube bis hin zu endlosem Stress bis tief in die Nacht.

Heute, als Resi mit Sternen auf der Schulter weis ich das ein wenig dazu gehört. ;)

Von vielen hörte ich in den späten 90igern das sie sich total gelangweitl hatten. Das ging mit nie so. Hatte wohl Glück immer an umgängliche Leute und auch Vorgesetze getroffen zu sein. Dieses Glück hat noicht jeder und viele Chancen auf Nachwuchs bleiben/blieben an dieser Stelle auch hängen.

Access1
23.07.2012, 11:44
Ich war beim Österreichischen Bundeswehr, Jägerbattaloin.

Bei meinem Jahrgang war es das erstemal, dass Studium kein Aufschiebungsgrund ist, hatten also auch mehr Maturanten/Abiturienten als normalerweise (früher ist man ja dort dafür ja schon lokal schief angeschaut worden Marke "Haben Dich deine Eltern nichts vernünftiges lernen lassen).

5 Wochen Grundausbildung, die wirklich nicht ohne war (Tagwache um 6 Uhr, normalerweise um 10 oder später ins Bett; Ausbilder frisch von der Militärakademie und entsprechend hart drauf).

Wurden bezüglich salutieren etc. ziemlich gedrillt und war nicht ohne. Aufgrund dessen, dass ich auch früher beim roten Kreuz war, wurde ich dann nach Graz geschickt, machte dort die Notfallsanitäterausbildung, bin dann als Bundesheerler 6 Wochen in Bundesheeruniform beim Roten Kreuz mitgefahren (das Gelächter könnt Ihr Euch vorstellen) und dann wieder zurück zu meinem ursprünglichen Regiment.

Haben dann immer unterschiedliche Tasks gehabt (Mitgehen mit den anderen Kompanien, Krankenrevier, Grenzeinsatz, etc.). Generell hab ich dadurch, dass ich Sani war, sehr viel Glück gehabt, da ich imo etwas sinnvolles machen konnte. Denke als reiner Jäger und mitkoffern, um sich dort zu tarnen und nach ein paar Stunden wieder zurück, da wäre ich durchgedreht.

Generell werden ja Sanitäter im Bundesheer nicht unbedingt freundlich angesehen (umgengssprachlich "Obizarrer") und hatte es am Anfang nicht gerade leicht (bin etwas exotisch und konnte mir oft genug entsprechende Klischees anhören, es war nicht unbedingt ein kameradschaftliches Verhältnis, es war eher "Wer wird heute fertiggemacht?"), aber hab mich nach einiger Zeit gut eingelebt, da ich jede Tassk wie die anderen mitgemacht habe und eigentlich allen immer soweit wie möglich geholfen habe (z.B. bei Märschen wenn jemand knapp vorm Zusammenbruch war, seinen Rucksach mitgeschleppt habe, etc.) und verstanden habe.

Habe mich nur oft genug mit einigen bestimmten Unteroffizieren gestritten, die anscheinend wirklich sadistisch veranlagt waren und der Meinung waren, ihre Frustration an "Frischlingen" etc. abbauen zu müssen. Generell habe ich mich mit der Hälfte aller Vorgesetzten super verstanden und der Rest hat mich.. nun ja, weniger gemocht :D.

Rückblickend betrachtet würde ich heute aber Zivildienst rein beim Roten Kreuz machen, einfach deswegen, da ich denke ich viel mehr Sinnvolles hätte machen können als beim Bund.

Jararaca
23.07.2012, 18:01
War 2010 nur noch sechs Monate dabei. Spielte mir auch in die Karten, da ich dann 2011 gleich andere Pläne umsetzen konnte. Man hatte mich eben schon fünf Jahre angeschrieben, aber dann kamen Ausbildung und nochmals Schule dazwischen. ;)

Eine kurze Zeit, aber auch eine Zeit, die ich nicht missen möchte. Allein wie man schon am Bahnhof vom Bus abgeholt wurde. :D Dann drei Monate Grundausbildung und man denkt, danach kannst du die anderen drei Monate abbummeln. Ne, ist nicht. Schön in der Kompanie geblieben und durfte bei der Ausbildung helfen. Auch schön morgens früh raus und erst ins Bett, wenn die Rekruten im Bett waren. :D

Aber die Sprüche, die Horchposten, die Märsche das waren schon lustige Tage. Ein Spruch der mich nun geprägt hat:

“Die Hälfte seines Lebens, wartet der Soldat vergebens.”

Nach mehreren GvD-Diensten sowie über Tag GvD-Ersatz für Rekruten, sowie Torposten in kühlen Nächten bei der Ausbildung draußen...da kann einem die Zeit nichts mehr anhaben.

Der Landrat
27.07.2012, 11:56
Nach meiner Ausbildung wollte ich der Tradition meines Vaters folgen und mich ebenfalls für eine längere Zeit beim Bund verpflichten. Ich wollte vorerst Zeitsoldat für 4 Jahre werden, wurde gemustert, ging zur Vorbereitungsuntersuchung und bekam eine Stelle ganz in Nähe meiner Heimat. In Diez. Dort durchlief ich die Grundausbildung, welche auch ihren gewissen Anreiz hatte, immerhin lernt man dort viel über Teamfähigkeiten etc. Ziemlich schnell wurde ich aufgrund meiner Verpflichtung zum Hauptgefreiten UA, was mich innerhalb der Truppe neben einem anderen zu einem Seitens der Ausbilder Führer der Truppe machte.

Zu der Zeit begannen allerdings die ersten Zweifel, ob die Bundeswehr wirklich das Richtige für mich ist. Nach der Grundausbildung kam ich schließlich in meiner Einheit. Im Stabsdienst wußte keiner so genau, was ich machen sollte, sodass ich zu einer Angestellten gesteckt wurde, die als "Drache" bekannt war. Ich kam mit der Frau allerdings hervorragend aus und öffnete schnell meine Sorgen etc. gegenüber ihr. Nach einigen Gesprächen stand für mich fest, in 4 Jahren hab ich das Arbeiten verlernt. Da die Kompanie eine Ausbildungskompanie für KFOR und SFOR war, war es für mich absehbar, wann ich in den Krieg geschickt werde. Viel Geld für den Soldaten, aber auch eine größere Angst. Das wollte ich alles nicht, weshalb ich innerhalb der "Probezeit" von 3 Monaten abdankte. Dadurch blieben mir viele Zusätze (vorgeschlagene Beförderung und Sachwerte) verwehrt, aber das war mir egal.

Rückblickend würde ich den Schritt nicht noch einmal gehen. Ich bin nicht für den Wald, nicht fürs Gewehr, nicht für den Stil der Bundeswehr geschaffen. Mit anderen Bundis hatte ich so gut wie keinen Kontakt, da diese sich nur gut im Saufen verstanden und mir das irgendwie zu dumm war.

Meine Zeit wurde auch etwas verkürzt... den Urlaub hatte ich gesparrt für 3 Wochen und 2 Monate vor Dienstende habe ich eine starke Schulterverletzung erlitten, was mir 1 Monat KZH einbrachte.

SES Punkomaniac
27.07.2012, 14:02
Ja wieso denn nicht? In den neunzigern waren viele mit T3 beim Bund.
Ich weiß davon nichts. Einiges weiß ich bzw. an vieles kann ich mich noch erinnern, aber wie es mit der Tauglichkeit in den 90ern aussah - naja, es betraf mich ja nicht. :) Bei mir im Zug bzw. in der ganzen Kompanie waren nur ein paar wenige T3ler, die an den meisten Übungen nicht teilnehmen durften bzw. in den ersten Wochen schon wieder entlassen wurden. Wie ich es hier schon oft genug schrieb, hat sich da von jetzt auf gleich einiges geändert. :)

EDIT: Deutsche Bürokratie eben! Wie ich ja schon schrieb, gab es in meiner Stube einen 17jährigen und in einer anderen Kompanie einen 16jährigen(Personalausweise habe ich gesehen, weil ich es schlicht nicht glauben konnte)! Deutsche Sprache, schwere Sprache? Ja, auf jeden Fall. Außerdem: Deutsche Bürokratie, komische Bürokratie! :D

RAINMAKER Raptor
27.07.2012, 18:14
Auch ich war beim österreichischen Bundesheer.

Gemustert wurde ich mit 8 (was bei uns ja relativ gut ist) und mir wurde nahegelegt, was Vernünftiges zu machen. Ich hab gleich wortwörtlich entgegnet, dass ich weder Zeit noch Lust auf den Affenverein hab und die mich irgendwo zuteilen sollen, damit ich den staatlich verordneten Schuldenaufbau endlich hinter mich bringen kann. Die Blicke der Musterungskommission könnt ihr euch ja vorstellen, da war von Verwunderung über Amüsement bis hin zu blankem Hass alles vorhanden.

Jedenfalls wurde ich dann (wegen Ausbildungswechsel) ca. 4 Jahre später noch einmal gemustert (diesmal mit 6 *g*) und ein halbes Jahr später eingezogen. Da man den Befehl ja schon Wochen vorher erhält und ich ebenjenen am Tag darauf schon wieder vergessen hatte, wurde ich am 1. April (ja, wirklich!) von der Militärstreife von der Arbeit abgeholt - das mir das nicht umbedingt Sympathiepunkte der Ausbildner einbrachte, könnt ihr euch vorstellen. Als ich dann auch noch bemerkte, wo man mich da untergebracht hat, wars mit der guten Laune übrigens auch vorbei.

Jedenfalls gabs dann 4 Wochen Grundausbildung von einem Wachtmeister, der 2 Jahre jünger war wie ich und der sich nach der ersten verbalen Auseinandersetzung nicht mehr traute, unserem Zug etwas wirklich anstrengendes zuzumuten. Morgensport war also 3 Wochen lang Fußball am Hartplatz auf Eishockeytore, exerziert wurde normal, Ausbildung an der Waffe wollten wir auch normal und Kampftage wurden zu "Tarnen und schlafen". Wäre die Küche auch nur ansatzweise genießbar gewesen, wäre es fast wie Actionurlaub gewesen (Ich habe im ganzen Bundesland in Kasernen gegessen und unser Fraß war einfach eine Beleidigung. Vorallem Freitags, wenn es Pioniereintopf gab - sprich die Reste der Woche in nem Topf.). Arsch vom Tag war ich übrigens öfter als jeder andere :)

Danach gab es 2 Wochen Wachausbildung (ja, ich war Wache. 24 Stunden Dienst, 48 Stunden frei.), in der wir zum Morgensport wieder Fußball gespielt haben oder schwimmen gingen (witzigerweise muss, wenn Grundwehrdiener schwimmen gehen, ein ausgebildeter Rettungsschwimmer anwesend sein.). Da gabs außerdem noch theoretische Vorschriftenausbildung (die war so öööööde) und praktische Übungen (Nahkampf und Schießen). Nahkampf war witzig, da es so elends schlecht war und unser Wachtmeister eine Motivation wie ein Stein an den Tag legte. Danach mit dem Militäroberpfarrer eine Woche Soldatenwallfahrt nach Lourdes, DASS war wirklich lustig. Den Tag über Programm (inklusive Singen beim Hinmarsch), abends Freizeit in Uniform. Die Fremdenlegionäre zahlen übrigens ALLES, wenn man sie respektvoll behandelt :)

Dann kam die Tretmühle. 4 Monate Wachdienst, bis eine Woche vor dem Abrüsten. Ich hab übrigens Charge gemacht vom vorletzten auf den letzten Tag. Einer von unserem Zimmer musste, die anderen wollten nicht, waren aber bereit zu zahlen. Zu € 200,- sagt man einfach nicht nein *g* Alles in allem war es im nachhinein betrachtet eine lustige Zeit.

SES Punkomaniac
27.07.2012, 20:28
Auch wenn ich einiges anders sehe, so ist Deine Argumentation vollkommen nachvollziehbar und meines Erachtens, kombiniert mit Deinem von Deinen Grundsätzen geprägten Werdegang, sehr stichhaltig. Es ist Dein gutes Recht das so zu sehen - und wer weiß, vielleicht hast Du recht. Auch wenn ich das nicht zur Gänze denke.

Ich hab jedenfalls Respekt vor Dir. ;)
Das geht bei mir runter wie Butter... oder wie CM Punks doppelter Titelgewinn gegen Cena. Dankeschön. :)


So, der von mir eröffnete Thread ist richtig spannend und interessant. Danke an alle für die Antworten. :dh:
Gibt es denn keine anderen Nationalitäten, die außerhalb Österreichs und Deutschlands ihren Dienst geleistet haben? Das würde mich jetzt auch mal interessieren. :) Es gibt doch ein paar Luxemburger(wo ich allerdings absolut keine Ahnung habe, ob sich bei, öhm, ich glaube 200 Soldaten eine Wehrpflicht durchführen lässt; und das soll beim besten Willen nicht negativ gemeint sein.). Menschen vom restlichen europäischen Kontinent sowie vom afrikanischen, asiatischen, australischen, nordamerikanischen oder südamerikanischen Kontinent können sich auch sehr gerne äußern. Ich lebe in einem Multikulti-Land und möchte auch Antworten aus aller Welt haben. :)
Das soll allerdings nicht heißen, dass Österreicher und Deutsche jetzt ausgeschlossen sind. Schreibt weiter und berichtet von euren Militärerlebnissen oder Verweigerungen. ;)

RAINMAKER Raptor
27.07.2012, 21:52
Ich kann dir maximal durch Hörensagen erzählen, wie es bei der bosnischen Armee war. Die war im Prinzip von den Rängen her von den USA kopiert, von der Ausrüstung auch. Außerdem gab es bei der Bezahlung ein Leistungsprinzip mit Prämien, wodurch man durch ordentliche Leistungen eine normale (für bosnische Verhältnisse) Monatsbezahlung erreichen konnte. Bei uns wird man ja monatlich beleidigt ... Das hat mir beim "Innendienst" (krank geschunden hab ich dafür, Nebenhöhlenentzündung kann man nämlich ganz gut faken und auf Feldlagerwoche hatte ich keinen Bock) zumindest einer erzählt, der in Bosnien abgedient hat und bei uns noch einmal ran durfte, weil abgeleistete Wehrpflicht da nicht angerechnet wird. Hat glaube ich irgendwas mit EU-Recht oder so einem ähnlichen Blödsinn zu tun.

Old Holborn
28.07.2012, 19:02
Mich würde mal interessieren, wer von euch beim Militär war ...

Die Kommentare müssen natürlich nicht so ausführlich wie bei mir sein, aber ein paar Sätze wären schon interessant. :dh:

Bei meiner Musterung durfte ich zunächst ewig lange warten. Mein Nachname fängt mit einem der letzten Buchstaben des Alphabet an.

Als ich an der Reihe war gab es den Becher, den ich vollmachen durfte. Anschließend wurden Körperlänge und Gewicht gemessen.

Schon durfte ich mich wieder anziehen, durfte auf dem Flur warten und war erstaunt, dass es nicht zu jenem "berühmten Griff mit Husten" gekommen war. - Nicht das ich wild darauf gewesen wäre, aber diesen mussten alle meine Freunde, die vor mir gemustert wurden, über sich ergehen lassen. - 180 Minuten warten für ca. 7 Minuten Aktion. - Ganz schön öde.

Einige Minuten später tauchte der Arzt auf, drückte mir einen Umschlag in die Hand und nannte mir einen Flur, in dem ich warten sollte bis mein Name aufgerufen wurde.

In dem Flur stand eine Bank, ich setzte mich auf diese und war alleine. Nach und nach trudelten meine Mitgemusterten ein und in alphabetischer Reihenfolge wurden die Leute in ein Zimmer gerufen. - Ich wieder am Schluss.

In dem Zimmer, ein kahler weißer Raum, drei Schreibtischen, die jede Schule in Berliner Problembezirken dankend abgelehnt hätte. An jedem Schreibtisch saß ein älterer Herr im Anzug, an der Wand hinter diesen eine Deutschlandfahne, deren Zustand ich mit "rotziger, dreckiger, ausgefranster Lappen" noch sehr höflich beschreibe. Keine Ahnung wo diese Fahne wie lange geweht haben muss um so auszusehen. Keine Ahnung wie wenig sich diese Musterungsanstalt leisten konnte, wenn es nicht mal für eine anständige Landesfahne gereicht hat.

Der Herr in der Mitte bat mich ihm den Umschlag auszuhändigen, das tat ich, er öffnete diesen, schaute ein paar Sekunden auf den Zettel im Umschlag und meinte dann mit Trauermine: "Herr XY, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass sie nicht wehrtauglich sind. T5, ausgemustert, es sei den Sie wollen unbedingt zur Bundeswehr." - Meine Antwort: "Ne, lassen Sie mal gut sein, aber danke für das Angebot." - Der ältere Herr: "Damit hat sich Ihr Besuch bei uns schon erledigt, wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft. Auf Wiedersehen." - Ich: "Wünsche ich Ihnen auch. Auf Wiedersehen."

Das meine "Militärzeit". - Was mir davon im Gedächtnis blieb? - Drei Stunden warten bis zur Untersuchung, fünf Minuten untersucht worden (Becher/Körpergröße/Gewicht). Danach wieder gute drei Stunden Wartezeit für ein 2-Minuten-Gespräch, während welchem ich den dreckigsten Stofflappen in meinem Leben gesehen habe.

Das blieb mir dann von meiner "Militärzeit" in Erinnerung. - Weiterhin: ca. 360 Minuten warten für ca. 7 Minuten Aktion. - Ganz schön öde.

C`est la vie ... nicht jeder ist als Vaterlandsverteidiger geboren. ;)

RAINMAKER Raptor
28.07.2012, 19:56
C`est la vie ... nicht jeder ist als Vaterlandsverteidiger geboren. ;)

Im Kriegsfall darfst du dann wohl aufräumen ;)

Aber interessant, wie das bei euch abläuft. Bei uns wird man erst mal gründlich von oben bis unten durchgenudelt, bis man erfährt, wie sehr (oder eben wenig) man tauglich ist. Außerdem wird man während Wartezeiten mit Propagandavideos zugetextet, bis man fast so weit ist, wirklich zu glauben, dass unser Heer was wert ist :D